Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Gegenüber Sie versteht?

Zainab Lüscher: Der SEM-Mitarbeiter fragt zu Beginn des Gesprächs, ob mich der Gesuchsteller versteht, und versichert sich am Ende noch mal, ob er alles verstanden hat.

Wie gehen Sie mit Sympathie und Antipathie um?

In allen Aus- und Weiterbildungen wird einem eingeschärft, wie wichtig die Neutralität des Dolmetschers ist. Ich achte darauf, Abstand zu wahren. Dafür wende ich Techniken an – in einer Dolmetschsituation etwa, indem ich physisch einen Schritt zurücktrete oder mich wieder aufrecht hinsetze. Das schafft innerliche Distanz. Auch achte ich darauf, dass ich vor und nach der Anhörung mit keinem der Beteiligten das Gespräch führe.

Kommt es vor, dass sich nach dem Gespräch jemand bei Ihnen erkundigt, für wie glaubwürdig Sie die Ausführungen des Antragstellers halten?

Nicht beim SEM. Die Befrager haben einen Verhaltenskodex und klare Richtlinien. Ein solches Verhalten wäre absolut unprofessionell.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie die Terminologie beherrschen? Ein einzelnes Wort kann entscheidend sein.

Ich habe vom SEM ein Glossar mit den meistbenutzten Terminologien erhalten. Dieses habe ich ins Arabische übersetzt. Sollte es dennoch vorkommen, dass mir ein Wort auf Deutsch oder Arabisch entfällt, so konsultiere ich mein Onlinewörterbuch.

Übersetzen Sie auch die Emotionen eines Klienten?

Nein, seine Stimme spricht für sich selbst. Im Tonfall bleibe ich neutral.

Welche Situationen sind für Sie schwer zu ertragen?

Durch unsere Arbeit erfahren wir sehr viel über die tragischen Umstände in den Kriegsgebieten und die traurigen Schicksale der Flüchtlinge. Dies ist manchmal emotional ziemlich belastend und stimmt mich nachdenklich.

Geben die Leute offen Auskunft über ihre Erlebnisse?

Das ist sehr unterschiedlich. Einige sind sehr offen und erzählen viel. Andere halten sich knapp. Meine Erfahrung ist aber, dass die SEM-Mitarbeiter wissen, wo sie nachhaken müssen.