Im Cockpit und im Passagierraum des Airbus A330 der Swiss breitet sich fünf Minuten nach dem Start in Zürich der Geruch von Hydrauliköl aus. Der 34-jährige Pilot spürt Kopfschmerzen und setzt die Sauerstoffmaske auf. Ein heikler Vorgang, denn damit sind Funksprüche kaum mehr möglich.

Der Pilot hat richtig entschieden, urteilt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust). Sie hat diese Woche ihren Bericht zum «schweren Vorfall» vom 26. November 2015 veröffentlicht. Das in die Luft gelangte Hydrauliköl des Herstellers Exxon berge ein Gefährdungspotenzial. Trotzdem sind die Passagiere und die Besatzung den giftigen Dämpfen noch eine Stunde lang ausgesetzt. Das vollgetankte Flugzeug ist zu schwer für eine Landung. Deshalb kreist es eine Stunde in der Warteschlaufe, um Kerosin zu verbrennen. Mehrere Passagiere und Flight Attendants leiden unter Übelkeit und Kopfschmerzen. Eine Stewardess erleidet am Folgetag Störungen des Geschmacks- und Geruchssinns.

Als Ursache stellt die Sust eine defekte Pumpe des Hydrauliksystems am Triebwerk fest. Ein Teil davon war nach 34 000 Flugstunden abgenutzt, was zu einem Leck führte. Beim Triebwerk wird Luft für das Air Conditioning System abgesaugt.

Vorfälle nehmen zu

Sust-Untersuchungsleiter Florian Reitz stellt fest: «In jüngster Zeit häuften sich die Fälle mit verunreinigter Kabinenluft.» Das liege auch daran, dass die Jumbolinos in die Jahre gekommen seien. Das Phänomen wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Reitz sagt: «Es würde mich nicht erstaunen, wenn sich zeigen würde, dass das Klima an Bord für Vielflieger lebensverkürzend sein kann.»

Die Swiss hat auf die Vorfälle reagiert und dem Bordpersonal einen Medical Guide geschickt. In jedem Flugzeug liegt zudem ein Ratgeber auf. Darin steht, dass das Personal nach einem Vorfall umgehend einen Arzt aufsuchen solle. Wartet man zu lange, können die Stoffe im Blut nicht mehr nachgewiesen werden.

Swiss-Sprecherin Karin Müller sagt: «Uns ist bislang kein Fall anhaltender Gesundheitsschäden bekannt, welcher auf kontaminierte Kabinenluft zurückzuführen wäre.» Die Gewerkschaft Aeropers warnt hingegen vor Langzeitschäden. Sie fordert die Airlines auf, die Flugzeuge wegen der Dämpfe mit Sensoren und Filtern auszurüsten. Müller sagt, das sei «ein Design-Thema und somit Sache der Flugzeughersteller wie Airbus». Der Swiss seien die Hände auch aus rechtlicher Sicht gebunden.

Aeropers-Sprecher und Swiss-Pilot Thomas Steffen entgegnet: «Die Airlines sind im Moment nicht bereit, Sensoren einzubauen, weil dann wohl mehr Flugzeuge umkehren müssten.» Die Probleme würden neben Jumbolinos auch vermehrt in Boeing 757 auftreten. Er rät: «Wenn ich als Passagier auf einer Strecke eine Auswahl habe, würde ich eher Maschinen wählen, die weniger davon betroffen sind.»