Zuerst, sagt Rosmarie Quadranti, zuerst müsse sie da etwas klarstellen. «Ich habe nichts gegen die Armee.» Im Gegenteil, sie sei sogar eine richtige Armeefreundin. Bei einer bürgerlichen Politikerin sollte ein solches Bekenntnis eigentlich keine Erwähnung wert sein, erst recht nicht bei Quadranti: Die Zürcher Nationalrätin und Chefin der BDP-Fraktion im Bundeshaus war selbst in der Armee. Lange, bevor der Zugang für Frauen zu allen Funktionen geöffnet worden ist, meldete sie sich zum Dienst als Sanitätsfahrerin. «Die Zeit im Militär war für mich sehr wertvoll», sagt sie.

Quadranti kennt die Armee wohl besser als viele ihrer männlichen Kollegen aus der sicherheitspolitischen Kommission. Trotzdem muss sie in diesen Tagen immer wieder betonen, dass sie hinter dem Militär steht. Denn die 60-Jährige sitzt auch im Vorstand von Civiva, dem nationalen Verband, der sich für die Interessen des Zivildienstes einsetzt.

Gegen das «Kästli-Denken»

Genau das mag manchen nicht in den Kopf gehen: Wie kann eine Politikerin, eine bürgerliche erst noch, der Armee die Stange halten und sich gleichzeitig für den Zivildienst einsetzen? Schliesslich ist es ja der boomende Ersatzdienst, der bei der Armee für rote Köpfe sorgt und verantwortlich sein soll für deren Rekrutierungsprobleme. Eine Mehrheit im Parlament will ihn unattraktiver machen. Kritisiert werden besonders jene, die vom Militär in den Zivildienst wechseln. Die Abschleicher, wie sie im Jargon der «Stahlhelme» genannt werden.

Der Bundesrat präsentierte jüngst ein Massnahmenpaket, mit dem er den Wechsel erschweren will. Wie also geht das zusammen, ja zur Armee und ja zum Zivildienst? Quadranti antwortet mit einer Gegenfrage: «Warum sollte dieses Nebeneinander ein Problem sein?» Als Politikerin wolle sie den vermeintlichen Widerspruch zwischen den Dienstformen durchbrechen. Den Umgang mit dem Zivildienst bezeichnet Quadranti als exemplarisch für das «Kästli-Denken» in der Politik. Statt nach wirklichen Lösungen zu suchen, würden viele stur auf ihrer Position beharren. Für die einen ist er eine Bastion des Widerstands, für die anderen eine Bedrohung für die Wehrpflicht: Der Zivildienst werde vom linken wie vom rechten Lager mit Armeekritik verbunden, sagt Quadranti. «Das führt zu einer Verpolitisierung.»

Nicht stur den Traditionslinien folgen, sich flexibel zeigen: Rosmarie Quadranti ist eine solche «Politik der vernünftigen Allianzen», wie sie es nennt, bestens vertraut. Seit Jahren setzt sie sich etwa für die Gleichstellung homosexueller Paare ein, während sie sich ebenso mit der traditionellen Familie identifiziert. In der BDP gehört sie zu den Kräften, welche die Partei im bürgerlichen Lager als progressive Alternative etablieren wollen. Es ist ein Profil, das an der Basis indes noch nicht wirklich angekommen ist.

Was den Zivildienst angeht, ist Quadranti derzeit die einzige bürgerliche Vertreterin, die sich prononciert gegen Zugangsverschärfungen einsetzt. Die BDP-Frau fordert eine Gesamtschau. Offenbar fürchte die Armee, künftig noch weniger Leute rekrutieren zu können, sagt sie. «Ihr Problem will sie jedoch auf Kosten des Zivildienstes lösen.» Bei einer gesamtheitlichen Betrachtung müsste laut Quadranti auch die Gleichstellung der Geschlechter thematisiert werden. So stelle sich die Frage, ob der Zivildienst nicht für Frauen geöffnet werden müsste. Gleichzeitig brauche es Ansätze, um mehr Frauen für die Armee zu begeistern.

Und im Übrigen sollte bei einer Gesamtschau der Zivilschutz, der auf die Bewältigung von Katastrophen ausgerichtet ist, nicht aussen vor gelassen werden. Auch da kann Quadranti aus eigener Erfahrung mitreden: Nach ihrer Armeezeit trat sie freiwillig in den Zivilschutz ein. Der Besuch einer Übung habe sie aufgeschreckt. «Ich konnte den Männern nicht dabei zusehen, wie ungeschickt sie mit dem Sanitätsmaterial hantieren.»