In der Schweiz gilt das «eigene» Spital als unantastbar. Sobald die Schliessung kleiner Regionalspitäler diskutiert wird, opponieren die Bürger. In der kleinräumigen Schweiz führt das zu einer Überversorgung. Zum Beispiel in Oftringen: In weniger als 20 Kilometer Luftlinie liegen acht Kliniken. Acht! Eine in Zofingen AG, Rothrist AG, Sursee LU, Langenthal BE, zwei in Olten SO und zwei in Aarau AG.

Vor diesem Hintergrund ist die geplante Spitalfusion beider Basel ein Entscheid mit nationaler Strahlkraft. Stimmt die Bevölkerung von Basel und Basel-Landschaft dem Zusammenschluss der kantonalen Spitäler am nächsten Sonntag zu, kommen auch andere Kantone unter Druck, die Spitalplanung über die Grenzen hinweg gemeinsam anzugehen.

Zwar ist der Druck noch nicht überall so hoch wie im Kantonsspital Baselland (KSBL). Die drei Standorte leiden an Patientenschwund. In Liestal musste im Sommer die 6. Etage komplett geschlossen werden, weil die Patienten fehlen, wie die «bz Basel» berichtete.

Gleichzeitig bildet das Universitätsspital Basel (USB), das sich gerne mit Zürich, Bern, Genf und Lausanne messen will, schweizweit das Schlusslicht punkto Grösse. Die Fusion könnte deshalb der Spitzenmedizin neuen Schub verleihen. Die Strategie der Gesundheitsdirektoren: Kompetenzen an einem Ort bündeln. Das erhöht die Fallzahlen und damit auch die Qualität.

Zahl der Betten wird halbiert

Vorzeigeprojekt der neuen Strategie ist der KSBL-Standort Bruderholz an der Grenze zu Basel. Anstelle des heutigen Grundversorgerspitals mit 300 stationären Betten soll eine ambulante Tagesklinik samt Permanence und Orthopädie neu gebaut werden. Der Bettenturm aus den Siebzigerjahren würde abgerissen, 150 Betten ersatzlos gestrichen. Die hochspezialisierte Medizin wäre weiterhin in Basel angesiedelt, in Liestal würde eine umfassende Grundversorgung angeboten und der Standort Laufen würde zu einem Gesundheitszentrum umfunktioniert. Von der Konzentration versprechen sich die Gesundheitsdirektoren nebst besserer Qualität vor allem Einsparungen über 70 Millionen Franken. Zum Vergleich: Das USB setzte zuletzt rund 1,1 Milliarden Franken um, das KSBL rund 450 Millionen Franken.

Auch das Budget des Kantons Basel-Stadt würde um 3,5 Millionen Franken pro Jahr entlastet, weil sich neu auch der Nachbar Basel-Landschaft an den Ausbildungskosten der Ärzte beteiligen müsste.

Kritiker von allen Seiten

Obwohl die neue Spitalgruppe unter dem Namen «Universitätsspital Nordwest» viele Vorteile bringen würde, ist das Projekt hart umkämpft. In der Stadt hält sich hartnäckig die Meinung, dass von der Fusion vor allem Baselland profitieren würde. Der grössere Kanton muss weniger Kapital (33,4 Prozent) einbringen und nimmt daher ein geringeres finanzielles Risiko auf sich. Trotzdem darf er bei wichtigen Entscheiden gleichberechtigt abstimmen.

Anderen Kritikern ist die Fusion zu wenig radikal: Indem die Gesundheitsdirektoren an den Problem-Standorten Bruderholz und Laufen festhalten, bestehe auch die Unrentabilität weiter. Die bürgerliche Seite beklagt zudem die Konkurrenz zu den privaten Spitälern. Wohingegen linke Kreise die Rechtsform der Aktiengesellschaft ablehnen. Das Parlament könne so auf die Geschäftstätigkeiten der Spitalgruppe keinen Einfluss mehr nehmen. Augenfällig ist im Streit, dass SP, FDP und GLP je nach Kanton gespalten sind.

Kein Zurück mehr?

Ob ein Nein die eingeleitete Konzentration noch stoppen kann, ist jedoch umstritten. Die grossen Umbaupläne führten bereits im vergangenen Jahr zu Unsicherheit beim Personal. Im Herbst verliessen mehrere Kaderärzte das von den Umbauplänen stark betroffene Bruderholzspital – was die Abwärts-Spirale möglicherweise weiter befeuert: Fallen gute Ärzte weg, kommen auch die Patienten nicht mehr.