Die zwei Brennpunkte Fukushima und Papierfabrik Biberist standen im Zentrum der Generalversammlung der AEK Energie AG in Solothurn. «Wir sind nach dem gut verlaufenen Geschäftsjahr 2010 hoffnungsvoll in die Zukunft gestartet», erklärte AEK-Verwaltungsratspräsident Ulrich Bucher vor den Aktionären im vollbesetzten Landhaussaal. «Doch die zwei Ereignisse haben uns gezeigt, wie rasch Veränderungen eintreten können.»

In diesem Zusammenhang kritisierte er das wankelmütige Verhalten der Politiker scharf. Wenn nach der Atomkatastrophe in Japan die deutsche Regierung die sofortige Abschaltung mehrerer Atomkraftwerke verfüge, könne wohl nicht von «vorausschauender Staatsführung» gesprochen werden. Das sei «reiner Opportunismus». Zwar habe der Bundesrat im Gegensatz dazu klüger reagiert, aber die politische Diskussion verlauf auch hierzulande nicht sehr lösungsorientiert. «Wenn ehemals vehemente Befürworter der Kernenergie innerhalb eines Monats zur Überzeugung gelangen, der Ausstieg sei möglich, dann bin ich doch ziemlich erstaunt.»

«Unmoralische Haltung»

Mittelfristig werde in der Schweiz wohl keine Abstimmung zu neuen Kernkraftwerken stattfinden, viel wahrscheinlicher seien weitere Ausstiegs- und Moratoriumsinitiativen. Die Stromwirtschaft werde Alternativen suchen müssen, um den Auftrag, die Bevölkerung sicher mit Strom zu versorgen, erfüllen zu können. «Da die alternative Energieerzeugung aber weder mengenmässig noch bezüglich zeitlicher Verfügbarkeit genügt, werden wir zunehmend Strom importieren», skizzierte Bucher die Folgen. Dass dieser Strom in ausländischen Atomkraftwerken, möglicherweise in Kohlekraftwerken und ganz sicher in Gaskraftwerken produziert werde, sei klar. «Also alles kein Problem?», fragte er rhetorisch. «Eben doch.» Einmal mehr würde die Schweiz eine Problemlage ins Ausland exportieren. Das könne man zwar so machen. «Aber wenn wir uns dann noch als die energie- und umweltpolitischen Saubermänner und Sauberfrauen in Europa fühlen, dann finde ich das höchst bedenklich, ja sogar unmoralisch.»

Höhere Dividende genehmigt

Die mögliche Schliessung der Papierfabrik Biberist würde die AEK direkt treffen, erläuterte seinerseits AEK-Direktor Walter Wirth. So wäre das von der AEK auf dem «Papieri»-Areal betriebene Gas-Kombikraftwerk Ebag mit zwölf Arbeitsplätzen gefährdet (wir berichteten). Ansonsten konnte er über ein gutes 2010 berichten. «Die AEK hat sich in einem anspruchsvollen, teilweise unsicheren Umfeld, gut behauptet.» So ist der Umsatz um 6,2 Prozent auf 204 Mio. Franken gestiegen, das operative Ergebnis erhöhte sich um 1,3 Prozent auf 8,4 Mio. Franken, bestätigte er frühere Aussagen.

Die AEK-Aktionäre (Mehrheit befindet sich in den Händen der BKW und der Alpiq) haben der beantragten Erhöhung der Dividende von 300 auf 330 Franken pro Aktie oppositionslos zugestimmt. Als Ersatz für den austretenden BKW-Vertreter Hermann Ineichen wurde für den Rest der Amtsdauer Suzanne Thoma, Leiterin Geschäftsbereich Netze der BKW Energie AG, in den Verwaltungsrat gewählt. (fs)