Neugier lag in der Luft, als sich die Besucher der ersten Solothurner Industrienacht am Dienstagabend vor dem Berufsbildungszentrum in Solothurn versammelten. Sieben Doppeldeckerbusse chauffierten die Interessierten zu je zwei Industriefirmen in der Umgebung. Auch in Grenchen, Oensingen, Olten und Breitenbach fand die Industrienacht statt – 800 Interessierte nahmen im ganzen Kanton daran teil.

Eine der Solothurner Touren führte die Besucher zur Kaffeemaschinenherstellerin Schaerer AG in Zuchwil und zur Hess Carrosserie in Bellach. Das Programm war reichhaltig, die beiden Firmen hatten nur je eine Stunde Zeit, um die Besucher durch die Firmen zu führen. «So sieht die Schaerer AG also von innen aus», sagte eine Besucherin, während die Gruppe durch den Betrieb geführt wurde.

Wie die Schaerer AG 1892 angefangen hat? «Mit der Sterilisation von Operationsinstrumenten», sagte Geschäftsführer Jörg Schwartze. Er erzählte von der Erfolgsgeschichte, die in den 126 Jahren bis heute geschrieben wurde. «Inzwischen exportieren wir Kaffeemaschinen in über 70 Länder auf der ganzen Welt», so Schwartze. Die Anzahl verkaufte Kaffeemaschinen pro Jahr ist in den letzten Jahren stark gewachsen: waren es 2016 noch 15'000 Maschinen, rechne man für 2018 mit 25'000.

Auch der Preis einer einzelnen Maschine liess die Besucher staunen: 8000 bis 20'000 Franken. Bei einem der Posten wurde der Montageablauf aufgezeigt, den eine Kaffeemaschine durchläuft. Fasziniert beobachteten die Besucher, wie die einzelnen Teile mit viel Handarbeit zusammengestellt werden. Für die Industrienacht legten die Mitarbeiter extra eine Spätschicht ein. Die Stunde war schnell vorüber. Zwar ohne Kaffee, dafür aber mit von der Schaerer AG spendierten Solothurner Törtchen, ging die Reise weiter.

Tourguide Andreas Nold von der Fraisa SA in Bellach sprach während der Fahrt über Sinn und Zweck der Industrienacht: «Uhren, Züge, Maschinen – täglich haben wir mit industriell erzeugten Dingen zu tun. Und doch wissen wir sehr wenig über deren Produktion». In dieser Nacht solle jeder die Möglichkeit haben, hinter die Kulissen zu blicken. Die Handelskammer wolle mit der Veranstaltung aufzeigen, dass die Industrie spannende Berufsfelder zu bieten habe.

Per Bus zum Bushersteller Hess

Inzwischen hatte der Reisebus die Hess Carrosserie in Bellach erreicht. Von aussen wirkte das Gebäude unscheinbar. Als die Besucher aber die grosse Halle betraten, blickten sie auf mehrere unfertige, bis zu 25 Meter lange Busse. Einige standen wie Skelette ohne Scheiben, Türen und Sitze in der Halle, während bei andern nur noch der Feinschliff fehlte.

100 Busse verlassen den 1882 gegründeten Familienbetrieb pro Jahr, erzählte der Verkaufsleiter Yves Brügger, während er die Interessierten im Schnellschritt durch den Betrieb führte. Als einzige Busherstellerin der Schweiz liefere die Firma nach Bern, St. Gallen und Zürich, aber auch nach München oder in die französische Stadt Nantes. «Die Franzosen ticken etwas anders, ihnen ist das Design sehr wichtig», sagte der Leiter schmunzelnd und führte die Gruppe durch den unfertigen Bus. «Das sieht ja ganz speziell aus», sagte ein Besucher und betrachtete skeptisch den edlen Boden und die grün beleuchteten Sitzflächen. Die Hess AG produziere fast ausschliesslich Elektrofahrzeuge, «die wenigen Dieselbusse werden hauptsächlich in Bergregionen geliefert.»

Als auch der Rundgang in der Carrosserie Hess zu Ende ging, unterhielten sich die Besucher begeistert über das eben Erlebte. «Da steckt so viel Handarbeit dahinter, das hätte ich nie gedacht», sagte eine Frau fasziniert.

Veranstalter sehr zufrieden

«Die erste Industrienacht war aus Sicht der Solothurner Handelskammer ein voller Erfolg», sagt Projektleiter Thomas Heimann. Er habe viele positive Rückmeldungen von Firmen und Besuchern erhalten und viele Fotos zugeschickt bekommen. Die Solothurner Handelskammer habe sich vor allem über den «Besuchermix» gefreut. «Frauen, Männer, Familien, eine Weiterbildungsklasse, es waren auch Grossväter mit ihren Enkeln auf den Touren dabei», so Heimann. Die Industrienacht werde auch in den folgenden zwei Jahren am 11. September stattfinden. «Ich glaube, wir haben ein gutes Format gefunden.»