Afzal ist ein verwitweter, sechzigjähriger Taxiunternehmer, der aus Pakistan stammt und schon lange in den USA lebt. Er kennt sich aus mit den neuesten Medien und ist fleissig auf der online-Datingplattform «muslimlove.com» unterwegs. Allerdings sucht er nicht für sich eine neue Frau; er sucht einen Mann. Und zwar für seine 32-jährige Tochter Zarina. Schon sieben potenzielle Bewerber hat er persönlich getroffen und sie begutachtet. Nun trifft er sich mit Eli, einem zum Islam konvertierten Amerikaner und findet ihn eigentlich recht passend als Schwiegersohn.

Afzals Töchter Zarina und und die etwas jüngere Mahwish wissen zunächst noch nichts von den Aktivitäten ihres Vaters. Mahwish kümmert es auch nicht gross, denn sie wird bald ihre Jugendliebe, den Moslem Haroon heiraten, obwohl sie ihn eigentlich verachtet. Heimlich ist sie in den muskulösen Manuel verliebt. Zarina allerdings ist empört, als sie erfährt, dass ihr Vater mit ihren Fotos auf Männersuche aus ist, denn sie ist, als emanzipierte Muslimin, gegen eine arrangierte Ehe. Sie hat sich dem Vater schon einmal untergeordnet, als sie auf die Ehe mit dem Christen Ryan verzichtete. Doch momentan plagen sie ganz andere Sorgen: Schon seit langem ist sie, die als Schriftstellerin arbeitet, von einer Schreibblockade befallen und das Manuskript zum Buch über das Leben des Propheten Mohammed bleibt liegen.

Eine Geschichte des Koran

Widerwillig trifft sich Zarina dennoch mit Eli und empfindet auf Anhieb so etwas wie Sympathie für den jungen Mann. Er kann sie sogar von ihrer Schreibblockade befreien. Zarina beendet ihr Manuskript, in dem sie ganz realistisch über das Leben des Propheten schreibt und in dem sie insbesondere dessen Beziehung zu seiner ehemaligen Schwiegertochter Zainab, die er später heiratete, bis ins intime Detail beschreibt. In dieser Geschichte kommt auch der sogenannte Schleiervers vor, der die Frauen des Propheten zum Tragen des Schleiers verpflichtete.

Zudem setzt sie sich kritisch mit der Stellung der Frau im Islam auseinander, hinterfragt das Kopftuch und die Ächtung der weiblichen Sexualität. Diese kritische Auseinandersetzung mit dem Islam können und wollen Vater und Schwester nicht akzeptieren. Der Vater behändigt sich des Manuskripts und beschuldigt Zarina der Blasphemie. Mit diesem Buch bringe sie die ganze Gesellschaft gegen die Familie auf. «In Pakistan würdest du dafür getötet», schreit er ihr entgegen. Es kommt wie es kommen muss: der Vater verstösst seine älteste Tochter. Doch am Schluss siegt die Liebe.

Und darum geht es dem Autor des vier-Personen-Stückes «The Who und the What», Ayad Akhtar. Um die Liebe in ihren verschiedenen Nuancen. Geschwisterliebe, Vaterliebe, leidenschaftliche Liebe, besonnene Liebe, wachsende Liebe. Zwar es geht auch um die Stellung der Frau im Islam und um die Frage, wie man als möglichst gläubiger Mensch in der heutigen Zeit mit den islamischen Regeln leben kann. Eine Problematik, die schwierig zu handhaben ist, aber nicht nur im Islam. Jeder. der seine Religion erst nimmt, ist solchen Zerreissproben ausgesetzt. Ob Christ, Jude, Hindu. Das ist auch die Stärke dieses Stückes, dass hier nicht alleine um den Islam und das Kopftuch geht, sondern dass solche religiösen Lebensfragen jede Familie treffen und zerbrechen kann.

Starkes Darsteller-Quartett

Neben der Stärke des Stückes, sorgte auch das Darstellerensemble mit Günter Baumann als Vater Afzal, Atina Tabé als Zarina und Tatjana Sebben als Mahwish, sowie Tom Kramer als Konvertit Eli für Gänsehaut. Die Emotionen auf der Bühne packten das Publikum unmittelbar. Baumann als umsorgender Vater, der seine Prinzipien hochhält, jedoch aus Liebe hin und wieder Abstriche von den strengen Regeln toleriert war herzerwärmend. Atina Tabé als rebellische, unprätentiöse und intellektuelle Tochter spielte mit einer Intensität, die Gänsehaut verursachte. Und Tatjana Sebben als die zunächst unbeschwerte wilde, doch später verzweifelte Mahwish riss die Zuschauer hin. Plausibel war auch Tom Kramer als besonnener und liebender Eli.

Ebenso trugen das spartanisch ausgerüstete Bühnenbild und die gelungenen Kostüme von Karin Fritz, sowie die stimmungsvolle musikalische Untermalung und das Licht zum unvergesslichen Theaterabend bei. Regisseurin Katharina Rupp hat es wieder mal geschafft, einem auf Schweizer Bühnen noch unbekannten Stück den bestmöglichen Start zu geben.

Weitere Aufführungen: 9., 26. 2.; 20., 22., 24. 3.; 7. 4. Premiere Biel 5. 3.19. Infos: www.tobs.ch