Die Alpiq verkauft ihr Gebäudetechnik-Tochter Alpiq InTec und die deutsche Kraftanlagen Gruppe für 850 Millionen Franken an den französischen Bauriesen Bouygues. Im Kanton Solothurn gibt es sechs Niederlassungen der Alpiq InTec. Vom Verkauf betroffen sind insgesamt rund 500 Mitarbeiter. Erst letztes Jahr ist die Filiale in Olten mit 140 Mitarbeitern in ein neues Gebäude gezogen. Was hat der Entscheid vom Montag für Folgen auf die Mitarbeiterzahl in Olten und den weiteren Standorten in Grenchen, Zuchwil, Matzendorf, Däniken und Breitenbach?

Dazu schreibt die Alpiq-Medienstelle: «Bis zum Abschluss des Verkaufs hat Alpiq die volle Verantwortung für die Mitarbeitenden der devestierten Bereiche. Diese Verantwortung nehmen wir auch entsprechend wahr.» Zudem würde der Verkauf «neue Perspektiven für die Mitarbeitenden auf beiden Seiten» bieten, weil es bei der Gebäudetechnik wie Elektro, Heizung oder Sanitär um ein personalintensives Geschäft handle, welches von der Nähe zum Kunden lebe. «Diese Kundennähe ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil – und ein Grund, weshalb das Engineering-Services-Geschäft in vielen Bereichen die Nummer 1 ist», schreibt die Medienstelle. Langfristig müsse diese Frage aber von der neuen Eigentümerin beantwortet werden.

Kein Kontakt mit Käufer

Über den Vertreter des Kantons im Alpiq-Verwaltungsrat, den Oltner Anwalt Heinz Saner, war man im Solothurner Rathaus seit einigen Wochen informiert über die Verkaufspläne der Alpiq, nicht jedoch in die Entscheidfindung involviert. Man habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass die bisher verfolgte Diversifizierungsstrategie für Alpiq nicht erfolgreich war und das Unternehmen nicht über die Mittel verfügt, um in einen weiteren Ausbau der nun veräusserten Sparte zu investieren, sagt Heidi Pauli, Departementssekretärin des Finanzdepartements. So gesehen wertet man den Verkauf der Gebäudetechnik-Tochtergesellschaft Alpiq InTec an die französische Bouygues beim Kanton als positiv. Das sei auch eine Chance für diesen Geschäftsbereich, so Heidi Pauli.

Da die bisherigen Aktivitäten von Bouygues in der Schweiz und jene von Alpiq komplementär seien, hoffe man und gehe auch davon aus, dass es hier nicht zu einem Schrumpfungsprozess kommt und sich für die Beschäftigten in der Gebäudetechniksparte im Kanton Solothurn nichts ändert. Entsprechende Zusicherungen gibt es allerdings nicht, es gab bisher keine Kontakte zwischen Regierung und den Verantwortlichen von Bouygues, so Pauli.

Alpiq verkauft sein Industriegeschäft

Tele M1 berichtet über den Verkauf des Industriegeschäfts von Alpiq.

Stadtpräsident wusste von nichts

Oltens Stadtpräsident Martin Wey wurde von der Nachricht überrascht. «Ich bin aufgeschreckt und wurde auf dem linken Bein erwischt.» Der Stadtrat, die Oltner Regierung, sei von der Alpiq nicht vorinformiert worden. Er habe die Botschaft nicht gerne gehört und hoffe nun, dass keine Arbeitsplätze vernichtet werden.

Dass die Alpiq sich von seinem Industriegeschäft Alpiq InTec trennt, hat wegen des Sitzes in Olten laut Finanzverwalter Urs Tanner «auf den ersten Blick weder positiv noch negative Effekte» auf die Steuerrechnung, wie er auf Anfrage sagt. Auch wenn die Alpiq Holding sämtliche Schulden abbezahlt, wie es der Konzern anstrebt, sind Verlustverrechnungen für die letzten sieben Jahre immer noch möglich, falls das Betriebsergebnis negativ ausfällt. Für letztes Jahr vermeldete das Unternehmen wieder ein Minus von 84 Millionen Franken. Die Alpiq Holding gehört laut Finanzverwalter Tanner immer noch zu den «sehr guten Steuerzahlern» in Olten, allerdings wurde der Energiekonzern von anderen Firmen inzwischen überflügelt.

So viel Wert haben Aktienpakete

Der Kanton Solothurn gehört mit einer Beteiligung von 5,6 Prozent zu den namhaften Alpiq-Aktionären. Auch in Zeiten massiver Buchverluste stand die Regierung mit dem Verweis auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Alpiq für den Kanton und ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit mit Strom immer hinter diesem Engagement. Man werde zu gegebener Zeit diesbezüglich sicher wieder über die Bücher gehen müssen, heute sei das Ergebnis einer allfälligen Neubeurteilung allerdings völlig offen, heisst es aus dem Finanzdepartement. Bis 2020 läuft noch der Konsortialvertrag aus dem Jahr 2005, mit dem die Übernahme der Mehrheit der früheren Motor Columbus an der damaligen Atel geregelt wurde und der dem Kanton Solothurn die zentrale Stellung des Standorts Olten in der neuen Alpiq sicherte.
Zumindest kurzfristig und auf dem Papier hat sich die Aufspaltung der Alpiq für den Kanton gelohnt.

Bei Börsenschluss am vergangenen Freitag notierte die Alpiq-Aktie bei 73,10 Franken. Nach Bekanntgabe des Verkaufs an Bouygues stieg der Kurs gestern bis auf 79 Franken, bei Börsenschluss lag er bei 77,70 Franken. Der Marktwert des Aktienpakets des Kantons stieg damit von 114,3 auf 121,5 Millionen Franken. Seit Einführung des neuen Rechnungslegungsstandards HRM2 im Jahr 2012 bilanziert der Kanton per Ende Jahr jeweils 80 Prozent des Marktwerts der Alpiq-Aktien, was seither zu Wertberichtigungen von rund 100 Millionen geführt hat.

Auch die Stadt Olten hält 50 092 Alpiq-Aktien. Diese hatten nach Börsenschluss einen Wert von knapp 3,9 Millionen Franken. Zu den besten Zeiten waren die Aktien mit einem Börsenkurs von über 720 Franken rund 36 Millionen Franken wert.