Immer leicht dadaistisch wussten sie sich in Szene zu setzen – als Taucherdetachement oder Superhelden-Truppe, als Skilehrer-Team, als «drei Lichter vom Weissenstein» oder Duschvorhang – und zuguterletzt als Sechserrudel «Arsch mit Ohren». Wieso Vergangenheitsform? Wieso zuguterletzt? Tatsächlich gaben die Mitglieder der «Gemeinschaft orientierungsloser Realpoeten Solothurn», besser bekannt als «G.O.R.P.S.», anlässlich des Höflisingens am Donnerstagabend ihr Ausscheiden aus dem erlauchten Kreis der honolulesischen Schnitzelbank-Gruppen bekannt.

G.O.R.P.S. nehmen Abschied vom Höflisingen-Publikum

G.O.R.P.S. nehmen Abschied vom Höflisingen-Publikum

«Zu jedem Afang ghört haut immer au es Ändi, bi jedem Värs, bi jedem Lied und au bi üs», sangen so Theo Schnider, Markus Arm, Jean-Claude Cattin, Daniel Arber, Thomas Reitze und Stefan «Schtifli» Kohler zum Abschied und lösten in den Reihen des «Höfli»-Publikums Reaktionen zwischen Konsternation, Ungläubigkeit und ein «Das könnt Ihr nicht machen!» aus.

Gerade auch leicht verdauliche, teils unpolitische, doch immer träfe und zugängliche Verskost hat «G.O.R.P.S.» über die Jahre grosse Beliebtheit beschert, die dem Narrenvolk nun künftig abgehen wird. Aber für einmal meinen sie es ernst mit ihren Zeilen. «Wir hatten einfach das Gefühl, dass es an der Zeit ist», sagt Theo Schnider zu den Gründen für die doch überraschende Auflösung.

Wie alles begann

Anno 1999 waren die als Wengianer-Schnitzelbänkler 1986 ins Leben gerufenen «Mischtchratzer» unter dem lautmalerischen Namen «G.O.R.P.S.» neu gegründet worden – bar jeglicher Zunftzugehörigkeit. Wobei für die Abkürzung später auch andere Titel ersonnen wurden, wie «Gewaltfrei operierende radikal-peinliche Superhelden» – oder Insider-Bezeichungen, die, wie Schnider schmunzelnd zugibt, kaum druckfähig seien.

Kurz nach der Neugründung kam es im Jahre 2002 aus traurigem Anlass zu einer ersten Fasnachtspause: Ernst A. Felchlin, selbst Gründungsmitglied der «Mischtchratzer» und «G.O.R.P.S.» und begnadeter Värslischmied, war im Sommer 2001 verstorben. Doch bereits 2003 war die Truppe wieder mit neuem Schalk am Start. «Und da wir ein Jahr als Schnitzelbank-Zuschauer die Fasnacht erleben konnten, haben wir unser Konzept überdacht», erinnert sich Schnider. Konkret: «In der Kürze liegt die Würze.»

Und Kurzweil kommt beim Publikum besser an. Was die «orientierungslosen Poeten» ebenso auszeichnete, war Gelassenheit und Gemütlichkeit. «Wir wollten neben dem Höflisinge und später der SchniBaMu nicht allzu viele fasnächtliche Fixtermine und sind oft lieber noch ein bisschen länger in einer Beiz ‹ghöcklet›.» Das habe zum Teil derart bunte Blüten getrieben, dass einmal nur zwei von sechs «G.O.R.P.S.»-ern zum Lied auf der Stadttheater-Bühne anstimmten, während der Rest noch gemütlich seinen Grappa zu sich nahm. Dafür hat die Truppe selbst auch im närrischen Gastro-Reigen mitgewirkt. Einmal wurde die damalige «Krone» als Fasnachtslokal reaktiviert – und ein weiteres Mal eröffnete «G.O.R.P.S.» im «Rust» ihren «Narrenhimmel».

Spass bis zuletzt

Gegrübelt und geprobt wurde jeweils ab Oktober bis zur Fasnacht – «aber es waren eher gemütliche Abende mit ideenbehafteten Fresszetteln», sagt Schnider. Entstanden sind immer unbeschwerte, spöttische Verse eines Sextetts, das sich selbst nie allzu ernst nahm und nie unter die Gürtellinie zielte. Es war der Spass an der Sache, der zählte: «Mit dem Start der Fasnacht haben wir uns immer wie kleine Buben gefreut.»

Gerade durch die anspruchsvollen Jobs, mit denen die sechs Männer zwischen 48 und 55 konfrontiert seien, «war es schön, während der Narrenzeit für einige Tage ‹Luusbuebe› zu sein, und dies ohne grossen Termindruck.» So sei der Spass am Schnitzelbänklen immer im Vordergrund gewesen – bis zuletzt.