Es handelt von einem glücklichen, überaus freundlichen, durch und durch positiv denkenden Simpel, der von der Gesellschaft zum Revoluzzer umgemodelt wird und beinahe den Heldentod stirbt.

Dabei ist es ursprünglich nur die Abwesenheit der Freundin - «Interessant! Liebeskummer hatte ich lange nicht mehr!» -, die dem lieben Albert Wegelin ein bisschen auf den Magen schlägt. Doch die vorübergehende Einstellung der Nahrungsaufnahme wird von anderen als Hungerstreik interpretiert.

Denn der von Ehrgeiz vollkommen unbeleckte Angestellte hat seine Stelle verloren. Zuerst bemerkt er das gar nicht, später stört es ihn nicht gross. Dennoch drängen Mutter, Freundin, Reporter und Politiker ihn dazu, sich zu wehren. Obwohl er eigentlich längst wieder Hunger hätte, führt er aus Nettigkeit den «Streik» weiter. Held oder Heuchler, eine andere Wahl hat er angeblich nicht.

Spielball

Die Badewanne, Symbol seiner ungeplanten Freizeit, wird sein Hauptaufenthaltsort. Mit ihr fährt er wie mit einem Seifenkistenwagen hin und her zwischen der Wohnung, aus der ihn Mutter und Freundin immer wieder zum Demonstrieren schicken und der Firma, wo er das dann auch brav tut.

Doch der Hunger fordert seinen Tribut; Wegelin ist schon mehr tot als lebendig und hat Halluzinationen, als er merkt, was die andern mit ihm machen. Schlimmer geht's nicht mehr, denkt man, aber da hat man nicht mit dem Politiker gerechnet.

Der beweist in einer scheinbar stringenten Rede anhand von Wegelins Beispiel, dass es nicht gut ist, wenn der Mensch einen freien Willen habe - als ob Wegelin den während seines Hungerstreiks jemals gehabt hätte!

Verballhornung

Diese Geschichte findet ein glückliches Ende, vermutet deren Autor (Jan-Philippe Walter Henzel), der eine Figur im Stück ist. Er gehört zur Rahmenhandlung: zu einer Intellektuellenrunde, die am Anfang und am Schluss grundlegende Fragen über die Weiterentwicklung der Gesellschaft erörtert.

Da wird durchaus Gescheites gesagt, aber auch höherer Blödsinn, so dass die heitere Stimmung, mit welcher die tragische Binnengeschichte dargebracht wird, ungebrochen bleibt.

Regisseurin Katharina Rupp hat es meisterhaft verstanden, das - wohlverstanden nur vordergründig - Heitere, Leichte, Possenhafte zu unterstreichen. Da fährt nicht nur die Badewanne durch die Gegend, auch die Sekretärin rollt sich samt Schreibtisch in Position ebenso wie der gefrässige Vater mit dem Kühlschrank.

Screwball

Dazu kommen Elemente, die an Comics erinnern und andere, die eher der klassischen Screwball-Komödie entlehnt sind. Matthias Schoch als Wegelin hat mit seinem markanten Kinn sowieso ganz leicht Züge einer Comic-Figur und sein tadelloses und zugleich treuherziges Benehmen erinnert manchmal an Cary Grant.

Barbara Grimm als Philosophin, Sekretärin und Mutter zeigt, dass man Überdrehtheit sehr wandelbar gestalten kann und Günter Baumann meistert den Spagat zwischen dem verdrückten Vater und dem polternden Politiker meisterhaft.

Das Publikum spendete mehrmals Zwischenapplaus und am Schluss frenetischen Beifall - am allermeisten für den Hauptdarsteller, und fast gleichviel für den schon mehrfach preisgekrönten Nachwuchsautor; dem war das sichtlich peinlich.