Zwischen Oensingen und Balsthal verkehren sie, die bekannten Zugs-Kompositionen der Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB). Die Geschichte der Regio-Bahn begann 1899 mit dem Betrieb zweier E 3/3 Lokomotiven. Das Prunkstück und der Stolz der OeBB kam vor 45 Jahren hinzu: Damals schaffte die Regio-Bahn den «Roten Pfeil» an, den sie der SBB abwarb. Für diesen sammelt der Bahnbetrieb nun über ein Crowdfunding Geld. Die Frist wäre letzte Woche ausgelaufen – doch die OeBB konnte sie in Rücksprache mit der Online-Plattform um einen Monat verlängern, weil erst 40 Prozent der notwendigen Summe finanziert sind.

«Nach 80 Jahren hat der Rote Pfeil Patina angesetzt und braucht eine Auffrischung», begründet die OeBB auf der Crowdfunding-Plattform lokalhelden.ch ihre Geldsuche. Die Patina ist eine grünliche Schicht, die sich unter dem Einfluss der Witterung auf Kupfer bildet. «Zudem hat der Rote Pfeil einen Lamellenkurzschluss in einem der Antriebsmotoren. Das heisst, die Motoren müssen revidiert und der Lack erneuert werden, damit der Rote Pfeil seinem Namen wieder gerecht wird», schreibt die OeBB auf der Plattform der Raiffeisenbank Balsthal-Laupersdorf weiter. Die Motoren lässt das Bahn-Unternehmen extern von einem Spezialisten aufarbeiten. Die OeBB nutzt diese Zeit, um weitere Revisionsarbeiten im Depot Balsthal von eigenen Mitarbeitern – unter Mithilfe der Dampfgruppe Balsthal – auszuführen. In einem zweiten Schritt soll die Aussenhülle aufgefrischt und der Rote Pfeil neu lackiert werden. So die Pläne der OeBB-Verantwortlichen.

Um die externen Kosten für die Revision der Motoren und die Neulackierung zu decken, wählte das Bahnunternehmen den derzeit äusserst populären Weg, über die Bevölkerung auf der Plattform «lokalhelden.ch» Geld zu sammeln. Das Finanzierungsziel liegt bei 90'000, die Finanzierungsschwelle bei 40'000 Franken. Zurzeit sind mit 16'205 Franken 40 Prozent der gesuchten Summe zugesichert. 47 Unterstützer zählte die Sammelaktion bis gestern Nachmittag um 14 Uhr. Gesammelt wurde über einen Zeitraum von sechs Monaten.

Ein Stück Schweizer Geschichte

Wieso soll der «Rote Pfeil» überhaupt weiter betrieben werden? Markus Schindelholz, Geschäftsführer der OeBB und dessen Stellvertreterin Barbara Riser erklären: «Unser Ziel ist, dass weitere Generationen den charmanten Triebwagen bei einer öffentlichen Fahrt erleben dürfen.» Zielgruppe des Crowdfoundings seien alle, die Freude daran haben, ein Stück Schweizer Geschichte auch heute auf der Schiene fahren zu sehen oder den Roten Pfeil bei einer Fahrt zu erleben.

Auf die Frage, wieso denn genau dieses Projekt unterstützt werden soll, antwortet Barbara Riser: «Von den kurzen vierachsigen Roten Pfeilen sind noch drei Triebwagen erhalten geblieben.» Einer wird durch SBB Historic betrieben und ein Triebwagen steht im Verkehrshaus der Schweiz. Der jüngste der Triebwagen wird durch die OeBB gepflegt. «Wir organisieren mehrmals pro Jahr öffentliche Fahrten mit dem Roten Pfeil. Durch die finanzielle Unterstützung aus der Bevölkerung, kann der Triebwagen weiterhin vielen Personen Freude bereiten», sagt Riser.

Aktion wurde verlängert

Eigentlich wäre das Ziel gewesen, die Sammelaktion am letzten Freitag am 31. Mai erfolgreich als beendet erklären zu können. «Leider sind wir noch ein bisschen von den gewünschten 40'000 Franken entfernt», so Markus Schindelholz. Riser ergänzt: «Aus diesem Grunde haben wir die Aktion um einen Monat bis zum 30. Juni verlängert. Wir hoffen natürlich, dass wir es in dieser Zeit noch packen werden.» Weshalb die OeBB sich unter den vielen Crowdfunding-Plattformen für lokalhelden.ch entschied, begründet Riser wie folgt: «Wir haben eine Plattform gefunden, die gemeinnützige Projekte in der Schweiz unterstützt. Auf dieser wurden bereits mehrere Nostalgie-Projekte umgesetzt.»

Was geschieht, wenn die Finanzierungsschwelle nicht erreicht wird? In diesem Fall will die OeBB versuchen, die Motorenrevision mit externen Kosten von 40'000 Franken teilweise selbst und zusätzlich über Sponsoren zu finanzieren. Die Aufarbeitung der Karosserie könne jedoch nur mithilfe aus der Bevölkerung finanziert werden und müsse ansonsten aufgeschoben werden, so das Bahnunternehmen. Allzu lange dürfe sich diese nicht verzögern, da sonst weiter Schäden entstehen könnten. Daher hofft die OeBB weiterhin auf erfolgreiche Finanzierung. In diesem Fall fliesst das Geld vollumfänglich in die Revision des Roten Pfeils und wird dazu eingesetzt, die Materialkosten und die Kosten der externen Spezialisten (Motorrevision und Lackierung) zu decken.