Gegen die 62-jährige Johanna Bartholdi läuft eine Strafuntersuchung wegen möglicher Verletzung des Amtsgeheimnisses (wir berichteten). Die Egerkinger Gemeindepräsidentin hatte an einer Gemeindeversammlung Anfang Juni die Namen von sechs Personen veröffentlicht, die ihre Steuern seit längerer Zeit nicht bezahlen. Die Höhe der geschuldeten Beiträge wurde allerdings nicht genannt.

Das Ganze löste einen Sturm der Entrüstung aus. Viele unterstützten aber auch die «mutige» Tat der 62-Jährigen.

Die Solothurner Staatsanwaltschaft soll jetzt vorwärts machen und Briefe an die 68 Bewohner von Egerkingen, die der 3000-Seelen-Gemeinde noch Steuern schulden, verschickt haben. Das berichtet «Blick» am Freitag.

«Potenziell geschädigte Personen»

Im Brief soll die Staatsanwaltschaft laut dem Boulevardblatt dazu auffordern, einen Fragebogen auszufüllen. Unter anderem werden die Adressaten gefragt, ob sie sich von Johanna Barholdi genötigt gefühlt haben. Auch will die Staatsanwaltschaft wissen, ob sie Schadenersatz fordern wollen. Falls der Fragebogen nicht ausgefüllt wird, soll eine Einvernahme durch die Polizei drohen.

Die Solothurner Staatsanwaltschaft will auf Anfrage nicht auf den Brief eingehen. Mediensprecherin Cony Zubler verweist auf das hängige Strafverfahren, und dass keine näheren Angaben zu einzelnen Ermittlungshandlungen gegeben würden.

Nur so viel: «Im Rahmen des Verfahrens prüft die Staatsanwaltschaft, ob bzw. durch wen es im Zusammenhang mit der Bekanntgabe der Namen von Steuerschuldnern zu strafbaren Handlungen gekommen ist», führt Zubler aus. Zurzeit werde unter anderem abgeklärt, «ob sich potentiell geschädigte Personen als Partei am Verfahren beteiligen wollen».

Untersuchung auch gegen andere Gemeinderatsmitglieder

Die Staatsanwaltschaft führt die Strafuntersuchung aber nicht nur gegen Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Gestützt auf die eingegangenen Strafanzeigen laufe eine Strafuntersuchung «wegen Verdachts der Amtsgeheimnisverletzung und Nötigung sowie Versuchs dazu» auch gegen Mitglieder des Gemeinderates, sagt Zubler. Insgesamt seien bei der Staatsanwaltschaft drei Anzeigen eingegangen.

Wann das Verfahren abgeschlossen werden kann, ist noch offen. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

Strafverfahren in Kauf nehmen

Die Gemeindepräsidentin selbst nimmt ein Strafverfahren in Kauf, bereuen tut sie nichts. «Wenn ich das Rad der Zeit zurückdrehen könnte, würde ich dasselbe nochmals tun», sagt Johanna Bartholdi auf Anfrage. Es bereite ihr aber Kopfzerbrechen, was mit dem Strafverfahren auf sie zukommen könnte. Trotzdem: «Ich schlafe noch erstaunlich gut.» (ldu/eva)