Am Samstagabend kam es in der Unteren Gasse in Egerkingen zu dramatischen Szenen, welche mit der Verhaftung von Urs P. * durch eine Sondereinheit der Kantonspolizei Solothurn ihr wohl vorläufiges Ende nahmen. Vorläufig, weil der 57 Jahre alte Mann den Gemeindebehörden seit längerer Zeit bekannt ist, wie Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi auf Anfrage erklärt.

Darum sei sie auch erschrocken, als sie am Sonntag vom Regional-TV-Sender Tele M1 einen Anruf bekommen habe, dass wegen Urs P. die Polizei habe ausrücken müssen. «Ich dachte, jetzt sind die Streitereien mit den Nachbarn aus dem Ruder gelaufen und jemand ist verletzt», so die Gemeindepräsidentin.

Kapo-Sondereinheit brach Tür auf

Diesmal hatte Urs P. für einmal nicht seine Nachbarn im Visier, sondern weigerte sich, seine in einem Pflegeheim untergebrachte Mutter wieder gehen zu lassen. Deshalb verbarrikadierte sich der Mann mit seiner Mutter im Haus und öffnete auch auf Verlangen der Polizei die Türe nicht. Nach rund zwei Stunden hatte die Polizei aber genug und verschaffte sich mittels eines Rambocks Zutritt zur Wohnung. Zum Einsatz gelangte dabei eine Sondereinheit der Kapo, wie Tele M1 am Sonntag berichtete

Sondereinheit verhaftet Querulanten

Sondereinheit verhaftet Querulanten

Weil sich ein Mann in Egerkingen mit seiner pflegebedürftigen Mutter verschanzt, rückt die Sondereinheit der Polizei aus. Im Quartier ist er kein Unbekannter.

Der Mann beschwerte sich zwar lautstark, als er von den Beamten in Gewahrsam genommen wurde, liess sich aber widerstandlos festnehmen, wie Kapo-Sprecher Andreas Mock auf Anfrage erklärt. Die Sondereinheit sei vor allem wegen ihrer Ausrüstung aufgeboten worden, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Dabei sei es primär um die Sicherheit aller Beteiligten gegangen, auch um die von Urs. P. und dessen Mutter.

Johanna Bartholdi ist froh, dass nicht mehr passiert ist. «Meine Angst ist, dass es die Nachbarn mit dem Mann eines Tages nicht mehr aushalten und sich deswegen zu einer Verzweiflungstat hinreissen lassen.» Urs P. lässt offenbar schon seit Jahrzehnten keine Gelegenheit aus, um sich mit den Nachbarn und den Gemeindebehörden anzulegen und diese zu bedrohen.

Privatklagen gab es deswegen schon mehrere, wie Bartholdi weiss. Auch die Gemeinde habe schon gegen Urs P. wegen Drohung gegen Behördenmitglieder geklagt. Genützt habe das bis heute aber herzlich wenig. Der Mann schaffe es immer wieder, die Richter davon zu überzeugen, dass er sich bessern werde. Das sei eigentlich unglaublich, findet Bartholdi.

Gefährdungsmeldung ohne Erfolg

Hoffentlich müssten nicht zuerst die Opfer zu Täter werden, bevor etwas unternommen werde, meint Bartholdi zur aus Sicht der Gemeindebehörden nicht ungefährlichen Situation. Deshalb habe man auch entsprechende Gefährdungsmeldungen bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und der Kantonspolizei gemacht. Allerdings ohne Erfolg.

«Uns wurde mitgeteilt, dass von Urs P. keine Gefährdung ausgehe», so die Gemeindepräsidentin. Offenbar wolle niemand eine unpopuläre Entscheidung treffen und wenn dann etwas passiere, werde der Egerkingen Gemeinderat sicher für seine angebliche Passivität gerügt. «In diesem Fall trifft das aber sicher nicht zu, wir tun, was wir können.»

In den jüngsten Fall dürfe sich die Gemeinde nicht einmischen. Dabei gehe es um eine zivilrechtliche Angelegenheit unter Nachbarn. Wenn niemand Klage erhebe, werde wohl wiederum nichts geschehen und Urs P. nach seiner Rückkehr in sein Haus die Nachbarn in gewohnter Manier beschäftigen.

Am Montag wurde der Mann bereits wieder in seinem Haus gesichtet. Es gebe keine Haftgründe gegen ihn, meinte Kapo-Sprecher Mock dazu. Der 57-Jährige war am Samstag nach der Festnahme in die Obhut einer Einrichtung gebracht worden, wo er psychisch und medizinisch betreut wurde. Wie es mit Urs P. weiter geht, konnte der Kapo-Sprecher nicht sagen. Damit beschäftigen sich nun offenbar die zuständigen Behörden. «Es laufen Abklärungen», so Mock.

* Name von der Redaktion geändert