In Moutier, eingeklemmt zwischen den Juraketten, entschied sich gestern die Zukunft von Swissmetal. In dem Ort, wo ein heftiger Streit entfacht ist, ob die Stadt zum Kanton Jura oder zum Kanton Bern gehören soll, schreitet Richter Gabriel Zürcher in den Saal 6 des Regionalgerichts. Er entscheidet darüber, ob Swissmetal mit Sitz im bernjurassischen Reconvilier und Niederlassung in Dornach in den Konkurs geschickt werden soll oder nicht. Hinter ihm eskortiert ein Polizist den chinesischen Besitzer von Swissmetal in den Gerichtssaal.

Er, Xingjun Shang, war Verwaltungsratspräsident von Baoshida Swissmetal, bevor er vom Gericht abgesetzt wurde. Die Anwesenheit Shangs ist die eigentliche Überraschung am Gericht. Mittlerweile hat sich der Fall Baoshida Swissmetal zu einem Krimi entwickelt. Ein Krimi um Arbeitsplätze, Insolvenzen, Betrug und chinesische Gläubiger, die im kleinen Städtchen Moutier ihre Interessen zu wahren versuchen.

Es fehlen Millionen

Shang investierte als einer der ersten Chinesen über seine Baoshida Holding in eine Schweizer Firma. 2013 kaufte er Swissmetal mit den Werken in Dornach und im bernjurassischen Reconvilier. Er gab Versprechungen ab, dass es nach unzähligen Schwierigkeiten beim Buntmetallspezialisten wieder aufwärtsgehen soll. Der Chinese trifft Johann Schneider-Ammann in Zürich, die Hoffnung, dass Ruhe bei der regelmässig mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfenden Firma einkehrt, ist gross. Doch das hat sich als falsch erwiesen.

So erhält Swissmetal 2016 zwölf Millionen Euro von der Chinese Development Bank. Ein staatliches Institut, das als Geldgeber für Firmen und Projekte in China und der ganzen Welt auftritt. Ein Vertreter der Bank war gestern in Moutier anwesend, um die Interessen seines Unternehmens zu wahren. Die zwölf Millionen Euro ist Swissmetal schuldig geblieben.

In diesem Sommer stellte Shang den Swissmetal-Geschäftsführer, Claudio Penna, auf die Strasse, die Revisionsfirma machte eine Überschuldungsanzeige. Swissmetal wurde zu einem Fall für die Richter. Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland gewährte Swissmetal Konkursaufschub, ein Sachwalter wurde eingesetzt, das Gericht installierte Claudio Penna wieder als Chef.

Und Shang? Gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet. An einen Gerichtstermin am 3. Oktober erschien er nicht. Shang reiste erst Ende Oktober in die Schweiz, um mit dem Insolvenzverwalter über die Zukunft von Swissmetal zu verhandeln. Am 29. Oktober wurde er verhaftet. Seither sitzt er in Haft. Der Verdacht: Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsbesorgung und eventuell gar Betrug. Es geht um eine Summe von über 15 Millionen Franken. Für Shang gilt die Unschuldsvermutung.

Shang taucht im blauen Anzug mit weissen Hemd vor Gericht auf. Er hat einen Schweizer Anwalt, eine Dolmetscherin übersetzt vom Französischen ins Chinesische. Shang folgt der Verhandlung stoisch. Als er seine Sicht der Dinge darlegen soll, will sein Anwalt die anwesenden Journalisten aus dem Saal verweisen. Geschäftsgeheimnisse würden sonst verraten. Dafür hat Richter Zürcher kein Gehör.

Shang macht deshalb nur kurze Ausführungen vor Gericht. Er bestätigt, dass Swissmetal finanzielle Schwierigkeiten hat, spricht einen allfälligen Interessenten für Swissmetal aus China an, und dankt zum Schluss dem Insolvenzverwalter und Penna für ihren Einsatz zugunsten Swissmetal. Sein Anwalt beklagt, dass Shang in der Schweiz als «Bad Guy» vorgeführt werde, was er nicht sei.

Ob er tatsächlich der «Bad Guy» in der Geschichte um Swissmetal ist, wurde gestern nicht diskutiert. Bis zu seiner Verhandlung wird er wohl in Haft bleiben, die Untersuchungen gegen ihn laufen.

Mehr Zeit für Swissmetal

Während Shang im Gefängnis sitzt, entscheidet sich auch die Zukunft von Swissmetal. Richter Zürcher gab der Firma gestern noch einmal mehr Zeit, damit sie gerettet werden kann. Offenbar gibt es mehrere Kaufinteressenten. Wie lange Verhandlungen mit den Interessenten dauern, sei schwierig zu sagen, erklärt Penna. Er rechnet mit Ergebnissen Ende Januar, Anfang Februar. Bis dahin können die rund 90 Mitarbeiter in Dornach und Reconvilier weiterhin ihrer Arbeit nachgehen.

Good News: Die Löhne der Mitarbeiter wurden ausbezahlt, heisst es vonseiten des Gerichts.