Der geschichtsträchtigen Swissmetal mit Werk in Dornach geht es nicht gut. Zum wiederholten Mal steht sie vor dem Aus. Die Firma hat bis April Zeit, ihre Finanzsituation zu verbessern, ansonsten droht der Konkurs. Nun kommt weiteres Ungemach hinzu: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Verwaltungsratspräsidenten der Firma.

Der Verwaltungsratspräsident Xingjun Shang ist neben seiner Tätigkeit als Präsident von Swissmetal auch Chef der gesamten Baoshida-Gruppe. Die Chinesen hatten 2013 die Swissmetal-Werke in Dornach und dem bern-jurassischen Reconvilier übernommen.

Verdacht der Urkundenfälschung

Nach Jahren mit Aufs und Abs wurde es ruhig um die Firma. Die Ruhe war aber trügerisch. Im Juli 2018 stellt Shang den Geschäftsführer von Swissmetal, Claudio Penna, auf die Strasse. Kurz darauf kündete die BDO AG als Revisionsstelle per sofort und machte eine Überschuldungsanzeige. Der Fall landete vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland, das einen Konkursaufschub bewilligte.

Gleichzeitig hat das Regionalgericht Anzeige gegen Shang erstattet. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat die Untersuchungen aufgenommen. Der Verdacht: Urkundenfälschung und ungetreue Geschäftsbesorgung. Die Höchststrafe für ungetreue Geschäftsbesorgung liegt bei einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren, diejenige für Urkundenfälschung ebenso. Für Shang gilt die Unschuldsvermutung.

Derzeit laufen die Ermittlungen nur gegen Shang. Im Laufe der Untersuchung werde sich aber zeigen müssen, ob gegen weitere Personen ermittelt werden muss, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bern.

Treffen mit Schneider-Ammann

Bei einem ersten Gerichtstermin am 3. Oktober, an dem der Konkursaufschub verhandelt wurde, tauchte Shang nicht auf, obwohl er eingeladen wurde. Anders vor einem Jahr. Damals traf er sich in Zürich mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann, um über Swissmetal zu sprechen. Wie ernst die Firma das Gespräch nahm, zeigt sich in der englischen Medienmitteilung zum Treffen. Im Communiqué wird Johann Schneider-Ammann kurzerhand zu «John Schneider Oman» umgetauft.

Während die Firma gegen das Ende ankämpft, läuft hinter den Kulissen aber nicht nur ein Verfahren gegen Shang. Offenbar wird Swissmetal seit Monaten Investoren angeboten. Investmentbanker aus China versuchen, die Firma an den Mann oder die Frau zu bringen, wie eine mit der Sache betraute Quelle sagt. Die Investmentbanker sind mutmasslich von der China Development Bank. Laut einem Sprecher des zuständigen Gerichts ist die Bank ein Gläubiger von Baoshida.

Daher liegt es nahe, dass Baoshida die Kontrolle über das Unternehmen gar nicht mehr hat. Anfragen an die China Development Bank und Baoshida blieben unbeantwortet. Andreas Bättig, der für den Fall zuständige Sachwalter, sagt allerdings, dass die Aktionärin der Baoshida Swissmetal weiterhin die Baoshida Holding sei.

4,5 Millionen Franken Schulden

Die China Development Bank ist ein staatliches Unternehmen, das neben Unternehmen auch allerhand Projekte in China finanziert. So etwa den umstrittenen Drei-Schluchten-Staudamm. Die Bank ist aber auch im Ausland aktiv. So ist die Bank einer der grössten Kreditgeber für Entwicklungsländer.

Bereits im letzten Jahr gab es erste Berichte darüber, dass Baoshida Schulden hat. So sprach das Westschweizer Radio RTS davon, dass die Firma mit 4,5 Millionen Franken in der Kreide steht. In den nächsten Wochen will Konkursverwalter Bättig die finanzielle Lage aufarbeiten. Gestützt darauf wird ein Sanierungsplan ausgearbeitet.