Das «Tabourettli» in Basel ist für einen Kabarettisten wie mich einer der schönsten
Auftrittsorte überhaupt. Nur die Sticheleien von Claude Rasser musste ich stets erdulden, der das schmucke Theater zusammen mit seiner Schwester betreibt: Claude ist glühender FCB-Fan.

Bei meinem letzten Gastspiel, im März, ging ich eine Wette ein: Würde YB bei meinem nächsten Auftritt am 7. Januar 2018 vor dem FC Basel liegen, müsste er mich zum Essen einladen. Und umgekehrt. Dass ich verlieren würde, war klar.

Aber dann kam der Herbst, und etwas änderte sich. «Du, Bänz! Ihr händ en Lauf, das Jahr. Ich stuune …» Dani sagte das, der Physiotherapeut, der mir sonst immer mit seinem FCZ in den Ohren gelegen hatte und der in all den Jahren, da ich immer mal wieder mit einer Blessur – Typus alternder Amateurfussballer – bei ihm in Behandlung war, drei Meistertitel und vier Cupsiege gefeiert hatte …

Vernarrt sein in die ewige Rolle des Losers

Schulterklopfen, wohin ich auch kam – im Bündnerland, im Freiburgischen, sogar im Baselbiet. Und der alte Fleischli, der fast vierzig Jahre lang im Tross des FC Luzern gearbeitet hatte, meinte, das ganze Land wünsche uns den Titel: «Alli hättid esoo rüüdig Freud!»

Das Allererstaunlichste aber geschah bei YB selbst. Noch im Mai wurde im Vereinsorgan «YB Mag» geklönt, man werde «die Krösusse vom Rheinknie» auch in der neuen Saison nicht gefährden können. «Himmel, Heiland! Dann bleibt doch gleich daheim», dachte ich, «wenn ihr sowieso verlieren wollt!»

Im Oktober dann titelte dasselbe Magazin: «Mit afrikanischer Power an die Tabellenspitze!» Das Vernarrtsein in die Rolle des ewigen Losers war neuem Selbstbewusstsein gewichen. Adi Hütter, unser Trainer, wurde cool und cooler: «Da mussma ’an Mund abbutz’n, die drei Bbunggte mitnehm’n und net imma glänzen», raunte er nach dem äusserst glücklichen 1:0 in Sion ins Mikrofon.

Genau solche Spiele habe Basel letzte Saison gewonnen. Und nach dem erknorzten 2:1 in Lugano befand er: «Wir hab’n oft in den letzten Johr’n genau in solchen Spielen Bbunggte lieg’n lass’n …» Wieder waren drei «Bbunggte» auf unserem Konto.

Doch unversehens begann YB zu schwächeln. Derweil Basel stärkelt. Und plötzlich ist es möglich, dass YB, obzwar das erfolgreichste Team der Hinrunde, in der Winterpause nur auf Rang zwei liegt. Claude hat in all den Monaten geschwiegen. Vorgestern dann seine Mail, in lakonischer Knappheit: «Jetzt wird es doch nochmals eng … LG Claude.» Muss ich leise Häme
aus seinen Worten lesen?