Es ist müssig zu (hinter-)fragen, was passiert wäre, wenn die Aargauer vor fünf Jahren, als sie Nationalliga-B-Meister wurden, den Aufstieg in die Nationalliga A gewagt hätten. An- stelle der «Kanti» stieg der unterlegene Finalist Union Neuchâtel ins Oberhaus auf – und hat sich, dank eines Millionenbudgets, mit an der Spitze der Nationalliga A etabliert. Und einen Cupsieg gefeiert. Die Neuenburger werden übrigens am nächsten Samstag in der Sporthalle Birsfelden gastieren und versuchen, den ersten Saisonsieg zu erringern und gleichzeitig den «Wings» die erste Niederlage beizubringen

Am Dienstagabend jedoch standen die Unterbaselbieter in der schmucken Sporthalle Telli auf dem Prüfstand. Sie meisterten die Aufgabe bravourös, denn sie liessen sich zu Beginn auf keine Experimente ein, begannen mit der gewohnten Stammfünf (Chris Jones, Alexis Herrmann, Joël Fuchs, Octavius Brown und Darell Brown) und führten nach dem ersten Viertel mit 26:9. Die Frage nach dem Sieger war somit, erwartungsgemäss, schnell beant­wortet.

Unterhaltsam und kurzweilig

In den restlichen 30 Minuten kamen die zahlrechen, gutgelaunten und bestens unterhalte­ten Zuschauer in den Genuss eines Vergleiches, der zwar kein Show-Spiel war, wo aber jeder jeden spielen liess. Zwei souveräne Refs (die man sich im letzten Heimspiel der Starwings gegen Central Luzern gewünscht hätte!), faire, respektvolle Spieler, welche die Gesundheit des Antipoden achteten, sorgten dafür, dass der Unterklassige – angeführt von einem magistralen Dejan Hohler (der Slowene könnte bestens in der Nationalliga spielen) – ebenfalls feine Punkte erzielen konnte. Andererseits liess es der Erstligist zu, dass die Profis der Gäste (Brown, Vinson und Björn Schoo) einige Dunkings zum Besten gaben, was den Lärmpegel in der Halle gleich in die Höhe trieb.

Dieser war bei der Präsentation der beiden Teams bereits auf dem „Siedepunkt“ gewesen – der Liestaler Kevin Müri zelebrierte die Vorstellung so, wie er dies zu den besten Natio­nalliga-B-Zeiten der Kanti Aarau getan hatte. Zweisprachig und mit dem Beweis, ein gewiefter Entertainer zu sein.

Alle kamen zum Einsatz

Die beiden Trainer, Milenko Tomic (Aarau) und Roland Pavloski, konnten alle Spieler ein­setzen. Beim Unterklassigen waren dies ein Dutzend Akteure, während Pavloski allen elf einsatzfähigen Spielern genügend Einsatzzeit gab. Nur Herrmann spielte länger als 20 Mi­nuten (genau 22 Minuten); und keiner kam auf weniger als 15 Minuten Spielzeit. Diese Viertelstunde wusste der Jüngste, Aleksa Pavlovic, gut zu nutzen.

Dem 16-Jährigen, ein Junge mit feinen Händen und filigraner Technik, glückten neun Punkte (drei von acht Drei­ern). Für Philippe Sager war es die Rückkehr an seine einstige Stätte; der ETH-Student war am Tag zuvor aus China von der Universiade zurückgekehrt (wo die ETH Zürich übri­gens den hervorragenden 5. Platz belegte) und zeigte sich in bester Spiellaune. Aber auch ein Chris Jones zeigte, über welche Qualitäten er verfügt. Der US-Spielmacher erzielte in 17 Einsatzminuten ebenso viele Punkte.

Kurzum: Das Cupspiel erfüllte seinen Zweck in jeder Hinsicht. Für die Alte Kanti Aarau war es ein Treffen mit einem Nationalliga-A-Team, das mit den zur Verfügung stehenden Mittel versucht, das Optimum zu erreichen. Das Birstaler Kombinat kam in den Genuss einer Cuppartie, die mehr als ein wettkampfmässiges Training war.

Und gleichzeitig machten die Gelb-Blauen vielleicht auch Werbung in eigener Sache. Von Aarau nach Birsfelden dauert es, sowohl auf der Strasse wie mit der Bahn, nur 30 Minuten. Ein Wiedersehen mit den fai­ren, engagierten und applausfreudigen Aarauer Anhängern wäre erwünscht!