Plötzlich ist der Publikumsliebling weg. 3,5 Millionen Euro hat Gent für Yuya Kubo auf den Tisch gelegt. Doch YB ist vorbereitet und engagiert Roger Assalé vom kongolesischen Spitzenklub Mazembe. «Wir hatten ihn schon lange auf dem Radar», sagt Chefscout Stéphane Chapuisat. Und erzählt, wie er noch um den Ivorer gezittert habe, als dieser bei Anderlecht zum Test erschien.

Doch es ist gut gekommen, und der torgefährliche Assalé hat eingeschlagen. «YB stürmt mit Afrika-Connection an die Spitze» − titelte unlängst die «Berner Zeitung», nachdem der Kameruner Jean-Pierre Nsame sowie Assalé den FC Lugano erledigt und den ausgeprägten afrikanischen Einfluss auf YB bestätigt hatten.

Afrika-Connection

Einmal, in Lausanne, standen acht Akteure mit afrikanischem Blut in der Startformation.Ernst Graf weiss, dass es ein paar Leute gibt, denen dies ein Dorn im Auge ist. Anfangen kann der YB-Verwaltungsrat mit einer solchen Denkweise nichts.

«Ausser Assalé wurden alle im europäischen Raum integriert und haben unsere Kultur bestens angenommen», sagt Graf. «Man kann nicht besser berndeutsch sprechen als Grégory Wüthrich.» Der Verteidiger, dessen Vater aus Ghana kommt, wurde in Bern geboren.

Als die Young Boys 1987 mit dem Cupsieg letztmals einen Titel gewannen, hiessen die ausländischen Stars Robert Prytz, Björn Nilsson und Lars Lunde und kamen aus Skandinavien. Afrikaner gab es, wie auch zehn Jahre später, keinen im Kader.

Ein weiteres Jahrzehnt danach aber trugen mit Joetex Frimpong, Thierry Doubai, Saif Ghezal, Franck Madou, Kader Mangane, Gilles Yapi und Kamil Zayatte bereits sieben Profis mit afrikanischem Hintergrund das gelb-schwarze Trikot.

Das Spiegelbild eines multikulturellen Landes

Jetzt sind es zehn. «Was wir sehen, ist ein Spiegelbild der Schweiz, einem multikulturellen Land», sagt YB-Sportchef Christoph Spycher. «Dieses wurde einst von italienischen und spanischen Einwanderern beeinflusst, dann von solchen aus dem Balkan, und nun haben wir viele mit einem Bezug zu Afrika. Das ist die moderne Schweiz.»

Bei YB sagen Graf, Spycher und Chapuisat unisono, es gebe keine Strategie, auf Afrikaner zu setzen. «Es geht einzig darum, dass ein Spieler zu 100 Prozent in unser Profil passt, was Qualität und Mentalität angeht. Wir sind ein Ausbildungsklub und wollen die Jungen hochbringen», sagt Spycher.

Schnelligkeit und Physe

Dass in der Schweiz geborene, afrikastämmige Spieler aber gut ins YB-Beuteschema passen, bestätigt Chapuisat. «Der Fussball ist schneller und physischer geworden. Diese Spieler bringen die nötigen Voraussetzungen mit, sind aber auch deshalb interessant, weil sie in der Schweiz im taktischen und technischen Bereich gut ausgebildet wurden.»

Graf sagt: «Sie sind hungrig und frisch. Das Publikum hat Freude an Typen wie Kevin Mbabu, wenn dieser mit seinen Rastazöpfchen wie ein Töff nach vorne prescht.»

Spycher weist jedoch darauf hin, dass Spieler wie Christian Fassnacht und Miralem Sulejmani den «Afrikanern» betreffend Schnelligkeit und Technik in nichts nachstünden.

Bei YB bekommt jeder eine Chance

Als vor neun Jahren Seydou Doumbia aus Japan für ein paar Franken zu YB kam (und später für 15 Millionen weiterverkauft wurde), entstand die Idee einer Zusammenarbeit mit der Fussballakademie AS Adjamé in der Elfenbeinküste.

Diese wurde aber nach zwei Jahren wieder beendet, weil sich YB in der Spielerauswahl zu sehr eingeschränkt sah. Auch mit dem Spielervermittler Jean Bernard Beytrison, bei dem die halbe Mannschaft unter Vertrag stand, wird nicht mehr geschäftet.

Mit Denis Zakaria, Yvon Mvogo, Jordan Lotomba und Kevin Mbabu haben die Young Boys einige Spieler aus der Romandie nach Bern gelockt. Dies einerseits dank der Partnerschaft mit dem Team Fribourg, andererseits wegen der hervorragenden Kontakte Chapuisats in die Westschweiz.

«Wichtig ist, dass die Spieler sehen, dass sie bei YB eine Chance bekommen», sagt Chapuisat. «YB ist ein attraktives Sprungbrett in eine grosse Liga», sagt Spycher.