Zwei fünfte Plätze und die Gesamtführung in der Juniorenwertung. Mit diesem durchaus respektablen Saisonauftakt reist der Liestaler Jeffrey Schmidt am Freitag ans zweite Rennwochenende der hochkarätig besetzten Saison 2017 in der GT3-Serie ADAC GT Masters.

Der 23-Jährige hat auf diese Saison hin in die GT3-Serie gewechselt. «Das war der logische nächste Schritt in meiner Karriere», sagt Schmidt beim Saisonauftakt vor zweieinhalb Wochen im deutschen Oschersleben gegenüber der «bz».

Nach vier sehr lehrreichen Jahren im Porsche Markenpokal kommt er mit einem klaren Ziel in die für ihn neue Serie: «Dieses Jahr will ich mit guten Leistungen als Privatfahrer so überzeugen, dass ich in der kommenden Saison einen Vertrag als Werksfahrer erhalte», sagt er. Mit einem zweiten Platz beim 24-Stunden-Rennen von Daytona konnte der Baselbieter bereits Ende Januar den ersten Erfolg in der GT3-Szene verbuchen.

Abhängig von Sponsoren

Davon, Werksfahrer zu werden, träumt wohl jeder Privatfahrer, der wie Schmidt aus normalem Hause stammt und nicht über grössere private finanzielle Mittel verfügt. Denn als Werksfahrer wird man vom Arbeitgeber, also von einem Automobilhersteller, in einem normalen Arbeitsverhältnis entlöhnt.

Als Privatfahrer ist man für die Finanzierung zu einem grossen Teil selber verantwortlich. «In meiner Position ist man davon abhängig, dass man gute persönliche Sponsoren findet», sagt Schmidt, der im Team Montaplast by Land-Motorsport unter Vertrag steht. Weil dieses Team mit dem global tätigen kunststoffverarbeitenden Automobilzulieferer Montaplast einen grossen Sponsoren an Bord hat, wird Schmidt in dieser Hinsicht «etwas entlastet».

Ein Nullsummenspiel

Trotzdem ist er dazu gezwungen, viel Zeit und Engagement in die Sponsorensuche zu investieren. Unterstützt von seiner Freundin kümmert er sich selber um seine Vermarktung und damit um die Finanzierung seiner Rennfahrer-Tätigkeit. «Das ist ein knochenharter Job. Gerade in der heutigen Zeit, wo die Budgets für Sponsoring eher gesenkt als erhöht werden», sagt er.

In der Endabrechnung einer Saison schaut dabei für ihn kein Gewinn heraus: «Ich komme im Normalfall gerade so durch. Dank meiner Sponsoren und dem Team ist es meistens eine Nullrechnung. Wenigstens muss ich nicht privat darauflegen – das könnte ich auch gar nicht.»

Die zwei Pläne ‹A›

Wie auch. Schmidt ist Student. Er absolviert derzeit an der Wirtschaftsfakultät der Universität Basel sein Bachelor-Studium. Im kommenden Herbst schreibt er seine Bachelor-Arbeit. So dürfte er bis zum Ende des laufenden Jahres seinen ersehnten Hochschul-Abschluss im Sack haben.

Ein Masterstudium an einer hochkarätigen Universität steht auch noch auf der to do Liste. «Für mich war immer wichtig, einen zweiten ‹Plan A› zu haben», sagt er. Während so ein Standbein im alltäglichen Leben für die meisten Sportler nur als «Plan B» fungieren würde, meint es Schmidt genau so, wie er es auch sagt.

Neben dem «Plan A» im Sport gibt es für ihn eben auch den «Plan A» im normalen Leben: «Nur auf die Karte Sport zu setzen finde ich wahnsinnig riskant. Speziell mit den guten Ausbildungsmöglichkeiten in der Schweiz. Ich kenne genug Beispiele von ehemaligen Rennfahrern, die heute irgendwo Regale einräumen müssen, weil sie eben keinen zweiten ‹Plan A› hatten.»

Die Umstellungs-Phase läuft noch

Während der Saison liegt «Plan A Sport» logischerweise etwas mehr im Fokus. Derzeit arbeitet Schmidt daran, sich möglichst schnell auf die neue Konstellation – in den ADAC GT Masters teilen sich jeweils zwei Piloten ein Fahrzeug, weshalb es während der Rennen zu Fahrerwechseln kommt – einzustellen. «Ich kenne das natürlich schon etwas aus dem Langstrecken-Sport. Aber in Sprint-Rennen ist das für mich etwas ganz Neues», sagt er.

Aber er kommt damit klar, profitiert vom erfahrenen Teamkollegen und Audi-Werksfahrer Christopher Haase, wo es nur geht. Dass er ausgerechnet im Team des Titelverteidigers in der Gesamtwertung angeheuert hat, macht Schmidt nicht nervös: «Natürlich spürt man deswegen einen gewissen Druck. Aber in erster Linie kann ich mich so ideal weiter entwickeln.»
Das nächste Mal beweisen kann sich der Liestaler am Wochenende bei den Rennen am Lausitzring in Deutschland.