Förderpreise gingen an Jason Joseph, Nicolas Müller und die Handball-Gemeinschaft Nordwest, Anerkennungspreise an Hansjörg Thommen. Edgar Senn und Heini Brugger.

Vor mehreren hundert Gästen wurde Evelyne Tschopp am Freitagabend in Münchenstein mit dem Baselbieter Sportpreis 2017 ausgezeichnet. Die Muttenzerin erhielt die mit 15000 Franken dotierte Auszeichnung für ihre Erfolge als Judosportlerin.

Im vergangenen Jahr konnte Tschopp die Schweizer und damit auch die Baselbieter Farben an den Olympischen Spielen in Rio (Brasilien) vertreten. In diesem Jahr feierte die 26-Jährige mit dem Gewinn von EM-Bronze den bisher grössten Erfolg ihrer Karriere.

Arnaud Reichling, der Präsident des Judoverbands beider Basel, würdigte die Erfolge Tschopps in seiner Laudatio unter dem Titel „Judo – der sanfte Weg“, angelehnt an die Übersetzung von Judo aus der japanischen in die deutsche Sprache. „Pff“ werde die Preisträgerin denken, denn die Kampfsportart Judo sei doch alles andere als sanft: „18 Jahre lang auf die Matte fliegen, würgen und gewürgt werden, hebeln und gehebelt werden, eben der sanfte Weg“, sagte Reichling mit einem Schmunzeln.

Evelyne Tschopp.

Evelyne Tschopp.

Bereits im Alter von 11 Jahren habe Tschopp den Wunsch gehegt, einmal an Olympischen Spielen teilzunehmen: „Heute wissen wir, so etwas nennt man Weitsicht“, sagte Reichling. Mit 15 Jahren wurde Tschopp ins Nationalkader gerufen, zuerst bei den U17, später bei den U20 und dann bei der Elite.

Dort gelangen ihr ab 2015 die ersten wegweisenden Erfolge: Sie gewann Edelmetall an der Universiade, feierte Podestplätze an Grand-Slam-Turnieren, nahm an den Olympischen Spielen teil und gewann heuer eben EM-Bronze. Und dies alles nebem einem Medizinstudium, das Tschopp in der doppelten Laufzeit absolviert.

„Ich brauche nicht zu erklären, was für einen grossen Aufwand es braucht, um solche Erfolge zu erzielen“, sagte Reichling. Doch Trainingsfleiss und „Womenpower“ sei nicht das einzige, es brauche die ganze Entourage einer Athletin.

Allen voran das Elternhaus, wobei Mutter Reta ebenfalls eine begeisterte Judoka ist: «Hast du dich einmal gefragt, wie viele Umdrehungen eure Waschmaschine schon mit Kimonos gemacht hat?“, fragte Reichling an die Adresse von Reta Tschopp. Und schliesslich sei eine solche Karriere nur dank der finanziellen Unterstützung von Sponsoren möglich, die beispielsweise die weiten Reise an Turniere ermöglichen.

An einem solchen Grand-Slam-Turnier weilt Evelyne Tschopp auch dieses Wochenende. Darum konnte sie die Auszeichnung nicht persönlich von der Baselbieter Regierungsrätin Monica Gschwind entgegennehmen.

Förderpreise für Jason Joseph, Nicolas Müller und Handball-Junioren-Stützpunkt

Neben Evelyne Tschopp wurden im Kultur- und Sportzentrum Bruckfeld in Münchenstein auch drei Förderpreise, dotiert mit je 5000 Franken, vergeben. So wurde zuerst der Oberwiler Leichtathlet Jason Joseph ausgezeichnet. Der 19-Jährige feierte in diesem Jahr mit dem Gewinn des U20-Europameistertitels über 110-Meter-Hürden den grössten Erfolg seiner noch jungen Karriere.

Zudem wurde er U20-Schweizermeister und eliminierte den Kantonalrekord über 110-Meter-Hürden, der noch aus den 1960er-Jahren stammte. Nun will der Sportklassen-Schüler der WMS in Reinach im nächsten Jahr auch bei den Aktiven Fuss fassen, und sich dabei für die Europameisterschaften in Berlin qualifizieren.

Meinrad Stöcklin, Präsident der Vereinigung der Baselbieter Sportjournalisten und Laudator für die Förderpreise, durfte zudem den Eishockeyspieler Nicolas Müller auszeichnen. Der gebürtige Arisdörfer sei eine Ausnahmeerscheinung, sagte Stöcklin. So sei die Karriere des 18-Jährigen eindrücklich: Beim EHC Basel nahm Müllers Karriere seinen Anfang.

Er durchlief alle Abteilungen bis zur höchsten Juniorenstufe, wechselte später zu den ZSC Lions nach Zürich und schliesslich im Alter von 16 Jahren zum schwedischen Klub Modo Hockey in Örns-Kölds-Vik. Mit Modo Hockey wurde er sowohl bei den U18 als auch bei den U20 schwedischer Meister. Zudem konnte er mit der Schweizer U18- und U20-Nationalmannschaft bereits internationale Turniere bestreiten. Müllers Ziel ist es, einmal in der amerikanischen Profiliga NHL zu spielen.

Der dritte Förderpreis ging am Freitagabend an den Handball-Junioren-Stützpunkt HSG Nordwest. Dieser Zusammenschluss von mehreren Vereinen fördert seit rund sechs Jahren den Nachwuchs im Handballsport aus der ganzen Nordwestschweiz. Die Handball-Gemeinschaft Nordwest konnte dank der gezielten Nachwuchsförderung nun entsprechende Erfolge feiern. In der vergangenen Saison resultierten zwei Schweizermeistertitel bei den U15- und U17-Elite. „Das macht Freude für die Zukunft“, sagte Laudator Stöcklin, der selbst seit vielen Jahren im Handballsport aktiv ist.

Anerkennungspreise für Hansjörg Thommen, Edgar Senn und Heini Brugger

Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger fiel die Ehre zu, drei Persönlichkeiten für ihre langjährigen Verdienste im Baselbieter Sport zu würdigen. „Jeder Verein braucht einen Präsidenten, der den Verein führt und wie ein Kapitän steuert. Und jeder sportliche Wettbewerb braucht einen Schieds- oder Wertungsrichter, der für die Fairness und Fairplay auf dem Sportplatz sorgt“, sagte Augstburger in Anlehnung an die Preisträger.

Hansjörg Thommen, der eine der drei Preisträger, gilt im Baselbiet als sportliches Multitalent. Er übt sich selber seit mehreren Jahrzehnten in verschiedenen Sportarten, ist Pionier des Baselbieter Sportabzeichens und animierte als Sportlehrer unzählige Kinder und Erwachsene für sportliche Aktivitäten. Zudem entwickelte er das kantonale Förderprogramm Jugendsport Baselland und hat seit 1991 alle Aus- und Weiterbildungskurse im Kindersport geleitet.

Ebenfalls eindrücklich sind die Verdienste von Edgar Senn. Er hat das Nordwestschweizerische Kunstturn- und Trampolinzentrum in Liestal (NKL) in seiner Zeit als Präsident vom kleinen Verein zu einem KMU-Unternehmen mit 643 Mitgliedern, einer professionellen Geschäftsstelle und einem 1-Million-Franken-Budget entwickelt. „Edgar Senn steht für Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Bescheidenheit und Kontinuität“, sagte Augstburger.

Wie Thommen und Senn ist auch der dritte Preisträger eines Anerkennungspreises pensioniert: Heini Brugger. Seit 50 Jahren engagiert sich Brugger im Schiedsrichterwesen des Fussballverbands Nordwestschweiz. Er hat über 1000 Spiele geleitet und ist heute noch als Schiedsrichter-Inspizient tätig.

Würdige und unterhaltsame Feier

Die Verleihung des Baselbieter Sportpreises 2017 stand nicht nur im Zeichen der sieben Preisträger. So hatte die Feier, die zum 20. Mal von Sportamt-Leiter Thomas Beugger moderiert wurde, weitere Höhepunkte: musikalisch, tänzerisch und humoristisch. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Band „Les Touristes“.

Die junge Band aus dem Alpenland, wie sich die Band aus dem Oberbaselbiet selbst bezeichnet, sorgte mit ihren Mundartliedern für musikalische Glanzpunkte. Die Bandmitglieder sind dabei alle auch sportlich unterwegs: Sänger Tim Rohner ist Träger des Schwarzen Gurts im Judo, Schlagzeuger Matthias Steinmann ist begeisterter Elite-10-Kämpfer und Pianist Benjamin Schelker leidenschaftlicher Kletterer.

Der Verein „The Movement“ begeisterte die Besucher der Sportpreis-Verleihung mit ihrem Breakdance- und Hiphop-Tanz und der Basler Komiker Joel von Mutzenbecher sorgte mit Ausschnitten aus seinem aktuellen Programm „Halbidiot“ für Lacher und beste Unterhaltung (PD).