Bernhard Burgener braucht für seine Jahresbilanz keine Notizen. Emotional wie selten spricht der FCB-Präsident am Dienstagabend an der 125. ordentlichen Generalversammlung frei zu den Mitgliedern. Nach einer Medienschelte, «es ist nicht alles so schlecht, wie geschrieben wird», nimmt Burgener seine «tolle Mannschaft» in Schutz: «Die Jungs haben einen guten Job gemacht. Doch wir müssen eines akzeptieren. YB war besser, sie haben uns geschlagen.» Für die dann folgende Aussage: «Hätten wir viermal gegen YB gewonnen, wären wir Meister», erntet Burgener Buh-Rufe, doch der Präsident fährt unbeeindruckt fort. Er betont wie so oft auch gestern wieder, dass er nur das mache, was er vor zwei Jahren versprochen habe: «Ich stehe für eine neue Zeit und wir müssen etwas ändern.» Doch auch Burgener weiss, dass die Schweiz im internationalen Vergleich Jahr für Jahr weiter abrutscht und es für den FCB so schwieriger wird, sich am europäischen Honigtopf zu bedienen.

51 Millionen Franken hat der FCB im Jahr 2018 an Transfererlösen eingenommen. Das sind 53 Prozent des Gesamtumsatzes. Weil diese Summen für zukünftige Transfers der FCB-Spieler ohne das Schaufenster Champions League nur schwer zu erreichen sind und auch die Prämien für die Teilnahme am europäischen Wettbewerb nicht mehr selbstverständlich sind, muss der FCB sparen. Die Ausgaben sollen deswegen noch in diesem Jahr um 21 Millionen sinken.

Burgener betont, dass er deswegen auf junge Spieler setzen will und dass schon heute zwölf Spieler aus der Region im Kader und teilweise bis zu sieben von ihnen gleichzeitig auf dem Platz standen. «Wir müssen uns andere Länder wie Holland zum Vorbild nehmen. Die setzen auch auf Junge und haben damit Erfolg.» Einzig die verpasste Qualifikation zur Europa League sieht auch Optimist Burgener kritisch: «Das darf nicht mehr passieren. Die Leidenschaft und die mentale Stärke müssen deswegen wieder ins Team implementiert werden.»

Statutenänderung vorerst verhindert

Im Vorfeld der GV hatte Vereinsmitglied Peter Hablützel den Antrag auf eine Statutenänderung gestellt. Hablützel fordert, dass ein unabhängiger Delegierter die Interessen des Vereins und der Mitglieder in der FC Basel 1893 AG vertritt, sprich Burgener teilweise entmachtet wird. Aktuell heisst es in Paragraf 13 der Statuten, dass der FCB-Präsident und damit aktuell Burgener die Aufgabe als Delegierter des Vereins in der AG einnimmt.

Doch zu einer Abstimmung kommt es am Dienstagabend nicht. Der FCB-Anwalt Markus Prazeller macht Hablützel vom Rednerpult auf der Bühne darauf aufmerksam, dass dessen Antrag nicht fristgerecht, 20 Tage vor der GV, angemeldet wurde. «Das ist keine Schikane, wir wollen die Statuten schützen», so der Anwalt. Hablützel meldet sich anschliessend trotzdem zu Wort: Während seinem Vortrag erhält er immer wieder Applaus. In einem Punkt seiner Rede ist sich Hablützel sogar mit Burgener einig: «Die Leidenschaft der Spieler auf dem Platz fehlt.» Nach rund zwanzig Minuten endet Hablützel mit den Worten: «Ich finde es sehr, sehr schwach, dass der Verein sich jetzt so rausredet. Deswegen beantrage ich eine ausserordentliche GV nach den Sommerferien.»

Doch Bernhard Burgener hat erkannt, dass die Statuten veraltet sind. Vorausschauend nimmt er sich schon vor dem Votum von Hablützel den Statuten an: «Es mag sein, dass unsere Statuten in die Jahre gekommen sind. Deswegen haben wir das Projekt Statuten 2020 ins Leben gerufen». Im Anschluss an die Rede von Hablützel ruft Burgener die Mitglieder auf, sich Gedanken für «zeitgemässe Statuten» zu machen und diese dem Vorstand mitzuteilen. Dann könnten im nächsten Jahr die über zehn Jahre alten Statuten «im Sinne des Vereins» angepasst werden. Das Projekt wird anschliessend von der Generalversammlung mit 1289 von 1504 Stimmen angenommen.

Heri ersetzt Frei im Verwaltungsrat

Die Wahlen für den Vereinsvorstand und den Verwaltungsrat werden alle ohne grössere Überraschungen durchgewunken. Roland Heri und Marco Streller bekommen verhältnismässig mehr Nein-Stimmen, doch eng wird es nie. Heri ersetzt damit Alex Frei im Verwaltungsrat. Letzterer will sich auf seine Trainerkarriere konzentrieren. Für folgende Abschiedsworte erntet der Trainer der FCB-U18 den grössten Applaus des Abends: «Der FCB ist eine Religion. Und wir müssen wieder lernen, dass niemand grösser ist als der Klub.»