Mestre Curió (76) ist in Brasilien und in seiner Heimatstadt Salvador da Bahia eine Legende. Er führt dort die ECAIG (Escola de Capoeira Angola Irmãos Gêmeos) und hat Generationen von Schülern in dieser Kampfkunst unterrichtet. «Capoeira, das ist Kunst, Tanz, List, Philosophie, Trickserei, Theater, aber nie Gewalt», sagt er. Tatsächlich ist Capoeira sehr vielschichtig. Die beiden Akteure – Capoeiristas – sind in dauernder Bewegung, eine Art Gehen an Ort. Für den typischen Capoeira-Rhythmus sorgt die kleine Musikgruppe.

Kein Gewinner und Verlierer

Aus dieser wiegenden Bewegung, der Ginga, werden Schläge erteilt, die aber den Gegner kaum wirklich treffen: Der Schlag wird abgebremst, der andere weicht aus, im schlimmsten Fall wird er abgewehrt. Vielleicht kommt mal jemand zu Fall, im Prinzip gibt es aber weder Sieger noch Besiegte. Sehr wichtiges Element ist die Finte. Verbunden mit den akrobatischen Einlagen wie Rad, Kopfstand und Slapsticks gibt das dem Spiel manchmal einen theatralischen, bisweilen komischen Touch.

Geschicklichkeit ist Trumpf

Die Capoeira Angola, die alte traditionelle Form, die auch Mestre Curió lehrt, wird sehr eng gespielt und oft am Boden. Man rückt dem Gegner regelrecht auf die Pelle. Curió: «Der Capoeirista muss nicht schlagen, es reicht, wenn er seine Geschicklichkeit zeigen kann.» Das gilt gerade auch für den Altmeister, der mit seinen 76 Jahren zwar noch immer eine unglaubliche Beweglichkeit demonstriert, aber seinen Bewegungen auf das ökonomisch notwendige beschränkt. Sein Spiel ist voller List und launiger Ablenkung.

Für Curió, mit bürgerlichem Name Jaime Martins dos Santos, ist Capoeira längst zu einer Lebenseinstellung geworden: Kämpfen, um überleben zu können, Respekt vor dem Gegner, Ausdauer und Schlauheit in der Aktion.

Afrikanische Wurzeln

Capoeira dürfte afrikanischen Ursprungs sein. Der Tanz oder der Kampftanz kam mit den Sklaven aus Westafrika nach Brasilien, wie auch das einsaitige Musikinstrument Berimbao, das die Capoeira begleitet. Auf historischen Abbildungen sind schwarze Sklaven beim Tanz zu sehen. Der Legende nach soll Capoeira eine Tarnung für die Kampfertüchtigung der Sklaven gewesen sein. Bis in die 20er-Jahre war Capoeira verboten. Heute ist es in Brasilien ein Massensport. In der Capoeira Regional wurden Elemente aus dem asiatischen Kampfsport übernommen. Umgekehrt macht der Breakdance Anleihen bei der Capoeira.

Auch in Basel gibt es Capoeira-Gruppen. Eine davon ist die Grupo de Angola Basel, die Curió eingeladen hat. Die Leiterin Barbara da Conceição war die erste Contra-Mestre des Meisters ausserhalb von Brasilien.

Workshop mit Mestre Curió am Freitag, 26.4., 30 Fr., Aula Dreirosenschulhaus, 18.30 Uhr, Samstag, 27.4., Turnhalle Dreirosen, 11 Uhr, 50 Fr., auch für Anfänger.