Ist dieser Sieg im Cupviertelfinal in Sion ein grosser Sieg?

Marcel Koller: Ja, vor allem wie er zustande gekommen ist. Zwei Verletzte nach 30 Minuten, 0:2 in Rückstand nach 80 Minuten, dann kurz vor Schluss noch zurückgekommen und die Partie in der Verlängerung sauber nach Hause gespielt. Beide Teams haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Wir haben immer dran geglaubt und unglaublich gefightet. Jetzt sind wir froh, dass wir uns für den Halbfinal qualifiziert haben.

Was dachten Sie, als Jonas Omlin die direkte Ecke reingelassen hat?

Ich habe sofort an das Tor von Pajtim Kasami gegen St. Gallen vom letzten Wochenende gedacht. Da hat Sion auch per direkter Ecke getroffen. Dann dachte ich: Ja gut, 0:2 ist schwierig, aber es ist noch nicht vorbei. Den Spielern ging es gleich. Wir haben in der Vorbereitung immer wieder thematisiert. Egal was passiert, wir machen weiter. Das Anschlusstor von Albian Ajeti war dann der Knackpunkt der Partie. Das gab uns Auftrieb und Kraft, sodass wir kurz vor Schluss ausgleichen konnten.

Kevin Bua und Ricky van Wolfswinkel mussten früh verletzt raus. Sie wechselten die späteren Torschützen Ajeti und Valentin Stocker ein. Waren die Verletzungen am Ende Glück für den FCB?

Wir wissen nicht, wie es ohne die frühen Wechsel gewesen wäre.

Aber am Ende haben die Joker das Spiel entschieden. Was haben Sie mit Valentin Stocker gemacht. Warum trifft er plötzlich wieder?

Valentin hatte eine schwierige Phase mit einigen Verletzungen. Man hat gemerkt, dass er ein Erfolgserlebnis braucht. Das hat er mit dem Tor gegen Xamax endlich bekommen und wir haben gehofft, dass der Knoten danach aufgeht. Am Mittwoch konnten wir alle erleben, dass dieser Knoten voll aufgegangen ist. Valentin ist aufgeblüht und hat ein Riesenspiel gemacht.

Auf dem Platz wirkt er wie verwandelt, nehmen Sie ihn auch neben dem Platz anders wahr?

Ja. Er macht sich sehr viele Gedanken und kümmert sich auch um seine Mitspieler. Mit seiner Erfahrung ist er sehr wichtig für die jungen Spieler. Seine Tipps sind Gold wert.

Valentin Stocker sagt, Sie hätten gute Gespräche mit ihm geführt. Haben Sie mit ihm in dessen schwieriger Zeit mehr als mit anderen Spielen geredet?

Nicht mehr als mit anderen, aber wir hatten sicherlich gute Gespräche. Wir haben probiert, seine Situation zu analysieren und gemeinsam besprochen, was war und was noch kommen könnte.

Hand aufs Herz. Haben Sie in der 80. Minute, als es 2:0 für Sion stand, wirklich noch an den Sieg geglaubt?

Ich habe schon die Blick-Schlagzeilen gesehen und mir gedacht: Nein, bleib ruhig. Es ist ja dann auch gut gekommen.

Sie hatten das Aus vor Augen. Wie wichtig ist es, dass das Ziel Cupsieg plötzlich doch wieder möglich ist?

Im Cup gibt es nur Finalspiele. Wenn du nicht gewinnst, kannst du wieder heimfahren und nur darauf hoffen, im nächsten Jahr weiter zu kommen. Von daher ist es extrem wichtig. Auch für die Moral. Wir sind zurückgekommen und konnten das Spiel drehen.

Geben Sie uns recht, dass der FCB in der Hinrunde in diesem Spiel wohl kein 0:2 mehr aufgeholt hätte?

Das wissen wir jetzt nicht, aber da könnte man vielleicht davon ausgehen.

Warum ist das jetzt anders?

Es ist mehr Zug, mehr Schwung drin. Das geht eben nicht in zwei, drei Wochen. Da braucht es etwas mehr Zeit. Da sind wir weiterhin dran. Aber wir freuen uns, dass wir das heute schon mal gut umsetzen konnten.

Haben Sie einen Wunschgegner oder einen Angstgegner für den Halbfinal?

Nein. Das können wir eh nicht beeinflussen. Wenn das Los gezogen ist, bereiten wir uns vor und freuen uns auf den Halbfinal. 

Aufgezeichnet: JAW

Die Highlights der Partie im SRF-Video: