Es ist eine intensive erste Woche, die Marcel Koller erlebt hat. Am Donnerstag vor einer Woche war er als neuer Trainer des FC Basel vorgestellt worden, nur 48 Stunden später wartete das Duell mit seinem Stammklub GC, bei dem er seine ganze aktive Laufbahn verbracht hat, und nur vier Tage später stand für ihn bereits die erste Europacup-Auswärtsreise an.

Kurze Nächte seien es daher im Moment für ihn, viele Spiele, die er sich anschaue, und viele Analysen, die er mache. Natürlich hat dies alles damit zu tun, dass Koller neu ist. Dass er seine Idee – sowohl vom Verhalten als auch von der Spielweise – an das Team erst noch vermitteln muss.

Koller nicht zufrieden

Resultattechnisch ist es bislang aufgegangen. Zwei Spiele, zwei Siege, so seine Bilanz. Zufrieden ist er aber bei weitem noch nicht. Zu sehen ist dies auch, wenn er an der Seitenlinie aktiv coacht, jede Trink- oder Verletzungspause nutzt, um Spielern Korrekturen mitzugeben. «Das ist am Anfang so, wenn es noch nicht so ist, wie das Endprodukt aussehen soll», sagt er. Wie dieses Endprodukt aussieht, will er nicht ganz verraten. Passend dazu ist auch, dass er um seine Aufstellungen ein grosses Geheimnis macht. Dennoch sind gewisse Vorstellungen und Gedankengänge Kollers bereits zu erkennen – genauso wie deren Folgen.

Der Schachzug mit Balanta

Als die Aufstellung vor dem Spiel gegen Vitesse Arnheim publik wird, scheint klar: Koller setzt international auch auf ein 3-4-3, wie dies sein Vorgänger zu tun pflegte. Eder Balanta wird dabei seine gewohnte Rolle in der Dreierkette einnehmen. So weit, so klar, scheint es. Doch es ist ein Trugschluss. Vielmehr überrascht Koller alle und beordert Balanta auf die Sechs neben Fabian Frei. Der Kolumbianer spielt damit auf einer Position, die er beim FCB noch nie bekleidet hat.

Dieser Schachzug überrascht gar den gegnerischen Trainer – und geht auf. Balanta liefert ein starkes Spiel ab neben Frei. So unerwartet die Versetzung Balantas für Aussenstehende kommt, so klar war sie für Koller. «Er hat im Nachwuchs schon auf dieser Position gespielt. Wir haben das dann in der ersten Trainingseinheit nach Serey Dies verletzungsbedingtem Ausfall gleich ausprobiert und er hat es sehr gut gemacht.» Vor allem der Wille und die Zweikampfstärke Balantas seien Attribute, die zur Sechserposition passen. So zufrieden Koller sich zeigte, ist Balanta fortan eine Option im zentralen Mittelfeld.

Die Verschiebung von Zuffi

Wegbeordert von der Sechserposition hat Koller hingegen Luca Zuffi. In seinen beiden bisherigen Spielen als FCB-Trainer hat er Zuffi eine Reihe nach vorne auf die Zehn gezogen. Gegen GC zahlte sich diese Verschiebung besonders aus, Zuffi war an drei von vier Toren beteiligt. Gegen Vitesse spielte er zwar diskreter, bereitete aber erneut mit einem perfekt getimten Zuspiel das Tor von Ricky van Wolfswinkel vor.

«Luca ist ruhig, wird in keiner Situation hektisch und spielt gute Bälle in die Tiefe», sagt Koller und deutet damit wohl an, Zuffi vorerst auf der Zehn zu belassen. Zuffi selber würde das freuen, «weil ich mich so mehr in die Offensive einschalten kann und sehr gerne auf dieser Position spiele.»

Die Nichtnomination von Kalulu

Spielen, das würde auch Aldo Kalulu gerne. Für das Vitesse-Spiel stand er jedoch nicht einmal im Aufgebot. Der Neuzugang, proklamiert als Elyounoussi-Ersatz, wird also in einem wichtigen Europacup-Auswärtsspiel gar nicht gebraucht – nachdem er auch gegen GC erst in der 85. eingewechselt wurde. Ein starkes Zeichen von Koller.

Es zeigt, dass er der Chef ist. Während Sportchef Marco Streller Kalulu über den grünen Klee lobt, streicht ihn Koller aus dem Kader. Er scheut sich folglich nicht vor schwierigen Entscheidungen und stellt einen Spieler nicht einfach auf, weil er neu ist und sich sollte präsentieren können. Diese Unbefangenheit tut gut. Und die Resultate geben Koller im Moment sowieso recht.

Die Konstanz von Omlin

Ob Wicky, Frei, Koller: Ein FCB-Akteur ist bei aller Volatilität die personifizierte Konstanz: Jonas Omlin. Die neue Nummer 1 im Tor der Basler beeindruckt nicht nur jeden Trainer, sondern restlos alle, die den FCB verfolgen. Kein einziges schlechtes Spiel hat er abgeliefert, seit die Saison begonnen hat. Mehr noch: Abgesehen vom Vitesse-Sieg, in dem sich van Wolfswinkel mit seinem Tor zum Mann des Spiels geschossen hat, war es stets Omlin, der sich diesen Titel verdiente.

Weil er hält, was eigentlich nicht zu halten ist. Und auch wenn Koller nach dem Spiel kurz Omlins Name entfallen war, weiss er genau, was er an ihm hat: «Er hat uns im Spiel gehalten und es uns überhaupt ermöglicht, mit zunehmender Spieldauer Ruhe ins Spiel zu bringen», so Koller. Und Ruhe ist das, was Koller selber ausmacht und was er sich auf dem Platz und in den Köpfen der Spieler am meisten wünscht.

Der Respekt von allen

Werden die Spieler des FC Basel auf ihren neuen Chef angesprochen, dann fällt sehr schnell das Wort «Respekt». Koller sei eine Respektsperson, sagt beispielsweise Fabian Frei. Auch Luca Zuffi wählt dieses Wort, um Koller zu beschreiben, und sagt: «Das ist automatisch so bei jemandem, der so schon so viel erreicht hat als Trainer und Spieler.» Der Respekt gegenüber dem neuen Trainer greift im Moment so tief, dass sich die Spieler noch nicht dafür haben, ihn zu duzen.

Das Verhältnis ist nicht mehr das kollegiale, wie es das noch mit Raphael Wicky war. Aber nicht nur im direkten Gespräch, sondern auch im allgemeinen Verhalten sind die Sitten etwas strenger geworden. Der Bussenkatalog ist zwar noch nicht angepasst, aber eine Überarbeitung wurde der Mannschaft bereits angekündigt, wie Zuffi sagt. Wohin die Tendenz geht, ist klar: die Regeln und die Busse werden härter. Zuspätkommen ist beispielsweise etwas, was Koller gar nicht duldet. Der FCB-Coach ist einer, der in seinem Umfeld absolute Professionalität wünscht und fordert. Und das fängt bei der Pünktlichkeit an.

Die Ernennung des Captains

Etwas, was sich unter Koller nicht geändert hat, ist die Hierarchie. Marek Suchy trägt weiterhin die Captainbinde. «Aktuell bleibt Marek Captain», sagt Koller – und sagt damit zwischen den Zeilen noch sehr vieles mehr. Auch, weil er ausführt, dass er erst die Spieler besser kennen lernen müsse. Wenn der Kennenlernprozess durch ist, könnte durchaus auch das Captainamt neu vergeben werden.