Es wäre die Kirsche auf der Torte gewesen, welches dieses Comeback ist. In der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit fällt Ricky van Wolfswinkel der Ball vor die Füsse. Auf dem nassen Terrain des Zürcher Letzigrunds aber rutscht er aus und trifft das Tor nicht. «Das war eine gute Chance. Schade, dass es nicht geklappt hat, aber das Wichtigste für mich ist einfach, dass ich zurück bin.»

Dass Ricky van Wolfswinkel an diesem 17. Dezember wieder auf dem Platz steht, ist nicht selbstverständlich. Vor 81 Tagen – am 27. September in den Schlussminuten der 5:0-Gala gegen Benfica Lissabon – verletzt er sich. Schwer. So schwer wie noch nie in seiner Karriere. Diagnose Mittelfussbruch. Das Fussballjahr 2017 ist für ihn gelaufen, so die Tendenz. Aber van Wolfswinkel sagt schon früh: «Ich komme dieses Jahr noch zurück. In Lissabon, Anfang Dezember, bin ich wieder dabei.» Gereicht hat es nicht.

Geholfen aber hat es, dass er sich ein so ambitioniertes Ziel gesetzt hat, wie er auf dem Weg nach Portugal erzählt. Es ist auch dieser Moment, beim Einsteigen in die Sondermaschine, als der Holländer sagt: «Aber gegen GC gebe ich mein Comeback. Das wird reichen.» Gesagt, getan. In der 85. Minute wechselt FCB-Coach Raphael Wicky ihn ein. «Der Trainer hat mir gesagt, dass er mich bringen würde. Es fühlt sich für mich an wie ein kleines Geschenk.»

Die Sehnsucht nach dem Ball

In den Minuten zuvor sieht er von der Bank aus, wie sein Team sich souverän zu einem 2:0-Sieg über die Grasshoppers spielt. Einem «verdienten Sieg», wie es Wicky nennt. Und einem Sieg, «der auch höher hätte ausfallen können», wie Wickys Pendant Murat Yakin zugeben musste. Man habe den Unterschied gesehen. «Der Gegner war auf jeder Position besser, schnell und intelligenter», so das Fazit Yakins.

Hätten van Wolfswinkels Kollegen die diversen weiteren Chancen genutzt, wäre er vielleicht früher ins Spiel gekommen. Aber er musste warten. Weil nach dem 1:0 durch Mohamed Elyounoussi lange die Treffsicherheit fehlte und erst Renato Steffen nach einem herrlichen Doppelpass mit Albian Ajeti in der 59. Minute den Sack mit dem Tor zum 2:0 zumachte. Bis zu diesem Zeitpunkt muss van Wolfswinkel zittern, dass er am Ende doch nur zu dem kommt, was er «als das Allerschlimmste für einen Fussballer» bezeichnet: von der Seite zuschauen. Das sei absolut «terrible» – schrecklich also.

Ferien im Kreise der Familie 

Die gleichen Worte, die er auch wählt, um die letzten elfeinhalb Wochen zu beschreiben. Um diesem Gefühl ein Ende zu setzen, habe er «sehr, sehr hart gearbeitet». Dass es letztlich nur für gut fünf Minuten Einsatzzeit gereicht hat, ist ihm egal. «Ich wollte einfach den Ball ein paar Mal berühren. Darauf habe ich wirklich gehofft und das hat ja sofort geklappt.» Wenn er von diesem Moment erzählt, strahlt er. Die Augen funkeln. Ricky van Wolfswinkel ist glücklich. Vor allem im Hinblick auf die Rückrunde sei dieser Moment wichtig gewesen. Minuten in den Beinen und den Sieg im Gepäck zu haben.

Von 100 Prozent sei er aber noch entfernt. Auch deshalb werde er die Ferien zu Hause im Kreis der Familie nutzen, um noch mehr zuzulegen. Um im Februar dann, in Momenten wie jener Chance in der Nachspielzeit, wieder ganz der Alte zu sein.