«Er ist zwar nicht die Nummer 1 des Turniers von der Setzliste her, aber trotzdem stufe ich ihn sehr hoch ein», sagt Kirchmayr. Schliesslich habe der Japaner sechs der letzten sieben Turniere, an denen er angetreten sei, gewonnen. «Und vor den Olympischen Spielen war er die Weltnummer 2 und Anwärter auf Gold», zollt Kirchmayr ihm Respekt. Aufgrund illegalen Glücksspiel aber wurde Momota gesperrt für ein Jahr und muss sich nun im Ranking wieder hoch arbeiten. Trotz des Fehltritts in der Karriere des Gegners bewundert Kirchmayr ihn, sagt, «ich bin sehr Fan von ihm!». Duellieren hat er sich noch nie können mit Momota. «Zugeschaut habe ich ihm aber schon oft», sagt er und lacht. «Jetzt gegen ihn spielen zu können, darauf freue ich mich.»

Grosse Chancen, in diesem Jahr weiter zu kommen als bei der letztjährigen Teilnahme an den Swiss Open (damals scheiterte der Therwiler in der ersten Runde und damit bei seinem Comeback-Spiel nach fünfmonatiger Pause), rechnet Kirchmayr sich nicht aus. «Das wird wirklich sehr, sehr, sehr schwierig. Aber ich spiele für diese klitzekleine Chance, ihn in einem von 100 Spielen schlagen zu können.» Sollte dies nicht klappen, dann «kann ich aus einem solchen Spiel doch immerhin etwas lernen. Weil man vom Niveau her irgendwann mal da hin will, wo er ist.» Ob er das dereinst schaffen kann, weiss der 24-Jährige nicht, sagt aber: «So wie er zu sein, das dürfte tendenziell eher ausser Reichweite liegen. Im Vergleich zu ihm habe ich viel zu viel Trainingsrückstand aus der Juniorenzeit.»

Die Nachwehen der Verletzung

Denn während die asiatischen Badminton-Profis von klein auf getrimmt werden, hat Kirchmayr erst mit elf Jahren das Tennis- gegen das Badminton-Racketteingetauscht. «Mein jüngerer Bruder hat mich damals ins Training bei ihm eingeladen. Er spielte schon länger Badminton. Und während ich beim Tennis nie ganz überzeugt war, fühlte ich mich beim Badminton sofort zu Hause.» Erst vor dem Eintritt ins Sportgymnasium aber entschied er sich, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Seither ordnet er alles dem Badminton unter, seit dem Abschluss am Gym ist er Vollzeitprofi. Und seither ging es eigentlich auch stets bergauf – abgesehen von der Verletzung im September 2016.

Beim Krafttraining verletzte er sich an den Bandscheiben. Fünf Monate fiel er aus. Er glaubte immer daran, dass er zurückkommen würde. «Aber klar hast du auch pessimistische Gedanken, fragst dich, was passiert, wenn der Schmerz nie mehr weg geht. Da fiel ich ab und an schon in ein Loch.» Er konnte morgens nicht stehen um das Brot zu schneiden, musste sich hinsetzen, weil die Schmerzen zu gross waren.

Basels Christian Kirchmayr im Einsatz.

Basels Christian Kirchmayr im Einsatz.

Bis heute kann er nicht mehr auf dem Bauch schlafen, «weil ich die Vernarbung dann sofort wieder spüre.» Verletzt musste er auch zuschauen, wie die Schweizermeisterschaften 2017 über die Bühne gingen. Dort wollte er seinen ersten grossen Titel der Elite holen, war der Favorit. Stattdessen ging er in die Reha und investierte die neu gewonnene Zeit in sein Jura-Fern-Studium.

Mittlerweile ist er aber wieder komplett fit. So fit auch, dass er «die offene Rechnung», wie er es nennt, hat begleichen können und anfang Februar erstmals Schweizer Meister geworden ist. «Das ich das geschafft habe, war eine riesen Erleichterung. Und für mich alles andere als selbstverständlich.» Die Freude über diese Errungenschaft, sie ist ihm ganz deutlich anzusehen.

Der erste seit zwölf Jahren

Der nächste Traum wäre es nun, heute an den Swiss Open weiter zu kommen. Vor der Familie und Freunden, die er sonst nur so selten sieht. Und es wäre ein kleiner Schritt auf dem Weg zum ganz grossen Traum, der zeigen würde, dass er auch das schaffen kann: eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokyo 2020. Es wäre die erste eines Schweizer Badminton-Spielers seit den Spielen 2008 in Peking.