Noch nie hat ein Deutschschweizer Basketball-Verein 13 Jahre in Serie in der höchsten Liga gespielt. Und wir wagen die Prognose, dass diese Marke lange Bestand halten wird. Doch nun sind die «Wings» an einen Punkt angelangt, wo man schon von «steten Wun­dern» sprechen muss, dass es Cheftrainer Roland Pavloski und dem Vorstand um Präsi­dentin Gaby Weis, Vize-Präsident Pascal Donati und Kassier Thomas Trümpy gelingt, eine Equipe zu stellen, die kompatibel für die Nationalliga A ist. 

Erstmals seit zehn Jahren wird die höchste Spielklasse zwölf Teams umfassen. Das ist die Anzahl Mannschaften, welche im Sommer 2005 durch den Aufstieg der damaligen Birstal Starwings erreicht wurde. Seither schwankte die Anzahl der A-Ligisten zwischen acht und elf – ein Zeichen, dass im nationalen Basket nichts so Beständig wie der stete Wechsel ist. 

«Wings» mit einem Mini-Budget 

In der Zwischenzeit, oder im Hinblick auf die neue Saison 2017/18, sind die Unterbaselbie­ter zum finanzschwächsten Verein der Elite mutiert. Auch wenn sich die beiden Deutsch­schweizer Rivalen Central Luzern und BC Winterthur gerne als das «Armenhaus» der Na­tionalliga A sehen, muss deutlich gesagt werden, dass die Zürcher dank einer Mäzenin zu jeder Zeit Ausländer verpflichten, entlassen und neu engagieren können.

trainer Roland Pavloski und Captain Joël Fuchs blicken in eine ungewisse Zukunft.

trainer Roland Pavloski und Captain Joël Fuchs blicken in eine ungewisse Zukunft.

Und der einzige Klub der Schweiz sind, der sowohl bei den Männern wie Frauen in der Nationalliga A spielt. Und die «Winti»-Basketballerinnen wurden heuer sogar Cupsieger und werden auf europäischem Parkett spielen. Auch Luzern versteht es meisterhaft, auf der Klaviatur der Emotionen zu spielen und mit öffentlichen Aufrufen ein Budget zu erstellen, das – zumin­dest für das Fanionteam – höher als jenes der Starwings ist. 

Die bz Basel weiss, dass die «Wings» für die ganze Mannschaft und den Trainerstab ein monatliches Budget im tiefsten fünfstelligen Bereich haben. Damit lässt sich eigentlich kei­ne Nationalliga-A-Equipe finanzieren. Meister Monthey bezahlte seinen beiden Top-Ameri­kanern Brandon Young und Markel Humphrey mehr als die Starwings für ein Dutzend Ak­teure verfügen. 

Dennoch gelingt es Roland Pavloski, der viel mehr als «nur» Cheftrainer ist, aus den vielen Tausenden von Basketball-Profis veritable Trouvailles zu finden. Wie Chris Jones, welcher in der letzten Saison der mit Abstand beste Profispieler in der Schweiz war. Die Quintes­senz ist, dass der smarte Spielmacher und Topskorer in der starken belgischen Liga beim Spitzenklub Moins-Hainaut angeheuert hat, wo er Europacup spielen wird. Und gut drei­mal mehr verdient. 

US-Trio kommt nicht mehr 

Überhaupt wird vom Profi-Trio Jones, Octavius Brown und Darell Vinson keiner mehr in der Sporthalle Birsfelden auflaufen. Brown genügte substanziell nicht, Vinson, der «Mister Double-Double», ist nicht mehr bezahlbar sein. Weil Amerikaner einen Mindestlohn erhal­ten müssen (für dieses Gehalt würde allerdings kein Fussballer in der Challenge League die Stiefel schnüren!), den die Starwings auch nicht mehr zahlen können, dürften in der kommenden Saison eher eu­ropäische Spieler (aus EU-Ländern) die Profiakteure beim Deutschschweizer Aushänge­schild sein.

Diese können günstiger sein, doch damit verliert man weiter an Substanz. Bezüglich Schweizer Spieler ist die Situation noch offen – man möchte das valable Quartett um Captain Joël Fuchs (der in seine 10. Spielzeit bei den Starwings gehen würde), Alexis Herrmann, Philippe Sager und Alessandro Verga behal­ten. Aber auch bei diesen Spielern werden Sparmassnahmen vonnöten sein. 

Und neue (Schweizer) Spieler kommen nur, wenn man ihnen zumindest Wohnung und Ar­beitsstelle, nebst grosszügigen Spesen (was dies auch immer heissen mag…) und Fahr­zeug, gibt. Auch damit können die Starwings nicht dienen. «Ich trage die Budgetreduzie­rung mit, aber irgendwann hat man einen Plafond erreicht, wo Siege und vorzeitige Playoff-Qualifikationen einfach nicht mehr die Regel sind», so Pavloski.

Denn eines muss man dem Birsfelder lassen: Seit Jahren lässt er die Hälfte der Nationalliga-A-Teams hinter sich, obwohl diese (primär Boncourt, Massagno; in der nächsten Saison aber auch Aufstei­ger Vevey und Lausanne, das mit Pully fusioniert hat) über doppelt so viele Mittel verfü­gen.