Vor der Saison 2015/16 galt der FC Bern als der Abstiegskandidat Nummer 1 schlechthin. Denn in der Spielzeit 2014/15 hatten sich die Bundeshauptstädter in extremis, auf Kosten des FC Concordia Basel, retten können. Und zumindest in den ersten zehn Runden wurden die Berner den (negativen) Vorschusslorbeeren gerecht und hielten stets einen der beiden Abstiegsränge inne.

Aber am vorletzten Samstag setzte der Berner FCB ein starkes Zeichen, denn die Elf von Trainer Stefan Zimmermann gewann beim Spitzenklub SC Buochs überraschend. Vor allem die Art und Weise sowie die Höhe (3:0) erstaunten positiv.

Hohe Erwartunen an den Verein

Der FC Black Stars, zum Leidwesen von Chefrainer Benjamin Huggel, gilt noch immer als Gruppenfavorit. Aus diversen Gründen, primär wegen der langen Liste an langzeitverletzten Leistungsträgern, wurde der Basler Quartierklub dieser Reputation bis dato nie gerecht.

In den letzten Wochen, nach den beiden Meisterschaftserfolgen über den YB-Nachwuchs (2:1) und vor allem nach dem 3:1-Sieg über Ex-Leader Delémont (3:1), glaubte man, die «Schwarz-Sterne» würden das Feld von hinten aufrollen und in jene Tabellenregionen vorstossen, die auch dem (finanziellen) Aufwand der Klubverantwortlichen, der Substanz der Equipe und dem allgemeinen Selbstverständnis des ambitionierten Vereins entsprechen. Umso mehr, als die Basler auch im Schweizer Cup beim gleichklassigen FC Thalwil (1:0) erfolgreich waren.

Mehr als ein Spiel verloren…

Aber auf dem altehrwürdigen Neufeld, wo im Jahre 1954 die Leichtathletik-Europameisterschaften ausgetragen worden waren, wurde die kleine Siegesserie der Basler gestoppt. Von einem Rivalen, der seinen zweiten Erfolg in Serie feierte und damit den Anschluss ans hintere Mittelfeld geschafft hat. Auch wenn der Traditionsverein aus der Bundeshauptstadt weiterhin einen Relegationsplatz belegt.

Der Ärger über die unnötige Niederlage war bei den Gästen gross. Und wurde doch relativiert, weil «Black» bereits in den ersten 45 Minuten zwei Spieler verlor, welche in diesem Jahr kaum mehr aktiv sein können. Zuerst schied Teamcaptain Reto Friedli nach einem Rencontre mit einer Beinverletzung aus. Und praktisch mit dem Halbzeitpfiff musste Fernando Muelle Sanmartin vorzeitig das Rasenfeld verlassen  – beide Akteure wurden ins Spital überführt. Damit war es gänzlich «ein Nachmittag zum Vergessen», wie ein Begleiter meinte.

Kaum Alternativen für Trainer Huggel

«Dieses Verletzungspech, in dieser Hartnäckigkeit und Dauer, ist nicht normal. Und habe ich in meiner Laufbahn noch nie erlebt», so Black-Stars-Sportchef Peter Faé. Und der Fussball-Enthusiast ist seit vielen Jahrzehnten auf Fussballplätzen zuhause.

Der Vergleich zwischen dem Abstiegskandidaten und einem potenziellen Aufsteiger war spielerisch bescheiden. Man bemühte sich – und hatte mit dem tiefen Platz seine liebe Mühe. Eigentlich wäre es eine typische Nullnummer geworden, wenn nicht Einwechselspieler Alban Mulaj unerwartet, und ohne Voransage, das 1:0 geglückt wäre.

Die Reaktion der favorisierten Gäste war zu erkennen, alleine die Wirkung war von bescheidener Natur. Durch die zwei ungewollten Auswechslungen hatte Trainer Hug- gel auch nicht mehr allzu viele Alternativen auf der Ersatzbank. Nach der Einwechslung von Florian Hengel versuchte das französische Duo Hengel/Mickaël Rodriguez, die Niederlage abzuwenden. Weil aber Torgarant Rodriguez seinen «obligaten» Treffer nicht erzielte, blieb es beim Versuch, mit mindestens einem Punkt aus der Hauptstadt zurück ans Rheinknie zu kehren.

Eng und gefährlich

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass die langgezogene Spitze weiterhin in Sichtkontakt des FC Black Stars bleibt. Dies, weil in dieser Gruppe 2 der 1. Liga «irgendwie jeder gegen jeden gewinnen kann», wie der Ex-FCB-Spieler Huggel bereits vor einigen Wochen erklärt hatte. Und damit die Favoritenrolle seines Personals «wegfegte», denn «Matches werden noch immer auf dem Rasen und nicht auf Papier, oder gar durch Vorsaison-Prognosen, entschieden», so der Münchensteiner leicht enerviert.

Werfen die «Schwarz-Sterne» jedoch einen Blick nach hinten, so werden sie sehen, dass sie selber in Reichweite der beiden Tabellenletzten (Wangen bei Olten, Bern) sind. Und ihr Punktevorsprung weniger gross als der Rückstand auf die Spitze ist…