Die Vorzeichen sind gut. Es ist der Klassiker. FC Basel gegen FC Zürich. Dieses Traditionsduell im Schweizer Fussball. Das zweite innerhalb von eineinhalb Wochen. Die Zürcher wollen sich für diese 1:3-Niederlage im Cuphalbfinal, die angesichts der guten Leistung der Zürcher zu hoch ausgefallen war, revanchieren. Sie wollen an das Gezeigte aus dem letzten Duell dieser beiden Teams anknüpfen, sich erneut auf Augenhöhe mit dem FC Basel präsentieren.

Aber es kommt anders. Ganz anders. Dieser Klassiker entwickelt sich nicht zu einem attraktiven Spiel zweier rivalisierender Teams, sondern eher zu einer Zweiklassengesellschaft. Der FCZ hat nie eine Chance, während der FCB den Gegner regelrecht aus dem Stadion schiessen könnte, wie auch Marcel Koller findet: «Wir hätten den FC Zürich mit unseren Chancen am Ende noch abschiessen und höher gewinnen können.» Dass der FCB dies nicht tut, ist lediglich der mangelhaften Präzision geschuldet. Aber von Anfang an.

Dank Steigerungslauf zum 3:0

Der erste Durchgang hat nicht den erwärmenden Charakter, den man sich an diesem eiskalten Maiabend wünscht. Zwar hat der FCB zwei hundertprozentige Chancen durch Valentin Stocker und Ricky van Wolfswinkel, aber er hat auch extreme Mühe, aus der Harmlosigkeit der Zürcher Profit zu ziehen. «In der ersten Halbzeit hat mir nicht gefallen, dass wir zu wenig griffig waren. Wir haben uns zu wenig bewegt, waren zu weit auseinander. Das haben wir angesprochen in der Pause», erklärt Koller.

Die Korrekturen in der Pause fruchten. Denn während der FCZ sich nicht steigern kann, wird der FCB von Minute zu Minute besser. Dennoch ist es ein ruhender Ball, der den Knopf lösen muss. In der 49. Minute schraubt sich Carlos Zambrano nach einer Ecke am höchsten in die Luft und nickt am nahen Pfosten ein. «Wir können nicht bestreiten, dass uns das Tor durch einen stehenden Ball sehr geholfen hat. Nachher haben wir phasenweise sehr gut gespielt», analysiert Stocker nach Spielschluss.

Tatsächlich ist das erste Tor eine Befreiung für die Basler, die danach sehenswerten, unterhaltsamen Fussball zeigen. Das zweite Tor durch van Wolfswinkel auf wunderschönes Zuspiel des gross aufspielenden Stockers ist eine Augenweide. «Dieses Tor war sinnbildlich für unser gutes Spiel», meint Stocker. Denn: «Da spielen wir genau und präzise in der Offensive.» Etwas, was in der Nachspielzeit auch noch zum 3:0 durch den eingewechselten Albian Ajeti führt. Die Basler zeigen damit in einem Spiel, in dem es für sie um nichts mehr geht, dass sie die Spannung vor dem Cupfinal sehr hoch halten können. Oder in Kollers Worten: «Die Spieler sind heiss und hungrig. Das haben sie in der zweiten Halbzeit eindrücklich gezeigt.»

Die Serie geht weiter

Es ist ein Spiel fürs Selbstvertrauen und die Statistik, die im Kalenderjahr 2019 noch immer keine Basler Niederlage aufweist. Natürlich ist es an diesem Abend einer durchs Band starken Leistung des FCB zu verdanken. Aber auch einem an Harmlosigkeit kaum übertreffbaren FCZ. «Nach vorne war es natürlich sehr mager. In der Mitte hatten wir ein paar Löcher, da ist ein holländischer Edamer nichts dagegen», fasste es FCZ-Assistenz René van Eck in Vertretung des gesperrten Ludovic Magnin treffend und mit beibehaltenem Humor zusammen. Während der FCZ also immer näher in Richtung Barrageplatz abrutscht, ist der FCB in Fahrt. Und sind die Vorzeichen weiterhin gut. Für das Duell gegen YB nächste Woche. Und für den Cupfinal eine Woche später.

Die Noten zum Spiel: