Ist er das wirklich? Man muss sich kurz die Augen reiben, um zu sehen: Ja, das ist Marcel Koller, der in die Live-Übertragung des Schweizer Fernsehens rein läuft und ausgelassen tanzt und feiert.

Koller ist keiner, der für die ganz grossen emotionalen Ausbrüche bekannt ist. Er ist kein Feierbiest und ebenso wenig ein Einpeitscher. Sinnbildlich dafür ist, dass Konditionstrainer Nacho Torreño das so wichtige Heissmachen der Mannschaft vor dem Cupfinal übernimmt.

Es ist aber auch ein Moment, in dem man sich fragen kann: Verzichtet Koller darauf, weil er weiss, dass er die Mannschaft nicht erreicht? Dass der Cheftrainer gelinde gesagt keinen guten Draht zur Mannschaft hat, ist ein offenes Geheimnis.

Keine Einheit

Diverse Akteure bemängeln den Coach immer wieder. Mal stehen die mangelnden Emotionen im Zentrum, mal die Art, wie er Fussball spielen lässt. Mal seine altmodischen Trainingsmethoden, mal seine taktische Inflexibilität.

Positive Worte sind kaum existent. Man höre ihm gar nicht mehr wirklich zu, so ist es zu vernehmen. Dass Trainer und Team nicht die ganz grosse Einheit sind, zeigt sich auch an der Cupfeier.

Kein gemeinsames Anstossen, kein sich in den Armen liegen. Nichts. Der Graben scheint tief. So tief, dass ihn auch eine Revolte und die anschliessende Aussprache nicht haben zuschütten können.

Ausbleibende Bekenntnisse

Es sind diese Dinge, die dafür sorgen, dass nach dem 13. Cupsieg eben nicht nur gefeiert wird. Nur wenige Minuten nachdem Koller über den Platz und durchs Fernsehen tanzt, wird er an der Medienkonferenz nach seiner Zukunft beim FC Basel gefragt.

Koller verweist auf seinen bis Sommer 2020 laufenden Vertrag. «Ich arbeite Tage und Nacht. Aber wenn etwas nicht passt, dann müssen wir darüber reden.» Restlose Überzeugung klingt anders. Aber woher soll diese auch kommen, wenn man wohl selber spürt, dass etwas nicht passt?

Überzeugung ist auch von Kollers Chef, Sportchef Marco Streller, nicht zu vernehmen. Unter der Woche sagte er dieser Zeitung, der Trainer sei kein Thema, Überlegungen habe man sich nicht gemacht.

«Ruhe in den Kessel bringen»

Am Sonntag, als er erneut auf den Trainer angesprochen wird, lautet die Antwort: «Ich werde jetzt nicht hier stehen und sagen, wir machen das sicher oder wir machen das sicher nicht.» Ohnehin sei dies nicht der Moment für eine solche Analyse.

Koller wurde im August geholt, «um Ruhe in den Kessel zu bringen», wie Streller damals eine der Anforderungen an den Wicky-Nachfolger skizzierte. Statt der ersehnten Ruhe herrscht beim FC Basel, so scheint es, viel mehr die Ruhe vor dem Sturm.

Zwar hat Koller es geschafft, eine gewisse Ruhe wieder auf den Platz und eine Konstanz in die Mannschaft zu bringen. Im 2019 setzte es nur eine Niederlage ab – jene gegen YB. Der Cupsieg ist Tatsache und damit der erste Titel der neuen Führung.

Auf den Cupfinal fokussiert

23 Punkte Rückstand auf Leader YB aber sprechen eine andere Sprache. Aus der Mannschaft ist zu vernehmen, dass man keinen Trainer behalten möchte, der dennoch glaubt, man sei gut genug. So sehr die Öffentlichkeit nach neuen Impulsen in Form von Transfers dürstet, so sehr erhofft man sich mannschaftsintern einen Wechsel auf dem Chefposten.

Dass es noch zu früh ist, eine Tendenz abzulesen, gründet darin, dass sich in den letzten Wochen wirklich alles auf den Cupfinal fokussierte. Streller aber sagte, dass in dieser Woche Bewegung rein kommt.

Damit meinte der Sportchef vor allem die Transferfront, doch die Aussage dürfte auch auf die Debatte um Koller zu adaptieren sein. Klar ist nur, dass man sich im Verein nicht sicher ist, ob Koller der richtige Mann ist, um diese Mannschaft zumindest wieder in einen Titelkampf zu verwickeln.

Zu lange gewartet bei Wicky

Hinzu kommt sein Wunsch nach Routine und Robustheit im Team. Der Verein will aber lieber mit spielerischen Mitteln den Anschluss finden und nicht wie YB über die Physis.
Es scheint, als wären die Ansätze immer divergierender.

Dass der FCB 21 Millionen sparen muss, hilft nicht, weil ein neuer Trainer das Personalbudget weiter nach oben drücken würde. Aber: Die Finanzen alleine dürfen dieses Mal nicht entscheiden.

Im Fall von Raphael Wicky warf man sich im Nachhinein vor, nicht gleich bei den ersten Zweifeln die Reissleine gezogen zu haben. Haben die Verantwortlichen daraus etwas gelernt, müssen sie im Sommer eine Trennung von Koller vollziehen.