Die „Wings“ müssen, ja können gar nicht in Genf gewinnen. Zu sehr treffen da zwei Bas­ket-Welten aufeinander. Aber wer in der Nationalliga A mitspielen will, müsste die elemen­tarsten Voraussetzungen mitbringen, um einigermassen – und immer den eigenen Fähig­keiten, Mög­lichkeiten und Mittel entsprechend – eine ordentliche Figur abzugeben. Dies tun die Starwings Ausgabe 2018/19, welche in ihrer 14. Nationalliga-A-Saison in Folge stehen, bei weitem nicht.

Aufmerksamer Beobachter der Partie in Meyrin war Maurice Monnier. Wie immer. Der 86-Jährige ist DER Doyen des Schweizer Basketballes. Und sein Fazit zur Partie, „die gar kein Spiel war, weil die Gäste derart inferior waren“, muss für die „Wings“ alarmie­rend sein: „Noch nie während meiner ganzen Zeit im Schweizer Basketball habe ich eine derart schwache, konzeptlose, überforderte und inferiore Equipe gesehen“, so Monnier. Er kennt den nationalen Basketball seit 1945 aus dem Effeff.

Lächerliche acht Assists

Es ist müssig zu schreiben, wer an diesem Zustand schuld ist. Die Mechanismen im Sport sind eigentlich überall gleich. Ob dies das Patentrezept ist, sei aber auch, oder ebenso, in Frage gestellt. Tatsache ist, dass Genf-Spielmacher Derrick Colter (24, 1,80m) sensatio­nelle 15 Assists servierte, die zu direkten Körben (Punkten) führten. Das Arlesheimer-Birs­felden Kombinat kam zusammen auf lächerliche, ja witzige acht Assists… Sicher, Colter ist in ei­ner anderen Gehaltskategorie (er spielte in der Spielzeit zuvor in der Ukraine, die zu den besse­ren Meisterschaften in Europa gehört) als sein Antipode Justin Mitchell.

 Bei den Rebounds lautete das Verhältnis 44:27 (!). Die Erfolgsquoten bei den Zwei- und Drei­punktewürfen waren frappant - und diametral unterschiedlich. Die Genfer notierten 66 und 44 Prozent, die Gäste aus Birs­felden beschämende 37 und 24 Prozent. Sicher, Wurfstärke hat auch mit Talent zu tun – aber man kann auch solche Systeme konsequent durchspie­len, damit die Stärken der Spieler besser zum Tragen kom­men. Aber wenn jene mit wenig Wurftalent sich kurz vor der 24-Sekunde-Marke auf der Dreipunkte-Linie mit dem Ball in den Händen sehen, wird der Wurf nicht im Korb enden…

Wirkungslose Ausländer

Man könnte erwähnen, dass die Schweizer Spieler bei den Romands mehr Punkte (55) als alle Starwings-Akteure zusammen erzielten. Die vier ausländischen Profis mussten nur 90 Minuten spielen, das Stammquintett hatte im letzten Viertel Feierabend und durfte dem un­gleichen Vergleich von der Bank aus zuschauen. Gästetrainer Roland Pavloski benötigte sein ausländisches Profi-Quartett doch 112 Minuten lang und liess erstmals Jarrell Holli­mon im Stammquintett auflaufen, dafür ging Neuzuzug Sébastien Davet (nur drei Minuten) auf der Bank vergessen.

Aber dies sind alles Details oder Randnotizen: Tatsache ist: In dieser Verfassung werden die Starwings zum Spielball der Rivalen. Auch von jenen Teams, die vermeintlich auf Augenhöhe sind. Und Monsieur Monnier, der seine Bemerkungen „mit Schmerzen verfasst hat, weil die Schweiz starke Deutschschweizer Klubs und Teams braucht“, meinte abschliessend: „Es ist eine Schande, sich ohne jegliches Konzept, weder für die Defensive noch Offensiv, und ohne jede Ordnung, zu präsentieren“. Dem sei nichts weiter beigefügt.

Lions de Genève – Starwings  103:52 (51:26)

Pommer, Grand-Saconnex. - 890 Zuschauer. - SR: Michaelides/Pillet/Ferroni.

Lions de Genève: Colter (3), Kovac (16), Humphrey (13), Mladjan (19), Padgett (24); Terry Smith (8), Cotture (4), Kozic (11), Solioz (5), Kuba, Bourgeois, Tshimini. 

Starwings: Mitchell (7), Kostic (9), Calhoun (9), Hollimon, Nemanja (10); Smith (10), Fuchs (7), Herrmann, Davet, Streich.

Bemerkungen: Genf komplett. - Starwings ohne Verga (verletzt). - Viertelsresultate: 25:13, 26:13 (51:26); 23:14 (74:40) und 29:12 (103:52). - Fouls: Genf 13, Starwings 16.