«Wir wollen zeigen, dass wir aus dem Herbst gelernt haben und weiter sind als damals», sagt Marcel Koller. Es ist zwei Tage vor dem Duell des FC Basel gegen YB. Es wird an jenem Ort stattfinden, an dem es die empfindlichste nationale Niederlage der letzten Jahre abgesetzt hatte. Mit 1:7 ging man im September im Stade de Suisse unter.

Dafür wollte man sich am gestrigen Sonntag rehabilitieren. Zeigen, dass man seine Lektion gelernt hat, den Bernern stattdessen eine Lektion verpassen. Beweisen, dass mit dem FCB zu rechnen sein wird in der nächsten Saison. Und natürlich sollte auch eine Woche vor dem Cupfinal die Hauptprobe im Endspiel-Stadion erfolgreich gestaltet werden. Aber es kommt alles anders.

Auftakt nach Mass

Die Basler feiern zwar einen Auftakt nach Mass. Nur vier Minuten dauert es, bis sich Noah Okafor auf rechts durchtanken und den Ball in die Mitte bringen kann. Der von David von Ballmoos parierte Ball landet bei Fabian Frei, dieser trifft mit einem schönen Distanzschuss zum 1:0 aus FCB-Sicht. Statt jedoch das Momentum auszunutzen, verschanzen sich die Basler vor Goalie Jonas Omlin.

Sie lassen die Berner das Zepter übernehmen, überlassen ihnen Raum, Zeit und Ball. Wenn sie Letzteren mal in ihren Reihen haben, schenken sie ihn zu schnell und einfach wieder her. YB auf der anderen Seite zieht ein Powerplay auf, gibt bis zur Pause zwölf Schüsse auf den überragenden Omlin ab.

Nur dank ihm führt der FCB zur Pause noch immer. Dass dies aber nicht lange so bleiben wird, wenn sich der FCB nicht massiv steigern kann, dürfte allen in diesem Stadion klar sein. Nur: Der FCB kann sich nicht steigern. «Wir sind heute nie an unser Maximum gekommen», muss auch Frei zugeben nach dem Spiel.

Dieses nicht erreichte Leistungshoch führt dazu, dass die Basler das Spiel herschenken. Nach 15 erfolglosen Versuchen erzielt YB in Person von Jean-Pierre Nsamé mit dem 16. Schuss das erste Tor. Für den FCB ist es der erste Gegentreffer nach 444 Minuten und seit dem Heimspiel gegen den FC Lugano Anfang April.

Die gerissene Serie

Nach dem Ausgleich wird YB noch überlegener, der FCB hingegen findet und weiss kein Mittel, sich dagegen zu wehren. Erst recht nicht, als man nach einer gerechten gelb-roten Karte gegen Carlos Zambrano noch zwanzig Minuten in Unterzahl agieren muss.

Bezeichnend für die schwache Gegenwehr des FCB ist das 2:1 der Berner, welches aus einem Konter nach einer Basler Ecke entsteht. Stocker rutscht nach einem Freistoss Freis weg, der Ball landet bei YB, Nicolas Moumi Ngamaleu steht plötzlich allein vor Omlin und bezwingt diesen. Ngamaleu ist es auch, der in der Nachspielzeit noch auf 3:1 erhöht. Damit setzt es für den FCB nach wettbewerbsübergreifend 18 Spielen, in denen man ungeschlagen blieb, dasselbe Resultat ab wie bei der letzten Basler Niederlage: 1:3, auch damals gegen YB.

«Ob das eine Machtdemonstration war? Das kann man so sagen», sagt Christian Fassnacht im Nachgang des Spiels. Angesichts der immensen Dominanz der Berner kann man dem YB-Flügel damit nur recht geben. «Wir haben sie meiner Meinung nach an die Wand gespielt», ergänzt er. «Jonas Omlin hat eine unglaubliche Leistung gezeigt. Ohne ihn hätte es vielleicht noch einmal ein 7:1 für uns gegeben.» Bitter, aber wahr.

Ein 7:1 für YB wurde es nicht. Der FCB hat dennoch eine harte Lektion verpasst bekommen, wer in der Schweiz die Nummer 1 ist. Und verpasst zu beweisen, dass er seine Lektion aus der 1:7-Schmach gelernt hat. Jetzt muss sich der FCB erholen, damit er am nächsten Sonntag an selbem Ort doch mal noch etwas zu feiern hat.