Hätte jemand vor 20 Jahren gesagt, dass dereinst ein Deutschschweizer Klub während 14 Jahren in Folge der Nationalliga A angehören würde – er wäre für ein Utopist respektive als verrückt und Unwissender der nationalen Basket-Szene erklärt worden.

Seitdem die (damaligen) Birstal Starwings, das Kombinat des CVJM Birsfelden und BC Arlesheim, im Juni 2005 den Aufstieg in die Nationalliga A schafften, gehören die Unterbaselbieter zum Etablissement.

Und nur Boncourt, Fribourg, Genf, Lugano und Monthey sind ebenso lang (oder länger) im Oberhaus. Winterthur hat sich nach drei Jahren aus der Nationalliga A zu­rückgezogen, zweiter «Mohikaner» aus der alemannsichen Schweiz ist Swiss Central Lu­zern.

Sportlicher Höhepunkt aus Starwings-Sicht war der historische Cupsieg am 10. April 2010, der aber den Klub vor einer Zerreissprobe stellte, da die damalige Klubführung mit den Mitteln gar grosszügig umging... Heute sind die Gelb-Schwarzen aus Birsfelden finanziell gesund, haushalten mit ihren (bescheidenen) Mitteln vorbildlich und effizient.

Beweis dafür ist, dass einige amerikanische Profispieler (Jaraus Burrows, A.J. Pacher, Chris Jones) nach ihrem ersten Profijahr in Birsfelden nun in europäischen Topligen (Belgien, Frank­reich) spielen und ihr damaligen Gehalt bis zu vervierfacht haben…

Eigentlich ein 13-Mann-Kader...

Nach der letztjährigen «verflixten 13. Saison», die von einem Blitzeinschlag mit anschlies­sendem Hallenbrand der Sporthalle Birsfelden und stetem Verletzungspech (in jedem Match waren mindestens zwei Leisturngsträger nicht spielfähig…) geprägt war, hoffte man, eine ruhige, bessere Spielzeit 18/19 absolvieren zu können.

Und in der Tat sah das Kader an­fangs August vielversprechend aus. Man konnte zwei neue Schweizer Zuzüge – Jarrell Hollimon (23, ein US-Schweizer, der in Lugano gespielt hatte) und Sébastien Davet (20, einst in der Académie von Fribourg Olympic) – sowie die Rückkehr des langjährigen Cap­tains Joël Fuchs (29) vermelden.

Bei den Profispielern wurde ein neues amerika­nische Trio (Jamal Aytes, Auston Calhoun und Justin Mitchell) engagiert, das eine ideale Ergän­zung zu Nemanja Calasan (34) versprach. Doch private Gründe ver­hindern, dass Aytes, der Zweimeter-Mann, der unter den Brettern den serbischen Routini­er Calasan unterstüt­zen und entlasten sollte, je für die Starwings spielen wird. Mitchell, ein flinker Spielmacher mit einer guten Technik, und Calhoun (ex-Massagno und -Boncourt) werden das Team führen (Mitchell) und mit Punkten (Calhoun) füttern müssen.

Wiederum viel Unbill

Doch Verletzungen (Hollimon, Mitchell, Cahoun), Absenzen (Herrmann) und der Ausfall von ex-Captain Alessandro Verga, der nach seiner Knieoperation erst Ende Oktober wie­der spielen kann, sowie der indisponierte US-Profi Aytes führten dazu, dass in keinem der vier Testspiele das Gesamtkader auflaufen konnte.

So standen, aus dem 13-Mann-Kader, dem Cheftrainer Roland Pavloski am letzten Sonntag beim Testspiel in Luzern (66:76-Nie­derlage) noch genau sechs Akteure, darunter die zwei Junioren Luca Streich (U18-Natio­nalspieler) und der 17-jährige Aleksa Pavlovic, zur Verfügung. Alarmierend, wenn eine Wo­che vor Saisonauftakt die Liste der Verletzten grösser als jene der einsetzbaren Spieler ist.

«Unser Ziel ist das Erreichen der Playoffs; also Platz 8 unter elf Teams. Das ist realitisch, wenn...», so Cheftrainer Roland Pavloski (45), der den Satz jedoch nicht beendet. Weil er weiss, dass der vierte Profispieler fehlt.

Und auch wenn die Testspiele, bis auf den Ver­gleich mit dem Nationalliga-B-Aufsteiger BC Bären Kleinbasel (102:55), allesamt verloren gingen, so hofft Pavloski doch auf Besserung. «Die kurze, einmonatige Vorbereitungspha­se war, geprägt durch Absenzen, Blessuren und eine aussersportliche Begebenheit, sicher nicht optimal. Aber Vorbereitungsspiele sind zum Testen da; ich bin zuversichtlich, dass wir, bei Vollbe­stand, mit nahezu allen Rivalen auf Augenhöhe sind», so der Birsfelder.

Die Vorzeichen für heute Nachmittag sehen jedenfalls nicht allzu rosig aus. Denn auch bei Vollbestand ist ein Bestehen beim noch immer «Grande Lugano» nahezu ein Ding der Un­möglichkeit.