Eigentlich stellte sich die Frage gar nie. Dass man Dimitri Oberlin fest von Red Bull Salzburg übernehmen würde, war für den FC Basel sehr schnell klar. Also war nur noch zu klären, wann die fünf Millionen Euro nach Österreich überwiesen werden. Getan hat man dies Ende April, also bevor die bis dann datierte Frist abgelaufen wäre. Denn als der FCB Oberlin im Sommer 2017 leihweise unter Vertrag genommen hatte, hatte man eine Klausel mit der entsprechenden Summe für eine fixe Verpflichtung eingebaut.

Oberlin, dieses Talent, das angeblich von Vereinen aus halb Europa gejagt worden war, galt als einer der ersten Transfercoups der neuen Führung um Sportchef Marco Streller. So schienen die fünf Millionen Euro eine gute Investition. Und eine günstige, gemessen dem, was man sich vom Schweizer U-21-Spieler versprach.

Wicky bezeichnete ihn als «wirr»

In der Champions League hinterliess Oberlin tatsächlich Eindruck. Das Tor gegen Benfica Lissabon ging um die Welt. Nur ist Oberlins Welt mittlerweile eine weit glanzlosere.

Dimitri Oberlin rennt gegen Benfica alles in Grund und Boden.

Dimitri Oberlin rennt gegen Benfica alles in Grund und Boden.

Mit zunehmender Amtsdauer von Raphael Wicky nahmen die Einsatzminuten Oberlins immer mehr ab. Wicky hatte für den Stürmer, dessen Spielweise er nicht nur einmal als «wirr» bezeichnete, kaum mehr Verwendung. Auf Wicky folgte Interims-Coach Alex Frei – und dieser beorderte ihn in seinem zweiten Spiel auf die Tribüne.

Unter Marcel Koller stand Oberlin gegen GC zwar erstmals seit März in einem Ligaspiel wieder in der Startelf – musste aber in der Pause raus, weil Koller «mehr Erfahrung» auf dem Flügel wollte. Erfahrung ist neben Ruhe genau das, worauf Koller am meisten Wert legt. Die überhastete Spielweise Oberlins ist ziemlich genau das Gegenteil davon. Gegen Montlingen am letzten Samstag stand er nicht im Kader. Ein Infekt liess dies nicht zu.

Oberlin will Spielpraxis 

Seit Montag kann Oberlin wieder trainieren und wäre fit für das heutige Spiel. Mittun wird er dennoch nicht. Im Abschlusstraining fehlte er. Denn statt bei den Profis zu sein, reiste er mit der U21 nach Bavois, um in deren Partien in Promotion League dabei zu sein. «Er ist von sich aus auf uns zugekommen und hat gesagt, er wolle spielen, um sich Rhythmus zu holen», erklärt Koller Oberlins Versetzung in die U21. «Wir haben das als gut empfunden. Die jungen Spieler brauchen Rhythmus. Es ist sehr wichtig für sie, dass sie nicht nur trainieren, sondern auch spielen können.»

Stellt sich nur die Frage, wieso Oberlin diese Minuten nicht im Playoff-Hinspiel gegen Apollon Limassol bekommen kann. Insbesondere angesichts dessen, dass mit Valentin Stocker ein Flügelspieler verletzt ausfällt. Dass Koller Oberlin auf dieser Position sieht, unterstrich er an der Pressekonferenz. «Er ist dort stärker als in der Mitte.» Aber der Trainer sagt auch: «Das ist aber auch etwas, was wir noch nicht richtig haben anschauen können, weil wir zu wenig Zeit haben.» Offenbar hat der Eindruck aber gereicht, um Oberlin als nicht stark genug einzuschätzen.

Würde Koller auf ihn bauen, würde er ihn zumindest auf die Bank setzen. Ob er in Zukunft auf ihn setzen will, ist schwer aus Kollers Aussagen heraus zu lesen. «Er ist ein Spieler von uns und steht in unserem Kader. Aber wir wissen, dass die Transferzeit läuft. Wir trainieren mit denen, die da sind. Alles andere können wir nicht beeinflussen.» Ein deutliches Bekenntnis klingt anders.