Am 10. November 2018 hatten die «Wings» zuhause gegen Pully Lausanne mit 66:81 ver­loren. Es wäre überspitzt zu sagen, dass seit dem 8. Dezember 2018 eine neue Zeitrech­nung angefangen hat. Aber Tatsache ist, dass seit der Amtsübernahme von Pascal Donati, und einer entscheidenden Teamverstärkung (Antonio Hester für Auston Calhoun), die Birs­felder vier von sieben Matches gewonnen haben und auch gegen die Landesgrössen (Genf, Neuchâtel) nahezu Paroli boten.

Der Sonntagnachmittag war in der Nordwestschweiz und Romandie durch starke Böen, die zweitweise schon orkanartig über die Waadtländer Metropole fegten, geprägt. In den ersten 20 Minuten war der Vergleich zwischen Welschen und Baselbietern ausgeglichen – erst in den letzten Minuten vor der Halbzeit-Sirene konnten sich das Konstrukt aus einem ehemaligen Serienmeister (Pully) und einem Traditionsverein (Lausanne) leicht absetzen. 

Und Pully Lausanne konnte sich den Luxus leisten, als 11. Akteur den US-Profi Jamani Pierce (22, 201cm) einzusetzen, der sonst in der U23-Equipe der Waadtländer, in der Natio­nalliga B, der Topskrorer ist. Ein Glück für die „Wings“ war, dass Alessandro Verga mit einem spektakulären Dreier kurz vor der Pause noch verkürzen konnte (39:43).

Einem Tornado gleich

Während sich um 17 Uhr der klimatische Sturm gelegt hatte, fegte plötzlich ein anderer Sturm durch die Halle. Die Blau-Weissen aus der einzigen Hafenstadt der Schweiz zele­brierten zwischen der 21. und 27. Minute eine Basket-Kost, die man als perfekt bezeich­nen muss. Aus einem 45:41 wurde ein 45:58 – ein 0:17 in sechs Minuten, das den Gästen die Gewissheit gab, diesen Vergleich nicht mehr verlieren zu können.

Branislav Kostic be­eindruckte durch einen strukturierten Aufbau und einer superben Wurfquote (drei von vier Dreiern fanden den Weg in den Korb), während Nemanja Calasan alleine schon durch sei­ne Präsenz der­art viel Aura ausstrahlte, dass die Gäste am Center abprallten. Und dann war da noch An­tonio Hester, der nach einer diskreten ersten Halbzeit von der 21. bis 27. Minute punktete, reboundete (zuletzt 15 Rebounds) und blockte, dass er einem Tornado gleich über die Ri­valen hinwegfegte. Dieser Mann kann vieles gut, einiges sogar sehr gut!

Zum ersten Mal nicht Tabellenletzter

Danach kontrollierten die Starwings die Partie und aus dem Tornado wurde eine frische Brise, die genügte, um Pully Lausanne auf sicherer Distanz zu halten. Damit sind die Star­wings erstmals nicht Tabellenletzter, sondern haben Luzern und Lau­sanne um zwei Zähler hinter sich gelassen. Und sind «nur» noch vier Zähler von Lugano entfernt.

Da es nach 20 Partien nochmals eine einfache Runde (der fünf Letzten) geben wird, ist Platz 8 keine Uto­pie (mehr). Und sollten diese magischen sechs Minuten erweitert werden können und US-Center Ryan Smith (213 cm) nicht vier Fouls in wenigen Spielmi­nuten (punktemässig war er diesmal dabei) begehen, so darf man den kommenden Mat­ches gespannt und mit Freu­de entgegen blicken.

Debüt von Christmann

In Anbetracht des Vorsprungen und der Dominanz schickte Cheftrainer Pascal Donati den 17-jährigen Jules Christmann erstmals in ein Nationalliga-A-Spiel. Während sechs Minuten half der smarte Jüngling, wiewohl physisch seinen Antipoden klar unterlegen, wacker mit. Nur bei seinem Dreipunktewurf aus der Ecke zitterte wohl das Handgelenk – sein 7-Meter-Wurf war ein Airball. Aber das war eine sympathische Anekdote in einer Partie, die auf­zeigte, dass die Starwings derzeit mit mindestens der Hälfte der Liga auf absoluter Augen­höhe sind.

In drei Wochen wird der Meister und Champions-League-Teilnehmer Fribourg Olym­pic in der Sporthalle Birsfelden gastieren. Einst zogen die Freiburger jeweils traumati­siert von «Blätzbums» ab. Wenn Brani, Nemo (Calasan) und Don Antonio so aufspielen wie heute Sonntagabend...