Der zuweilen bemitleidenswerte Ungare Zoltan Csala musste sich vorgekommen sein wie im alten Rom. Während Arnold Gjergjaj im Hexenkessel vom Grand Casino Basel immer wieder auf ihn einprügelte, hallte es von den Rängen immer wieder bedrohlich «mach ihn fertig jetzt». Wie damals bei den Gladiatorenkämpfen: Daumen runter, Gegner erledigen, Feierabend.

Schon vor dem Kampf schien es es nur einen Sieger geben zu können. In der blauen Ecke stand die Kobra Gjergjaj, eine 1.97 Meter grosse und 109.5 Kilogramm schwere Naturgewalt, aufgebäumt, bereit für den 27. Sieg in ebensovielen Kämpfen. Bereit zum 14. K.o. in Serie. Dagegen wirkte der «nur» 1.89 grosse Ungare fast schon wie eine Erbse - auch wegen der rundlicheren Körperform.

Das sah der umtriebige Emin, ein Boxfan seit 50 Jahren, nicht anders. Minuten vor dem Einmarsch der Gladiatoren warnte er noch, dass Boxen wie Autofahren mit hoher Geschwindigkeit sei: «Ein kleiner Fehler kann grosse Folgen haben.» Als sich die Kobra und sein Herausforderer dann im Ring gegenüberstanden, gab der Kosovare seinen endgültigen Tipp ab: «Arnold schlägt ihn K.o. - in der ersten oder zweiten Runde.»

Gefährlicher Gegner

Doch ganz so einfach wollte es der Gast den 500 frenetischen Zuschauern dann doch nicht machen. Vor allem auf Defensive bedacht, schützte er sich vor der angriffslustigen Kobra, ohne grossen Schaden anrichten zu wollen. Erst ab der dritten Runde machte er seinem Kampfnamen «Furioso» alle Ehre. Sobald Gjergjaj etwas in die Ecke getrieben wurde, schlug Csala wie eine Furie mehrfach auf den Pratteler ein.

Auch Emin wurde etwas nervöser: «Dieser Ungare ist gefährlich…» Doch weder vor Furiosos «Mauertaktik», noch vom immer ungeduldiger werdenden Publikum liess sich Gjergjaj aus der Fassung bringen und bearbeitete seinen Gegner geduldig, bis der 30-Jährige ab der vierten Runde die Sache endgültig im Griff hatte.

Einer harten Linken folgte eine krachende Rechte, sodass der nächste K.o.-Sieg nur eine Frage der Zeit schien. Csala blieb aber über acht Runden standfest, sodass die Punktrichter entscheiden mussten. Und sie taten dies einstimmig, unter tosendem Applaus der Publikums, zu Gunsten des Heimboxers.

«Intelligent geboxt»

Auch wenn viele der teils fast schon blutrünstigen Zuschauer auf einen vorzeitigen Sieg des gebürtigen Kosovaren hofften, zeigte sich dieser selber zufrieden: «Ich habe bewiesen, dass ich auch technisch boxen kann.» Dass er gegen die zähe Weltnummer 59 über die volle Distanz gehen musste, bezeichnete die Kobra als «eine gute Erfahrung.» Ins selbe Horn blies Angelo Gallina, Trainer, Manager und Entertainer in Personalunion. Sein Schützling habe «intelligent geboxt und gut variiert.»

So verliessen am Ende das Grand Casino Basel alle zufrieden. Die Furie wurde in ihren siebten Profikampf (6 Siege, 5 durch K.o.) nicht vorzeitig auf die Bretter geschickt und Gjergjaj wird dank diesem Erfolg in der unabhängigen Weltrangliste boxrec.com von seinem 50. Platz deutlich nach vorne stossen, ist damit seinem Traum von einem grossen WM-Kampf, am liebsten gegen Wladimir Klitschko, einen Schritt näher.

Dazu verkündete Beat Stingelin, der Gemeindepräsident von Pratteln, stolz, dass Arnold Gjergjaj am Montag offiziell eingebürgert wird. Emin, der wie Gjergjaj aus der kosovarischen Stadt Gjakova stammt, lächelte: «Das ist sehr gut. Die Schweiz ist ein schönes Land und unser neues Zuhause.»