Mit einem Kartonteller in der Hand kämpft sich da einer durch die Menschenmasse beim Eingang zum Fussballplatz Kolbenstein: «Vali, Vali, deine Pizza!» Valentin Stocker dreht sich um, nimmt sein Abschiedspräsent dankend entgegen und verschwindet im Teambus, wo er wenig später genüsslich in den knusprigen Teig beisst. Cup in Montlingen, wenige hundert Meter von der schweizerisch-österreichischen Grenze. «Das war ein Volksfest», bilanziert FCB-Trainer Marcel Koller nach dem eher zähen 3:0-Sieg gegen den Zweitligisten.

Es ist Fussball, wie ihn die Nostalgiker lieben und jeder Amateurkicker Wochenende für Wochenende erlebt. Einfach mit ein bisschen mehr Tamtam. Das Schweizer Fernsehen ist angereist mit Übertragungswagen, Gerüsttürme wurden aufgebaut für die Kameras, den Kommentator und die VIP-Tribüne. Bratwurststand, Live-Band, Partyzelt – Montlingen feiert sein Fussballteam und sich selbst. Das Duell gegen den grössten Fussballklub der Schweiz lockt 4348 Zuschauer in die 2000-Seelen-Gemeinde. «Einbrechen würde sich jetzt lohnen, das ganze Dorf ist hier», meint einer im Scherz.

Beschäftigungsloser Hansen

Nicht ganz so festlich ist der Auftritt des FC Basel. Auf acht Positionen verändert Marcel Koller das Team im Vergleich zum Spiel gegen Arnheim am Donnerstag. Zu viel riskieren will er nicht, darum lässt er die Verteidigung praktisch unverändert, lässt mit Widmer, Cömert und Balanta die Verteidigung unverändert.

Knappe 44 Stunden Erholung hatten die drei, man merkt ihnen die Müdigkeit nicht an, sie stabilisieren die Defensive und Montlingen wird nur einmal wirklich gefährlich. Ende der ersten Halbzeit. Sonst ist Ersatzkeeper Martin Hansen bei seinem Debüt vor allem damit beschäftigt, fokussiert zu bleiben. Denn es dauert lange, bis Basel den Sack endlich zumacht.

Zwar gehen sie schon in der 10. Minute durch ein Kopftor von Eder Balanta in Führung, aber sie müssen sich bis zur 66. Minute gedulden, ehe Kevin Bua mit einem Distanzschuss nachlegt. Den Schlusspunkt setzt Aldo Kalulu, der kleinste Spieler der Super League (1,66 Meter), mit einem Kopftor.

Montlingen-Trainer Andreas Lüchinger sagt: «Wir haben unsere Haut so teuer wie möglich verkauft. Natürlich, wir hatten auch Glück bei den drei Pfostenschüssen, aber das gehört dazu.» Und Koller muss wie schon am Donnerstag nach dem Arnheim-Sieg feststellen, dass man zwar Chancen hat, aber kaum Tore schiesst. «Ihr könnt stolz sein auf diese Leistung», so der Trainer der Basler.

Zufriedene Montlinger

Das sind sie. Ein sichtlich erschöpfter Fabio Klingler, Mittelfeldspieler der Montlinger, kommt zu den Journalisten, sagt mit zufriedenem Lachen: «Wir sind zwar 80 Prozent der Zeit dem Ball nachgerannt, aber wir haben nichts anderes erwartet. Basel ist die beste Mannschaft der Schweiz.» Über seiner Schulter hängt das Trikot von Fabian Frei. Ein Trikot von einem Spieler, der keine Sekunde gespielt hat? «Wir spielten zusammen in der U18 von Winterthur. Als er zu Basel ging, zog es mich zu GC», erzählt Klingler. Der Trikottausch war schon lange vor Anpfiff abgemacht.

Während Taulant Xhaka und Zdravko Kuzmanovic über ihre Debüts reden, feiern die Montlinger und ihre Anhänger den Ausnahmezustand. Da liegt der Fussballplatz Kolbenstein am Fuss des Montlinger Bergli längst im Schatten. Die Scheinwerfer flackern, aus dem Partyzelt wummert der Sound, die Kinder sind auf Selfie- und Autogramm-Jagd, die FCB-Stars trudeln Richtung Teambus. Und manch einer wird sich geärgert haben, dass er es nicht Valentin Stocker gleich gemacht und eine Pizza zum Mitnehmen bestellt hat.