Ricky van Wolfswinkel steht im Tor und lässt einen Elfmeter durchrutschen. Sein kleiner Sohn Djoy jubelt im FCB-Trikot mit seinem Namen und der Nummer 9 über den Treffer. Dieser fällt aber erst, als die meisten Zuschauer das Joggeli längst verlassen haben. Van Wolfswinkel ist mit seinem Sohn 15 Minuten nach Abpfiff noch einmal auf den Rasen zurückgekehrt und führt gut gelaunt ein Extratraining mit dem eigenen Nachwuchs durch.

Rund zwei Stunden vorher hat der Holländer ins gegenüberliegende Tor selber getroffen. Es läuft die 16. Minute als sich van Wolfswinkel einen ungenauen Pass von Thuns Torhüter Faivre zu Rechtsverteidiger Kablan schnappt. Valentin Stocker steht passiv im Abseits, hebt aber beide Arme und greift nicht ins Geschehen ein. Van Wolfswinkel lässt sich nicht irritieren und drischt das Leder zum 1:0 ins Netz.

Van Wolfswinkel rechnete mit wochenlanger Pause

Nachdem er unter der Woche im Cup in Sion nach einem Schlag aufs Knie verletzt ausgewechselt werden musste, steht van Wolfswinkel gegen Thun überraschend wieder in der Startelf und das gemeinsam mit seinem Sturmkonkurrenten Albian Ajeti. «Ich dachte auch erst, dass ich mehrere Wochen fehlen könnte, doch mein Körper ist super», sagt der Stürmer und lacht. Sein Tor gegen Thun war der zehnte Saisontreffer. Das gleiche Kunstwerk gelingt in der 32. Minute auch Ajeti. Er läuft nach einem Zuckerpass von Stocker allein auf Faivre zu, umkurvt diesen und vollendet zum 2:0-Pausenstand.

Basel hat im sogenannten Spitzenkampf Zweiter gegen Dritter zwar nur 45 Prozent Ballbesitz, aber bis auf eine Ausnahme alles im Griff. In der 4. Minute treffen die Fäuste von FCB-Torhüter Jonas Omlin im Strafraum nicht den Ball, sondern den Kopf von Kevin Bigler. «Während dem Spiel hab ich das nicht so tragisch gesehen. Jetzt muss ich sagen, Penalty und Gelb wäre richtig gewesen», analysiert Omlin nach dem Spiel treffend.

Schneider: «Klar war es Penalty»

Doch selbst Thuns Trainer Marc Schneider will diese Szene nicht überbewerten: «Klar war es Elfmeter. Aber ob es etwas gebracht hätte, wissen wir nicht. Meine Mannschaft hat den FCB heute mit Eigenfehlern zu Toren eingeladen und sich in der gegnerischen Hälfte zu wenig zugetraut.»

In der zweiten Hälfte spielt der FCB die Partie im Stile einer Spitzenmannschaft zu Ende. Luca Zuffis 3:0 in der 83. Minute entsteht nach einem Doppelpass mit Ajeti. Dieser vergibt anschliessend eine Hundertprozentige. Statt 4:0 steht es am Ende 3:1. Weil Fabian Frei Kablan umlegt und Omlin den Freistoss von Spielmann nicht wie gewünscht zur Seite abwehren kann, staubt Rodrigues ab.

Acht Spiele unbesiegt, zwei Tage frei

Während Thun zum ersten Mal im Jahr 2019 verliert, geht die Ungeschlagen-Serie für den FCB weiter. Acht Spiele ohne Niederlage gab es für den FCB unter Marcel Koller noch nie.
Mit 19 Punkten Rückstand auf YB und sieben Punkten Vorsprung auf Thun droht der FCB auf Rang 2 zu vereinsamen. Doch Marcel Koller erklärt sofort angriffslustig, warum das kein Grund ist, nachzulassen: «Es kann sich keiner zurücklehnen, sonst spielt ein anderer. Unser Ziel ist es, den Rückstand auf YB zu verringern.» Aufgrund der intensiven Tage schenkt der Coach seiner Mannschaft jetzt zwei freie Tage. Für Ricky van Wolfswinkels Sohn Djoy heisst das wohl, dass es am Montag und Dienstag zu Hause weitere Trainingseinheiten geben wird.