Eigentlich käme die Länderspielpause für FCB-Trainer Marcel Koller gerade sehr gelegen. Er und sein Team hätten endlich einmal Zeit, um kurz innezuhalten, durchzuatmen und dann Kollers Ideen vertieft einzustudieren. Oder wie der FCB-Trainer sagte: «Wir können den Spielern auch ein paar Tage freigeben, dass sie Zeit mit ihren Familien haben, die Batterien aufladen können und mit neuer Energie zurückkommen.»

Das war während der hektischen vergangenen Wochen nicht möglich. Meisterschaft, erst die Qualifikationsspiele für die Champions League und dann jene für die Europa League, Cup – in den 43 Tagen zwischen dem 21. Juli und dem 2. September hat der FCB 13 Spiele absolviert. Ein Monster-Programm.

Koller aber kann die Länderspielpause nur bedingt nutzen, um den Spielern seine Philosophie einzutrichtern. Denn es steht ihm bloss noch ein Rumpfteam zur Verfügung. Neben den verletzten Jonas Omlin, Marek Suchy und Valentin Stocker fehlen ihm acht Nationalspieler (siehe Grafik rechts und Tabelle unten).

Weil Fabian Frei zudem noch wegen einer Magendarmgrippe fehlt, stehen am Donnerstag gerade noch zwölf Spieler auf dem Trainingsplatz. Es ist das letzte Training, bevor Koller die zurückgebliebenen Spieler in ein verlängertes Wochenende verabschiedet. An diesem Tag hat er darauf verzichtet, das Rumpfteam mit Nachwuchsspielern aufzustocken. Es geht nicht um Taktik an diesem Vormittag.

Sporttag

Es nieselt auf der Brüglinger Ebene, als Konditionstrainer Mathieu Degrange die Spieler um Leithammel Zdravko Kuzmanovic in der Ecke des Trainingsplatzes um sich schart. Die Bälle sind weggepackt, ohnehin waren sie nur kurz zu Trainingsbeginn im Einsatz. Zum Aufwärmen. Jetzt aber erklärt Degrange den Spielern, wo sie hinrennen sollen und wie lange sie Zeit haben dafür. Mehr als eine halbe Stunde Intervalltraining.

Direkt daneben keuchen Schüler über die Ziellinie auf dem Kilometerwegli, während ein Lehrer per Megafon Anweisungen herumposaunt. Sporttag mit Klassen-Triathlon – schwimmen, inlineskaten, rennen. Ausdauer allenthalben. Denn auch Koller hat festgestellt, dass seinem Team wenigstens phasenweise die Puste ausgeht.

40 Prozent weniger Natispieler

Auch deshalb hätte Koller die Nationalspieler gerne dabei gehabt. Aber es ist ja nicht so, dass die acht Abberufenen zum Spass in der Weltgeschichte herumdüsen. Mit Ausnahme von Geoffroy Serey Dié bestreiten alle zwei Spiele mit ihren Nationalmannschaften, sofern sie denn zum Einsatz kommen. Zwar hat Serey Dié das sportlich lockerste Programm, reisetechnisch jedoch das anspruchsvollste. Davon ausgehend, dass er nach der Partie gegen Ruanda direkt zurück in die Schweiz reist, legt er in einer Woche fast 15 000 Flugkilometer zurück. Macht er noch einen Abstecher zurück in die Elfenbeinküste, wären es fast 17 500 Kilometer oder eine halbe Weltreise.

Koller hat zwar nur noch eine halbe Mannschaft im Training, doch der FCB erlebte da schon ganz andere Zeiten. Noch vergangene Saison fehlten den Baslern zur selben Zeit 13 Spieler. Derzeit sind es acht (Fabian Frei und Robin Huser sind auf Pikett und trainieren bis zu einem allfälligen Anruf mit dem FCB), was einem Rückgang von fast 40 Prozent entspricht und deutlich illustriert, dass die Breite im Kader des FC Basel deutlich zurückgegangen ist.

Bis Montag hat Koller seinen Spielern freigegeben. Dann aber wird wieder täglich trainiert, am Dienstag sogar zweimal. Denn der FCB-Trainer hat zwar nur ein reduziertes Team zur Verfügung, aber mit dem will er das Maximum herausholen, um YB nicht noch weiter enteilen zu lassen.