Ganz bittere Pille für den FC Basel drei Tage vor dem so wichtigen Spiel gegen Arsenal. 1:3 verlieren die Basler gegen Verfolger YB. Damit endet die Serie der Ungeschlagenheit des Meisters nach 16 Spielen – und der Vorsprung auf die Berner verkleinert sich auf zwölf Punkte.

Das ist kein Beinbruch, aber in Anbetracht des Arsenal-Spiels ein herber Dämpfer. Vor allem auch, weil die Basler 45 Minuten in Überzahl spielen und damit mehr als genug Zeit gehabt hätten, den 0:1-Rückstand zur Pause aufzuholen. FCB-Trainer Urs Fischer: «Die rote Karte hat uns nicht in die Karten gespielt, im Gegenteil.»

Doch der Reihe nach: YB beginnt druckvoll, setzt die Gäste aus Basel von Beginn weg unter Druck – und geht durch Publikumsliebling Guillaume Hoarau schon in der 6. Minute in Führung. Lecjaks lässt zuvor Lang und Bjarnason stehen, passt scharf zur Mitte, Vaclik klärt nur ungenügend und Hoarau steht bereit zum Einschieben. Die YB-Fans ein erstes Mal in Ekstase, Basel geschockt. Es dauert bis Mitte der ersten Halbzeit, ehe die Basler sich erholen und das Spiel besser in den Griff kriegen. Richtig gefährlich wird der FCB allerdings kaum.

Pfeifkonzert für Steffen

Mit dem Pausenpfiff von Schiedsrichter Harald Lechner aus Österreich aber scheint das Spiel zu kippen. Renato Steffen rempelt YBs Mittelfeldabräumer Kasim Nuhu an. Der Ghanaer tickt aus, tritt im Stolpern nach Steffen. Lechner steht unmittelbar daneben, zögert nicht lange und schickt den Hitzkopf unter die Dusche. Die Fans der Gastgeber rasten förmlich aus. Renato Steffen wird mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet. Alles scheint für den FCB zu laufen.

Der Meister kommt druckvoll aus der Pause, erspielt sich erste gute Möglichkeiten. Dann die 51. Minute: Suchy und Vaclik mit einem Missverständnis, der Ball prallt von Suchys Fuss zu Gerndt, Suchy kann gerade noch klären, aber nur bis zu Hoarau. Der Franzose schiebt eiskalt zum 2:0 für YB ein. Basel fasst sich schnell. Aber der starke YB-Keeper klärt einen Freistoss von Delgado in der 57. Minute zum Eckball.

Dann reagiert FCB-Trainer Urs Fischer: Luca Zuffi geht raus, Andraz Sporar kommt. Eine halbe Stunde vor Schluss stürmen mit dem Slowenen und Seydou Doumbia also zwei Angreifer. Wenig später bringt Fischer auch noch Mohamed Elyounoussi für den blassen Birkir Bjarnason. Jetzt gibts nur noch eines für den FCB: Angriff, Angriff, Angriff!

Das wird belohnt: Renato Steffen flankt in der 65. Minute, Doumbia unterläuft den Ball, Elyounoussi ist da, will ihn an Scott Sutter vorbeilupfen. Doch der YB-Verteidiger nimmt die Hand zu Hilfe – Penalty für den FCB. Delgado läuft an und verwandelt sicher. 1:2 und noch immer hätte der FCB 25 Minuten Zeit gehabt.

Vor knapp über 20 000 Zuschauern gibt der Meister jetzt den Ton an. Doumbia, bei seiner erstmaligen Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte bis dahin kaum zu sehen, kommt in der 74. Minute mit dem Kopf zum Abschluss. Doch wieder ist Mvogo zur Stelle, klärt mit einem glänzenden Reflex.

Der Genickstoss für Basel folgt in der 79. Minute: Wieder ist es Lecjaks, der flankt, der zwei Minuten zuvor eingewechselte Kevin Mbabu tankt sich durch, nickt zum 3:1 für die Gastgeber ein. Der YB-Fanblock liegt sich in den Armen, die Basler Anhänger erstarren in Stille. Spätestens jetzt ist klar: Basel verliert nach zuletzt vier Siegen in Serie gegen YB zum ersten Mal – und das in Überzahl. Viel schlechter hätte es für den FCB nicht laufen können. Die Moral vor dem Champions-League-Spiel am Dienstag am Boden.

Ganz anders die Ausgangslage für die Gunners und Granit Xhaka. Arsenal gewann gestern auswärts gegen West Ham United souverän mit 5:1. Auch dank Hattrick-Torschütze Alexis Sanchez – und Granit Xhaka, der im defensiven Mittelfeld durchspielt. Am Dienstag also müsste der FCB mindestens ein Unentschieden gegen diesen Giganten schaffen, um europäisch zu überwintern. Die Prognosen sind düster.

Telegramm:

Young Boys - Basel 3:1 (1:0)

20 216 Zuschauer. - SR Lechner. Tore: 6. Hoarau (Lecjaks) 1:0. 51. Hoarau 2:0. 66. Delgado (Foulpenalty/Elyounoussi) 2:1. 79. Mbabu (Lecjaks) 3:1.

Young Boys: Mvogo; Sutter, Von Bergen, Benito, Lecjaks; Aebischer, Nuhu; Schick (77. Mbabu), Bertone, Sulejmani (46. Gerndt); Hoarau (91. Frey).

Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Balanta, Riveros; Xhaka, Zuffi (59. Sporar); Bjarnason (63. Elyounoussi), Delgado, Steffen (77. Callà) ; Doumbia.

Bemerkungen: Young Boys ohne Sanogo (gesperrt), Ravet, Zakaria, Kubo, Joss, Wüthrich, Rochat (alle verletzt), Basel ohne Janko (gesperrt), Bua (verletzt), Kutesa, Traoré, Fransson, Boëtius, Akanji (alle nicht im Aufgebot). 45. Rot gegen Nuhu (Tätlichkeit).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker: