Fabian Frei, Sie sind vor zehn Tagen 30 geworden. Wie verkraften Sie die hohe Intensität im Training?

Fabian Frei: (lacht) Es tut mir alles weh! Vor zehn Jahren waren diese Trainingslager noch einfacher zu verkraften. Dafür habe ich jetzt die Erfahrung, die ich damals noch nicht aufweisen konnte. Ich kenne jetzt meinen Körper und weiss, wann ich mir mehr Zeit für Physio und Massagen nehmen muss. Dann funktioniert das wunderbar.

Haben Sie spezielle Mittel?

Den Mittagsschlaf! Den brauchte ich mit 20 auch noch nicht so sehr wie heutzutage. Wenn man Kinder hat, ist es auch einfach mal schön, sich hinlegen zu können, ohne dass jemand herumturnt. Und wenn mein Zimmerkollege Luca Zuffi das tut, dann sage ich ihm einfach, dass er aufhören soll.

Die 30 ist eine Zahl, wovor viele Angst haben. Wie geht es Ihnen?

Die 30 stresst mich nicht. Da habe ich wirklich kein Problem. Mir ist es egal, ob ich 29, 30 oder 31 bin. Es geht mir mehr darum, dass jeder Geburtstag zu schnell wiederkommt. Dass alles so schnell geht. Das ist es, was mich stresst. Wobei, was heisst stressen? Ich geniesse die Zeit, wie sie jetzt ist.

Als Sportler ist das Alter noch etwas bedeutender. Wer 30 ist, hat nur noch fünf, sechs Jahre vor sich. Machen Sie sich darüber Gedanken?

Vielleicht gibt es auch welche, die sagen: Zum Glück sind es nur noch fünf Jahre! Bei mir ist das aber nicht so. Ich weiss, dass das Leben nicht fertig ist, wenn man aufhört, Fussball zu spielen. Jedenfalls hoffe ich, dass ich dann nicht in ein Loch falle.

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was danach kommt?

Ja. Es ist aktuell aber noch mehr das Sammeln von Ideen. Ich überlege mir, was ich gerne mache und ob ich damit etwas anfangen könnte in der Zukunft. Oder ob ich beim Fussball bleiben möchte. Es geht noch um nichts Konkretes. Ich habe keinen Stress, sofort etwas Neues zu machen. Das habe ich meiner Absicherung zu verdanken, die ich glücklicherweise habe. Aber meine Frau sagt auch, dass sie mich keine zwei Tage am Stück zu Hause aushält!

Dann ist es doch gut, sind Sie jetzt zwei Wochen hier in Marbella.

Das ist für meinen Geschmack dann wiederum etwas gar lange – so ganz ohne meine Familie. Aber es ist sicher nicht so, dass ich nach meiner Karriere zu Hause sitzen werde und nicht weiss, was ich mit mir anfangen soll. Ich werde mir sicher etwas Schönes suchen.

In welche Richtungen gehen Ihre Gedanken?

Ich bin eine Plaudertasche und trinke gerne Kaffee. Darum würde es mich reizen, ein Kaffee aufzumachen. Das ist eine Idee. Bei der Umsetzung spielen jedoch so viele Dinge eine Rolle. Wir wissen noch nicht, wo wir dann wohnen werden. Ziehen wir wieder nach Basel? Oder nach Frauenfeld? Oder ganz woanders hin? Da ist es schwer, einen Plan zu machen. Aber wenn man weiss, dass man etwas machen will, ist das schon einmal ein wichtiger Schritt.

Mussten Sie aufgrund Ihres runden Geburtstags einen Apéro schmeissen für die Teamkollegen?

Nein, das hat nie einer vor mir gemacht, dann mach ich das sicher auch nicht (lacht)! Ich habe es mir überlegt, aber es ist nicht mehr wie früher. Wir frühstücken zusammen und essen immer zusammen Mittag. Wenn du dann deine Mitspieler noch zwingen willst, auch noch mit dir Abendessen zu kommen, dann muss das auch nicht sein. Es freut mich und sie, auch mal noch andere Leute sehen zu können.

Hier ist das nicht möglich. Sie verbringen 13 Tage ausschliesslich miteinander. Wie vermeidet man, dass man sich nervt?

Man wird sich auf die Nerven gehen. Das muss einem bewusst sein. Irgendwann kommt der Punkt, wo einen etwas Kleines nervt. Dann gibt es Diskussionen, Meinungsverschiedenheiten. Das ist wie in jedem Lager: Anfangs ist alles harmonisch und dann kracht es. Wir sind 50 Männer, die Tag und Nacht aufeinandersitzen und alles zusammen machen. Da ist das unumgänglich. Aber wir wissen uns schon abzulenken.

Das Team ist unverändert, nur im Staff hat es Wechsel gegeben. Sie kannten Nacho Torreño bereits. Kann er die Lösung dafür sein, dass der FCB nach der Pause die Spiele nicht mehr aus der Hand gibt?

Für mich war das nie der Hauptgrund für diese schwache Hinrunde. Auch wenn es durchaus Spiele gab, in denen die Kondition ein Problem war. Aber ich hatte immer mehr das Gefühl, dass wir es vom Kopf her nicht intelligent genug gespielt haben. Dass wir uns immer zurückgezogen haben gleich nach der Pause und so nicht mehr ins Spiel gekommen sind. Meines Erachtens hat es eher daran gelegen.

Was meinen Sie mit nicht intelligent genug gespielt?

Es war einfach oft so, dass wir eine gute erste Halbzeit gezeigt haben und dachten, dass es von alleine so weitergeht. Das war nicht beabsichtigt. Aber das haben wir sehr, sehr teuer bezahlen müssen mit sehr vielen unnötigen Punktverlusten. Das nur auf die Kondition zu schieben, wäre zu simpel. Wir Spieler müssen selbstkritisch genug sein, um zu sagen, dass man es nicht auf das reduzieren kann.

Wie wurde diese schwierige, turbulente Hinrunde aufgearbeitet?

Ich glaube, wir haben in der Vorrunde genug aufgearbeitet. Wir haben viel diskutiert, das muss man nicht wiederholen. Jeder weiss, wo wir stehen und dass wir – die zwei letzten Spiele ausgenommen – keine so gute Hinrunde hingelegt haben.

Also ist alles abgehakt, auch die Spielerrevolte und der Unmut der Mannschaft gegenüber dem Trainer?

(Schmunzelt) Das ist es sowieso. Und das war auch keine Spielerrevolte. Das kann man nicht so bezeichnen.

Sondern?

Gemeinsam einen Weg suchen.

War da nicht mehr?

Wir werden zwar fürs Fussballspielen bezahlt, aber wenn wir spüren, dass es irgendwo hakt oder es nicht so funktioniert, wie wir das als richtig empfinden, dann haben wir ein Recht, das anzusprechen, und das haben wir auch getan. Wir alle haben die Schlüsse daraus gezogen und diese Woche gemeinsam abgehakt.

Wieso wird 2019 besser als 2018?

Sicher kann man sich nie sein. Aber ich bin positiv eingestellt. Sowohl aufgrund der letzten zwei Hinrundenspiele als auch der Art, wie wir auf die damalige Situation reagiert haben. Ich bin mir sicher, dass wir da gestärkt daraus herausgegangen sind. Wenn das ein Weckruf oder ein Turnaround war, bin ich der Erste, der so etwas dafür in Kauf nimmt. Hinzu kommt, dass wir eine gute Qualität im Team haben. Wenn wir diese abrufen und alle fit sind, bin ich mir sicher, dass wir imstande sind, mehr zu punkten als in der Vorrunde.

Wie lautet das genau Ziel?

Natürlich ist Platz zwei das Ziel. Den Traum nach Grösserem gibt es aber auch immer noch. Wenn es die Chance gibt, dass YB – aus welchen Gründen auch immer – beginnt, Punkte abzugeben, und wir es dann nicht schaffen, daraus Nutzen zu ziehen, dann nervt es mich. Wenn es nicht reicht, obwohl wir eine gute Rückrunde spielen, dann ist es so. Dann wissen wir, wo wir es verspielt haben. Wenn es aber nur nicht reicht, weil wir in der Rückrunde unsere Sache schlecht machen, dann wäre das extrem unbefriedigend. Das ist unser Ziel, oder besser unser Fokus: Bereit zu sein, wenn etwas passiert.