Herr Streller, Sie sind oft am Handy diese Tage. Wie gestresst sind Sie?

Marco Streller: Ziemlich. Es kommt nicht unerwartet. Als FCB-Sportchef weisst du, dass Juni bis August streng ist. Es ist seit zehn Jahren so, dass wir im Sommer drei, vier Spieler verlieren.

Haben Sie damit gerechnet, Michael Lang zu verlieren?

Schauen Sie seine Statistiken an! Es kommt nicht unerwartet. Und wir hatten schon bald die Anfrage von Besiktas auf dem Tisch. Schon vorher unterbreiteten wir Michi einen neuen, aufgebesserten Vertrag. Er lehnte aber ab, weil er ins Ausland wollte, was er uns auch mitgeteilt hat. Und dann kam plötzlich Gladbach ...

Und?

Wir haben gehofft und gekämpft um ihn. Aber als Gladbach kam, wusste ich, dass es vorbei ist. Für ihn war es die Chance seines Lebens. Der Traum von der Bundesliga.

Sie hätten ja trotzdem auf Vertragserfüllung pochen können.

Wir spielten mit dem Gedanken, den Vertrag einfach auslaufen zu lassen und abzulehnen. Aber erstens stimmte das Angebot für einen Spieler seines Alters mit einem Vertrag, der noch ein Jahr dauert. Und zweitens geht es auch um Respekt gegenüber Michael Lang.

Wie meinen Sie das?

Man weiss nie, was in einem Jahr passiert. Vielleicht hätte er sich verletzt. Dann hätten wir seinen Traum zerstört. Michi ist zwar sehr wichtig für uns, aber er hat sich diesen Transfer mit seinen Leistungen auch verdient. Er hat so viel für diesen Verein geleistet. Wir müssen uns in der Schweiz einfach auch damit abfinden, dass wir eine Ausbildungsliga sind.

Jetzt sind Sie unter Druck. Vor allem auch, weil sich Taulant Xhaka noch verletzt hat.

Tauli hätte sicher ein bisschen Druck aus der Sache nehmen können. Er hat auch schon in der Champions League als rechter Verteidiger gespielt. Mit ihm hätte ich mir keine Sorgen gemacht. Aber am gleichen Tag, wie es bei Michi konkret wurde, verletzte er sich. Ein Klassiker. Trotzdem: Sorgen muss sich niemand machen. Wir werden nicht sparen, sondern gebührend reagieren.

Viele Fans hoffen auf Kevin Mbabu.

Wir könnten uns Mbabu nicht leisten. Und Wuschu (Christoph Spycher; d. Red.) würde ihn mir auch nicht geben. Genauso wie auch ich keinen Spieler zu YB gehen liesse. Aber wenn wir schon bei Mbabu sind: Wo war der vor einem Jahr? Wer hätte gedacht, dass er sich so entwickelt?

Christoph Spycher vielleicht.

(Lacht) Aber auch nicht gewusst. Wir sind in der Schweiz auch ein bisschen verdammt dazu, immer wieder Spieler mit Potenzial zu finden und sie zu entwickeln. Da geht es YB nicht anders als uns. Wir als sportliche Leitung müssen cool bleiben, aber dass die Fans emotionaler reagieren, ist mir natürlich auch klar.

Wird der Lang-Ersatz noch ins Trainingslager kommen?

Es sieht so aus. Wir hoffen, dass der Deal nächste Woche abgeschlossen werden kann. Ich werde auf jeden Fall nicht bis am Schluss in Tegernsee bleiben. Es drängt ja auch.

Genau. Schon in drei Wochen steigt der FCB in die Champions-League-Qualifikation ein.

Deshalb haben wir die Spieler und ihre Berater gebeten, uns bis Ende Juni Bescheid zu geben, wenn sie einen Transfer anstreben. Wir möchten ab jetzt mit unserem Kader arbeiten können, um dann bereit zu sein. Das haben alle akzeptiert und so kamen die ersten Anfragen schon Mitte Juni.

Bei Elyounoussi?

Ja, auch. Mit Aldo Kalulu konnten wir seinen Abgang vorzeitig abfedern. Das ist bei Lang nicht gelungen. Auch wegen der Verletzung von Tauli. Aber es sollte, wie gesagt, schnell gehen.

Sie sagten, dass Sie bis Ende Juni wissen wollen, wie Ihr Team aussieht. Wird es also keine weiteren Veränderungen mehr geben?

Nein, es kann durchaus noch etwas passieren. Es tut sich etwas.

Es ist also schon ziemlich konkret?

Ja.

Schon in den nächsten Tagen?

Ja.

Verlässt Tomas Vaclik den FC Basel schon in den nächsten Tagen?

Verlässt Tomas Vaclik den FC Basel schon in den nächsten Tagen?

Auf der Goalie-Position? Es gab Gerüchte um Tomas Vaclik.

(Schweigt.)

Würde Sie sein Abgang noch mehr unter Druck setzen?

Nein, wir haben mit Jonas Omlin einen Mann geholt, der eine sensationelle letzte Saison gespielt hat. Er hat zwar noch nicht gleich viel Erfahrung wie Tomi, aber grosses Potenzial.

Der Mann scheint unglaubliche Sprungkraft zu haben.

Er bringt alles mit, um ein ganz grosser Goalie zu werden. In den Explosivitätstests, die wir machen, pulverisiert er alle Rekorde.

Sollte Vaclik gehen, würden Sie innert weniger Tage drei Teamstützen verlieren. Beunruhigt Sie das nicht?

Nein, das ist das Los des FC Basel. Wir haben zwar auf der Position des Rechtsverteidigers noch eine Lücke, aber punkto Führungsqualitäten haben wir dank den Wintertransfers von Fabian Frei und Valentin Stocker kein Manko. Wir haben viel darüber gesprochen, was im Winter schieflief. Aber wir profitieren jetzt auch davon, dass die beiden schon da und integriert sind.

Und in der Offensive? Mit Lang und Elyounoussi gingen ja auch fast 50 Skorerpunkte verloren.

Das stimmt. Aber unsere Offensive steht. Wir haben vollstes Vertrauen. Samuele Campo und auch Vali Stocker sind viel weiter als im Frühling. Wir versprechen uns von beiden viel diese Saison. Jetzt hoffen wir, dass Sämi möglichst schnell wieder voll dabei sein kann, dann wird er uns noch viel Freude machen. Zudem hatten auch Kevin Bua und Dimitri Oberlin ansprechende Statistiken letztes Jahr, sie sind bereit, einen weiteren Schritt zu machen. Und dahinter drücken mit Noah Okafor und Afimico Pululu zwei grosse Talente nach. Und zu guter Letzt haben wir mit Aldo Kalulu einen Mann geholt, der riesige Qualitäten und schon drei Saisons in den höchsten zwei Ligen Frankreichs in den Beinen hat.

Sind Sie selbst eigentlich in Ihrer zweiten Saison nervöser als vor einem Jahr?

Sagen wir es so: Der Druck hat sicher nicht abgenommen. Wir haben zwar in der Champions League stark gespielt, aber letztlich sind diese zwei Pokale nicht in unserer Vitrine. Das nagt brutal an uns allen.

Aber die Champions-League-Erfolge waren schon sehr wichtig. Auch bei der Verpflichtung von Kalulu.

Sicher. Da war es vor allem auch unsere Transfer-Historie. Der Hype um Mo Salah. Das hilft, dass uns sehr gute Talente angeboten werden. Die gehen dann nach ein, zwei Jahren zwar wieder – wie jetzt Elyounoussi –, aber sie helfen uns auch ungemein. Aber das ändert nichts daran, dass diese Saison der Titel zurück nach Basel muss.