Der Auftakt versprach eine Fortsetzung der bisherigen Kost. Nach 40 Sekunden blieb ex-Captain Joël Fuchs benommen liegen – und konnte erst wieder Mitte der zweiten Halbzeit ins Spiel eingreifen. Nach vier Minuten stand es 2:12, nach acht Minuten leuchtete von der Anzeigetafel ein ernüchterndes 11:23 auf. Es sollte der höchste Rückstand der Gastgeber sein.

Aber bereits in den letzten Angriffen der ersten zehn Minuten zeigten die „Wings“, dass eine „Transformation“ stattgefunden hatte. Cheftrainer Pascal Donati hatte im ersten Vier­tel alle acht verfügbaren Senioren ins Spiel „geworfen“ - zeitweise erfolgten die Wechsel wie im Eishockey im Sekundentakt. «Ich wollte, dass jeder Spieler schon zu Beginn den Match spürt; und mir war bekannt, dass Boncourt praktisch mit seiner Stammfünf durch­spielt», so der Nachfolger von ex-Trainer Roland Pavloski.

In der Tat wechselte Donati in diesem Auftaktviertel gegen Boncourt wohl mehr als Pavloski in den neun Matches, in denen er der Equipe vorgestanden war, zusammen.

Superbe Dreipunkte-Quote

In der 13. Minute glückte den Starwings der Ausgleich (32:32); wenig später brachte US-Center Ryan Smith die Gastgeber erstmals in Führung (34:32 nach 14 Minuten). Und bis zur 35. Minute, während gut zwei Vierteln, spielten sich die Unterbaselbieter in einen Spielrausch.

Vor allem die Distanzwürfe (zeitweise lag die Trefferquote bei den Dreiern bei unverschämten 60 Prozent) liessen den Gast aus der Ajoie verzweifeln. Branislav Kostic liess sich ein zwei von zwei Dreiern notieren; Routinier Nemanja Calasan hatte vier von sechs Dreiern im Korb, während Sébastien Davet (er strotzte vor Energie und übernahm Verantwortung) zwei von vier Dreiern in den Korb unterbrachte.

Aber auch Alessandro Verga streute zwei „Bomben“, wie im Süden die Dreipunktewürfe genannt werden, ein – und der Favorit aus Boncourt sah, wie sein Rückstand sukzessive anwuchs.

Von strafversetzt zum Topskorer

Nach 22 Mi­nuten stand es 78:61 – durch das gutgelaunte Publikum, das jederzeit ein star­ker 6. Mann war, ging ein Raunen. Justin Mitchell, vor drei Woche noch als 9. Mann auf die Bank „straf­versetzt“, war der Equipe ein vifer, quirliger Spielmacher. Und avancierte zum Topskorer.

Aber alle spürten, dass dieser Vorsprung trügerisch würde, denn Boncourt hat drei starke Amerikaner, einen „Schweizer“ (Robert Zinn), der Deutscher ist und jahre­lang in der 1. Bundesliga (bei Tübingen) gespielt hat. Und die Jurassier hatten im Inside-Spiel mit zunehmender Spieldauer klare Vorteile. Auch das soll sich mit Antonio Hester ab nächster Woche ändern!

Das grosse Nervenflattern begann

Weil aber Smith einige ärgerliche Ballverluste, mit anschliessendem Foulspiel und einem technischen Foul für Reklamieren erhielt (und ausscheiden musste), Mitchel ab der 31. Mi­nute wieder vermehrt „hühnerte“, erzielte der BCB Korb um Korb. Und 80 Sekunden vor der Endsirene, beim Stand von 82:79, schien der sichere Sieg zu entschwinden.

Ryan Smith von den Starwings in Action.

Ryan Smith von den Starwings in Action.

Ein Mix aus Anfeuerungen, Angst (vor dem ersten Erfolg) und Nervenflattern waren bei Spielern und Anhängern der Starwings spürbar. Aber mit vereinten Kräften (eindrücklich, wie bei al­len Akteuren, auch jenen drei Junioren, die das Kader komplettieren müssen, das Feuer brannte) brachten die „Wings“ den Sieg über die Runden. Es war Fuchs vergönnt, mit zwei Freiwürfen für die Entscheidung zu sorgen; die restlichen 30 Sekunden waren ein Genies­sen eines Siegesgefühles, das den Unterba­selbietern bis dato unbekannt war.

Und jetzt heisst es Warten auf Antonio Hester, der heute Sonntagabend in die Schweiz kommt. Wenn er das hält, was er bisher in Peru, Spanien, Finnland und Island ge­zeigt hat, dann dürften die Starwings nicht den letzten Erfolg gefeiert haben.