Seit dem 30. Juni 2015 präsidiert André Benz (55) den FC Liestal, nachdem der 1894 gegründete Verein (der damit zu den zehn ältesten Schweizer Fussballklubs gehört) vorgängig – gelinde gesagt – turbulente Zeiten erlebt hatte. Das sind aber Tempi passati.

Heute Nachmittag wird der «Presi», und mit ihm zusammen bestimmt einige Hundertschaften von Anhängern des FCL, in Dornach zugegen sein. Denn was niemand zu träumen gewagt hätte, kann Realität werden: Mit einem Sieg gegen die Solothurner steigt Liestal in die 1. Liga auf. Weil in der fünfthöchsten Klasse bei Punktgleichheit nicht das Torverhältnis zählt, sondern die Strafpunkte entscheiden, haben die Baselbieter gegenüber dem FC Biel einen gewichtigen Vorteil. Die Seeländer haben drei Strafpunkte mehr auf dem Konto (entspricht drei gelben Karten). Mit einem Sieg und einer Verwarnung weniger als der einstige Nationalliga-A-Klub wäre Liestal also in der 1. Liga.

Ein Spaziergang wird es für die beiden Kontrahenten nicht. Der Zufall will es, dass die Co-Leader bei den punktgleichen Verfolgern gastieren. «Auch für Biel wird das Kantonsderby gegen Konolfingen kein Schleck», ist man in Liestaler Kreisen überzeugt.

Keine Party im Trainingslager

Dass die Elf von Cheftrainer Mario Ritter (36) überhaupt an der Tabellenspitze steht, ist einer superben Rückrunde zu verdanken. Aus zwölf Matches resultierten zehn Siege und zwei Unentschieden und damit 32 von 36 möglichen Punkten. Zwar liessen die Liestaler nur vor eigenem Publikum Federn – nur der SC Binningen und Abstiegskandidat Prishtina Bern punkteten im Stadion Gitterli –, zugleich holten sie zu Hause auch den für den möglichen Aufstieg allenfalls wegweisenden Sieg gegen den FC Biel (3:2).

Ein Spiel vor Schluss ist Liestal nun also in der Pole-Position. Das konnte man nicht erwarten. «Ganz überrascht von unserer Performance bin ich aber nicht», sagt Ritter. Dann fügt er an: «Wir sind eine Equipe, die sehr strukturiert und diszipliniert agiert. Wir verfügen über eine klare Spielphilosophie, die auf einem homogenen Kollektiv basiert. Und im Winter haben wir mit Ayia Napa auf Zypern einen Ort für unser Trainingscamp ausgesucht, wo zu dieser Jahreszeit tote Hose herrschte. Das war optimal für unsere Rückrunden-Vorbereitung. So konnten wir ungestört und fokussiert trainieren.»

«Eine brisante Partie»

Präsident Benz ergänzt: «Unsere Mannschaft ist in den letzten drei Jahren organisch gewachsen. Wir haben sie nur punktuell ergänzt und verstärkt. Alle Spieler kennen sich, sind Freunde und machen oft auch ausserhalb des Spielfeld etwas gemeinsam. Bei uns sind Kameradschaft und Teamgeist keine Floskeln, sondern werden vorgelebt.» In der Tat hat man aus Liestal in den letzten Jahren wenig gehört. Keine «Super-Transfers», keine personellen Turbulenzen in der Klubleitung (was auch schon mal anders war…) und weil man geografisch ein wenig «abseits» zur Lokalkonkurrenz aus Allschwil, Binningen, Muttenz oder der Stadt Basel (Concordia, Old Boys) liegt, bemerkte lange Zeit niemand, was sich da im «Stedtli» fussballerisch entwickelt.

Trainer des SC Dornach ist Sandro Kamber. Der einst auch den FC Liestal trainiert hat und viele Aktive noch kennt – und schätzt. Für Kamber, wie einige Dornacher Leistungsträger, ist es das letzte Spiel im gelb-schwarzen Dress. Auf die Frage, wie der SCD in die Partie gehen wird, meint er: «Was ein Kehrausspiel hätte sein können, ist nun zu einer brisanten Partie geworden. Aber das tut dem Regionalfussball gut. Wir werden nichts schenken – so wenig, wie Konolfingen dem FC Biel gratis die drei Punkte überlässt. Wir alle wünschen uns ein faires, spannendes Spiel. Und beim Abpfiff wissen wir alle mehr», so Kamber schmunzelnd.

«Ein Nichtaufstieg wäre im ersten Moment sicher eine Enttäuschung. Aber kein Drama. Wir bleiben bei unserer Philosophie; wir sind schuldenfrei, wir haben ein ausgezeichnetes Nachwuchskonzept und die 1. Mannschaft besteht de facto aus lauter Eigengewächsen, mit denen man sich identifizieren tut», so Benz. Und die bz Basel ist überzeugt, dass die Liestaler im Gepäck, für den Fall aller Fälle, die Aufstiegs-T-Shirts dabei haben. Den «Schampus» kann man auch in der legendären Klubbeiz des SC Dornach noch posten ...