Das zum Markenzeichen gewordene Strahlegesicht mit der Vorfreude auf das Läckerli-Präsent an der Siegerehrung im Haus der Schlüsselzunft zeigte Tadesse Abraham diesmal nicht. „Ich bin enttäuscht“, beschrieb der 35-jährige Genfer nach den 7,55 km und viereinhalb Runden durch die Freie Strasse, dem Rheinsprung und dem Münsterplatz seine Gefühle.

Die Aussage war begründet. Abraham büsste schon bei Rennhälfte den Kontakt zu Julien Wanders ein, dem jungen Genfer, der auch den Basler Strassen und Gassen seinen Stempel aufdrückte. Und das Verdikt zeigte sich für den Halbmarathon-Europameister, Olympia-Siebten im Marathon und hervorragenden Fünften des New York Marathons vor drei Wochen brutal.

„Die Kraft schwand zusehends“, konstatierte er. Nicht der (zu) kurzen Regenerationsperiode seit dem 42,195-km-Rennen schrieb er das Malheur vorrangig zu, sondern einer Erkältung.

Wanders erzeugt Druck… 

Die Formbaisse des sechsfachen Seriensiegers seit 2012 nutzte einer eindrücklich: Julien Wanders. Der erst 21-Jährige, ebenfalls aus Genf verstand es, die Erwartungen der regionalen Laufgemeinschaft in die Tat umzusetzen. In einer Online-Umfrage auf athlete.ch nämlich hatten sich 75 Prozent für ihn als Sieger im Duell gegen Abraham gezeigt.

Wie leicht ihm das anspruchsvolle Unterfangen glückte, überraschte auch Wanders selber. Von Anfang an präsentierte er sich an vorderster Front des gewohnt erstklassig besetzten Elitefeldes. Noch vor Rennhälfte erarbeitete er sich einen Vorsprung auf die härtesten Widersacher.

Dieser wuchs kontinuierlich und betrug schliesslich 21 Sekunden auf Simon Tesfay, den Greifenseelauf-Sieger des letzten Jahres und Halbmarathon-Spezialisten von internationalem Format. Einen zusätzlichen Zehntel verlor Bernard Matheka (Ken), 30 Sekunden Mohammed Boulama (Mar), 38 Sekunden Abraham.

…. und realisierte eine Premiere

„Ich habe meine gute Form bestätigt gesehen“, sagte Wanders nach dem Rennen, „ich konnte angreifen, den Druck vergrössern und durchziehen.“ Sein erster Sieg über Abraham bereitet ihm Freude. Gleichzeitig relativiert er ihn: „Tade ist noch nicht erholt von New York, und die Distanz hier in Basel ist weniger die seine, denn meine.“

Als trotzdem „très joli“ bezeichnete er seine Basel-Premiere. Grundsätzlich anders als Abrahams Vorgeschichte war die seine: Erst vor zehn Tagen war er von seinem dreimonatigen Trainingslager in Kenia heimgekehrt. Und an seinen „Zweitwohnsitz“ zieht es ihn nach der Escalade vom nächsten Samstag in Genf (wieder gegen Abraham) erneut.

Wanders hat sich dem Laufen verschrieben und nutzt die hochkarätige Konkurrenz in Kenia für sein eigenes Vorankommen.

Bekele zum dritten

Bei den Frauen hingegen wahrte Helen Bekele die Möglichkeit für eine eindrückliche Siegesserie. Die erst 23-jährige Äthiopierin aus Genf siegte zum dritten Mal in Folge - souverän. 6 Sekunden nahm sie über die 5,9 km ihrer ersten Verfolgerin, Cynthia Kosgei (Ken) ab, .23 der dritten Corinna Harrer (D) und 41 der vierten und bestplatzierten Schweizerin, Selina Büchel.

Doch gerade die 800-m-Hallen-Europameisterin des letzten Frühlings hatte trotz des Verpassens des Podests Grund zur Freude: „Ich lief relaxed, erfreulich rhythmisch und forderte mich hart“, sagte die 25-jährige Toggenburgerin. Um ihr erstes Rennen seit Abschluss der Sommersaison bei Weltklasse Zürich Ende August handelte es sich.

Geprägt worden ist der 35. Basler Stadtlauf ebenso vom zeitweise starken Regen und Wind. Zuschauer am Streckenrand waren deshalb weniger und die vielgerühmte Stimmung litt. Und auch die Anzahl jener, die auf den Start verzichteten fiel witterungsbedingt etwas höher aus: Von den 9117 Gemeldeten gingen 8083 an den Start. 8039 erreichten das Ziel.