Dieses Problem hat FCB-Trainer Marcel Koller von seinem Vorgänger Raphael Wicky übernommen und dafür offenbar bis heute noch keine Lösung gefunden: Der FC Basel schafft es nicht mehr, Vorsprünge gemütlich nach Hause zu spielen.

Genau vor einem Jahr titelte diese Zeitung an selber Stelle: «Der FCB dreht keine Spiele mehr, er bekommt sie gedreht.» Das ist auch heute noch so. In 10 von 14 Liga-Spielen der laufenden Super-League-Saison ging der FCB in Führung. Nur die Hälfte davon konnte Rotblau auch gewinnen. Gegen Lugano (2:2), den FCZ (1:1) und in beiden Spielen gegen Xamax (je 1:1) gab es trotz Führung – gegen Lugano sogar mit zwei Toren – am Ende nur ein Unentschieden.

Gegen Thun verlor der FC Basel vor zwei Wochen mit 2:4, obwohl er auch in der Stockhornarena 2:0 geführt hatte. Vergangene Saison verspielte der FCB zwar auch Vorsprünge, doch das Torverhältnis nach der Pause war mit +21 sogar besser als in den ersten 45 Minuten (+20). Das ist in der laufenden Saison nicht mehr so. Der FC Basel bricht jetzt im zweiten Durchgang regelmässig ein. 17:6 Toren vor der Pause stehen 11:22 Tore nach dem Seitenwechsel gegenüber.

Das führt zu einer kuriosen Statistik: Wären die Spiele in der Super League nach 45 Minuten zu Ende, wäre der FC Basel Leader und hätte acht Punkte mehr auf dem Konto als momentan (siehe Tabelle). Würde nur Halbzeit 2 zählen, hätte der FCB nur einen Sieg – auswärts gegen St. Gallen – und acht Punkte auf dem Konto. Sowohl offensiv wie defensiv ist der FCB nach der Pause Schlusslicht. Kein Super-League-Team hat im zweiten Abschnitt mehr Gegentore kassiert. Und nur der FC Zürich und Xamax haben nach der Pause ebenfalls nur noch elf eigene Tore bejubelt.

Woran liegt das? Ist es die Unerfahrenheit des relativ jungen Kaders? Auch GC, das jüngste Team der Liga, ist vor der Pause deutlich besser. Oder hat der FCB ein Konditionsproblem? FCB-Trainer Marcel Koller meint, die Gründe zu kennen: «Wir wähnen uns bei Führungen in Sicherheit und lassen die defensive Kompaktheit vermissen. Das ist gefährlich und so kann ein Spiel schnell kippen.»

Die Halbzeit-Tabelle: Basel wäre ganz vorne, Thun hinten