Diese Szene ist sinnbildlich für den gestrigen Spitzenkampf. Mitte der ersten Halbzeit grätscht FCB-Innenverteidiger Eder Balanta YBs Ngamaleu an der Seitenlinie so den Ball vom Fuss, dass dieser ihn noch berührt, bevor er ins Out geht. Ein paar Meter nebenan ballt Kollege Taulant Xhaka daraufhin beide Fäuste und jubelt fast schon wie bei einem Tor, als der Linienrichter diese knifflige Szene richtig bewertet und mit seiner Fahne einen Einwurf für Basel anzeigt.

1:0 steht es zu diesem Zeitpunkt für den FC Basel, der dieses Spiel – trotz 21 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter aus der Bundesstadt – angeht, als gäbe es einen Titel zu gewinnen. «Heute war die Tabelle nicht wichtig. Es ging um Ruhm und Ehre», erklärt Xhaka nach dem Spiel. Wie sehr diese Aussage zutrifft, beweist die Stimmung. Schon weit vor dem Anpfiff geben Muttenzerkurve und der gut gefüllte Gästesektor alles, um ihr Team nach vorne zu peitschen.

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Doch der Wille und die Leidenschaft auf dem Platz sind bei Xhaka und Co. zu Beginn deutlich grösser. Fast jeder Zweikampf geht an den FCB. In der 17. Minute kommt der mit 1,83 Metern im Vergleich zur YB-Verteidigung doch eher kleine Marek Suchy nach einer Ecke freistehend an den Ball. YB-Goalie von Ballmoos kann dessen Oberarm-Kopfball noch parieren, doch vom Bauch von Aebischer fällt der Ball zum umjubelten 1:0 ins Tor. Das löst in der Muttenzerkurve ein kollektives Hüpfen aus, das minutenlang anhält. Gemeinsam mit dem lautstark aufmunternden YB-Sektor zeigen beide Fanlager – nach den gruseligen Vorkommnissen beim Spiel Sion gegen GC – wie schön eine gesunde Rivalität sein kann.

Basel müsste zur Pause führen

Auch nach dem 1:0 bleibt der FCB das bessere Team. Die YB-Stürmer Assalé und Nsame sehen gegen die aggressive und notfalls gerne auch grätschende FCB-Defensive kein Land. Auf der Gegenseite verballern Silvan Widmer und Ricky van Wolfswinkel zweimal aus ähnlicher Position das mögliche 2:0. Ihr Kopfbälle landen jeweils nicht im Tor.

Dass Rotblau trotz der sehr guten Leistung konsterniert in die Pause trottet, liegt zum einen an der brutalen Effizienz der Berner und zum anderen an Stellungsfehlern und einem Standard, bei dem der FCB zweimal zu spät kommt. Nsame trägt sich in der 41. und 44. Minute als doppelter FCB-Schreck in die Skorerliste ein.

Erst hat YB Glück, dann der FCB

«Wir haben nicht gut gespielt, aber die Dinger sind trotzdem rein», bringt es YBs Christian Fassnacht auf den Punkt. «In der 2. Halbzeit haben wir das Glück aus den ersten 45 Minuten dann aber kompensiert.» Tatsächlich hätte der alte und bald wohl auch neue Meister das Spiel noch gewinnen können. Erst trifft Noah Okafor nach einer kurz ausgeführten Ecke zum hochverdienten 2:2 für den FCB. Der Youngster nimmt einen Klärungsversuch von Camara an und donnert den Ball aus 20 Metern per Vollspann in die linke untere Ecke. Doch dann erwacht YB. Gleich viermal kommen die Berner gefährlich vors FCB Tor. Erst rettet Omlin gegen Benito, dann zweimal die Latte und einmal das Unvermögen von Fassnacht.

«Wir haben ein abwechslungsreiches Spiel gesehen, in dem beide Teams einen enormen Aufwand betrieben haben. Das war Werbung für den Schweizer Fussball», bilanziert Koller. Spätestens in der kommenden Saison soll es beim nächsten YB-Gastspiel im Joggeli dann nicht mehr nur um Ruhm und Ehre, sondern auch wieder um den Platz an der Tabellenspitze gehen.

Die Noten zum Spiel: