Blas Riveros kommt alleine zum Interview. Und ja, das ist beim jungen Paraguayaner eine kleine Überraschung. Seit er vor einem Jahr zum FC Basel gewechselt ist, war er eigentlich immer in Begleitung. Meist mit Ersatzpapa, Dolmetscher und zu Beginn auch Zimmerkollege Matías Delgado. So erschien er auch zum ersten Gespräch mit der bz vor einem Jahr in Begleitschutz Delgados.

Und auch an diesem Donnerstagnachmittag hätte Delgado seinen Schützling begleiten sollen, um diesem Sicherheit zu verleihen. Eigentlich. Riveros habe ihm aber gesagt, dass er ihn nicht brauche, so der FCB-Captain. Er könne das jetzt alleine.$

FCB-Trainingslager in Crans-Montana:

Es ist ein Zeichen, dass der 19-Jährige gereift ist. Er spricht lauter, ausführlicher als noch vor einem Jahr. Immer wieder lacht er. Die schüchternen Blicke auf den Boden sind genau so Vergangenheit wie das aus der Nervosität entstandene stete Befeuchten der Lippen. Riveros hat sich entwickelt. Zu seinem Leidwesen aber nur menschlich, kaum aber sportlich. Fussballerisch ist er stehen geblieben. Ist er dort, wo er vor einem Jahr war.

Vor allem, weil er Mühe hatte. Neben dem Platz. «Die Wahrheit ist, dass es nicht einfach war für mich. Es war hart. Wirklich sehr hart», sagt Riveros. Die Anpassung sei ihm schwerer gefallen, als er gedacht hatte. Mit 18 Jahren verliess er seine Heimat, seine Freunde und Familie, die ihm alles bedeutet. In Basel aber war er ohne Altbekanntes. «Das Land war neu, die Mitspieler waren neu und zu Hause war selten jemand, der auf ihn wartete.» Familie und Freundin haben ihn zwar besucht, konnten aber nie länger als drei Monate bleiben. So will es das Gesetz. «Ich habe mich, ehrlich gesagt, sehr alleine gefühlt. Sehr einsam», gibt Riveros zu.

Bessere Integration

Die privaten Probleme resultierten in schwankenden Leistungen, einem leichten Übergewicht und der Tatsache, «dass ich nie wirklich 100 Prozent im Training geben konnte». Die Konsequenz: mickrige zehn Spiele mit der ersten Mannschaft und die Nicht-Berücksichtigung für das Champions-League-Kader.

«Ich konnte nie wirklich 100 Prozent im Training geben.»

Blas Riveros:

«Ich konnte nie wirklich 100 Prozent im Training geben.»

Dinge, die ihn beschäftigten. Sehr sogar. Aber die er nachvollziehen konnte. «Wenn du mental nicht auf der Höhe bist und nicht das Maximum geben kannst, dann ist es eine logische Entscheidung des Trainers.» Er habe es zwar schon in einem anderen Interview vor ein paar Wochen gesagt, aber er könne es nicht anders formulieren: «Es ist ein komplett verlorenes Jahr. Und ein Jahr zu verlieren, das ist enorm viel im Fussball.»

Und es ist etwas, das ihm nie wieder passieren soll. Dafür hat er gesorgt – und will dies auch weiterhin tun. «Ich kann zum ersten Mal seit meiner Ankunft beim FCB vollen Einsatz geben. Ausserdem habe ich mich viel mehr in die Mannschaft eingebracht.» In Taulant Xhaka und Renato Steffen hat er gute Freunde gefunden. Immer wieder machen die drei Spässchen im Training. «Und wir reden auch viel. Zu ihnen habe ich ein super Verhältnis.» Kommuniziert wird auf Englisch, das er mittlerweile verstehe, aber noch kaum sprechen kann. «Ich werde dieses Jahr aber zusammen mit Eder Balanta anfangen, Unterricht zu nehmen.» 

Riveros will unabhängiger werden. Auch von Delgado. «Ich wollte ihn nicht immer stören, er hat selber genug zu tun.» Dass er es sich erlauben kann, auf dessen Hilfe zu verzichten, hängt damit zusammen, dass er auch neben dem Platz einen Freund gefunden hat. «Ich habe in meinem Wohnort einen Paraguayaner kennen gelernt, der mit sechs Jahren in die Schweiz gekommen ist. Er spricht perfekt Deutsch und Spanisch und hilft mir sehr.» Doch noch viel wichtiger ist, dass er bald nicht mehr alleine zu Hause sein wird. In wenigen Tagen kommt seine Frau, seine «Señora», wie er sie nennt, endlich definitiv in die Schweiz. Im Dezember haben die beiden geheiratet. Dadurch hat sie auch die permanente Aufenthaltsbewilligung bekommen und muss nicht immer wieder ausreisen.

Bereit für die Startelf

Mit ihr werde alles besser werden. Auch fussballerisch. Er sei bereit. Dass die Jungen im neuen Konzept bevorzugt werden sei ein Vorteil, mehr Gedanken habe er sich zu den Veränderungen im Klub aber nicht gemacht. Ausser zu jener, dass nun Raphael Wicky und nicht mehr Urs Fischer sein Trainer ist. «Ich kann mich mit ihm besser austauschen, weil er sehr gut Spanisch spricht. Das hilft, alle Forderungen besser umzusetzen.»

Fischer habe ihm zwar in häufigen Gesprächen via Dolmetscher Delgado versichert, dass er eine grosse Zukunft habe und ihm Tipps gegeben. Aber die direkten Gespräche auf Spanisch, sie lassen ihn das Vertrauen des Trainers mehr spüren. «Ich fühle mich wirklich sehr gut.» So gut, um in die erste Elf zu gehören. «Zuerst in der Liga, dann in der Champions League.» Eine Kampfansage an Raoul Petretta, seinen Konkurrenten auf der Position des Linksverteidigers. Es scheint, als hätte Riveros sein Selbstvertrauen gefunden. Und als wäre er mit einem Jahr Verspätung doch noch in Basel angekommen.