Raoul Petretta und Renato Steffen hält nichts mehr. Gemeinsam rennen sie auf Taulant Xhaka zu, der vor Freude bereits zu Boden gesunken ist. Steffen und Petretta springen auf ihn, begraben ihn unter sich. Daneben strecken Michael Lang und Mohamed Elyounoussi beide Arme in die Höhe. Es ist geschafft. Der FC Basel gewinnt gegen Benfica Lissabon mit 2:0 und qualifiziert sich für den Achtelfinal der Champions League. Zum dritten Mal bei der siebten Teilnahme an der Königsklasse übersteht er die Gruppenphase.

«Unglaublich, was wir geleistet haben. Ich bin riesig stolz auf diese Mannschaft. Einfach sensationell!» freut sich Lang nach dem Spiel. «Jetzt jubeln wir, es ist eine riesige Freude. Aber ob wir das jetzt schon realisieren können? Nein! Wenn man sieht, wie wir gestartet sind in die Saison – dann haben wir einen riesigen Sprung gemacht. Jetzt sind jene, die mit dem Messer hinter unseren Rücken standen, wieder da als Schulterklopfer.»

Das drohende Aus

So perfekt die Bilanz am Ende des Abends, so lange muss der FCB aber auch zittern in Lissabon. Viel zu lange. Als die Basler sich zur Pause in die Kabine verabschieden, führen sie 1:0. Weil aber im Parallelspiel in Manchester mit ZSKA Moskau der direkte Konkurrent um den Einzug in den Champions-League-Achtelfinal ebenfalls mit 1:0 vorne liegt, ist für die Basler noch alles offen. Und dieses Wissen scheint sie zu hemmen.

Benfica vs Basel 0-2 All Goals & Highlights HD 2017/2018

Die Mannschaft wirkt unsicher, ist im Spielaufbau sowie in der Defensive fehlerhaft. Noch fehlerhaften und nonchalanter als zum Ende der ersten Halbzeit, als Benfica stärker wird, mehrfach zu guten Chancen kommt, aber immer knapp scheitert.

Ein mögliches Aussteigen

Die Basler ihrerseits strahlen Angst aus. In ihren Köpfen scheinen sich alle Gedanken um ein mögliches Ausscheiden zu drehen. Was, wenn Moskau noch ein Tor geschossen hat? Weil die Anhänger des FCB dies aber spüren, verreissen sie sich. Sie singen noch lauter, noch geschlossener, und peitschen ihr Team nach vorne.

Zu hören sind nur die Gästefans, ihr Gesang hallt bis unters Dach des spärlich gefüllten Estadio da Luz. Und als wollten sie etwas zurückgeben, kitzeln die Basler Spieler etwas in sich heraus, das sie nach der frühen Führung in der fünften Minute vernachlässigt haben.

Plötzlich kontern sie wieder. Plötzlich scheint wieder ein Wille da zu sein. Plötzlich landet der Ball auf Manuel Akanjis Kopf, der verlängert auf Dimitri Oberlin - und der köpft ein. Im Flug. 2:0. Es ist die 65. Spielminute. Zeitgleich erzielt Romelu Lukaku den Ausgleich für Manchester United. Zwei Minuten später gehen die Engländer gar 2:1 in Führung. Der FC Basel ist durch. In den Achtelfinals.

Der gebrochene Rekord

Dieser 2:0-Sieg des FC Basel und das Weiterkommen ist ein weiteres Ausrufezeichen auf europäischer Ebene. Es ist der vierte Sieg im sechsten Gruppenspiel. Das Punktekonto wächst auf zwölf Punkte an. Mehr Zähler hatte der FCB noch nie. Dass dazu ein Arbeitssieg nötig ist, wird spätestens heute schon niemanden mehr interessieren. Abgezeichnet hatte sich dieser zuerst nicht. Schon nach fünf Minuten konnte das Gastteam in Führung gehen. Nach einem schönen Zuspiel von Renato Steffen flankt Michael Lang punktgenau in die Mitte, wo er Mohamed Elyounoussi findet.

Der Norweger muss nur noch seinen Kopf hinhalten und schon ist die erneut frühe Führung gegen die Portugiesen Tatsache. Mit Oberlins Tor ist dann doch noch der Deckel auf einem Spiel drauf, in dessen Verlauf sich der FCB phasenweise leichtsinnig präsentiert. Dass aber ausgerechnet der bis dahin unsichtbare Oberlin trifft, spricht für die Qualität des FCB, zuzuschlagen, wenn es nötig ist. Das Selbstvertrauen dafür musste wieder gefunden werden. Im Spiel. Und in der Saison. Jetzt, da es endgültig wieder da ist, steht diesem FC Basel alles offen.


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