Als Marco Streller am Freitagabend in einem kleinen Raum am Basler Flughafen sitzt und gefragt wird, was für eine Reaktion der Sportchef von seiner Mannschaft nach dem Ausscheiden im Europacup erwarte, sagt er, dass «die Mannschaft Thun nicht aus dem Stadion hauen kann. Aber sie ist im Stande, zu gewinnen.» In seinen Worten schwingt Hoffnung mit. Hoffnung, die schon kurz nach Anpfiff des Duells FCB gegen Thun begraben werden kann. Anstelle einer Reaktion zeigen die Basler, dass sie die bösen Geister noch nicht ganz aus den Köpfen und die Müdigkeit nicht aus den schweren Beinen bekommen haben.

Der FCB ist behäbig, platt, ideenlos. Das Gezeigte ist von Fehlern geprägt. Wo der FCB früher einen Nimbus der Unbesiegbarkeit ausgestrahlt hatte, sendet er jetzt Zeichen von Verwundbarkeit. Thun erkennt und nutzt dies eiskalt aus. Nach einem Freistoss stellt sich der FCB derart naiv an, dass er in einen Konter läuft und Dejan Sorgic den ersten Thuner Torschuss gleich verwerten kann. Lange währt die Führung aber nicht. Mit einem Distanzschuss gleicht Fabian Frei in der 45. Minute aus.

Halb so erfolgreich wie YB

Das Tor kurz vor dem Pausenpfiff hätte der positive Abschluss einer enttäuschenden ersten Hälfte sein können. Stattdessen aber sorgt Taulant Xhaka mit seinem Platzverweis für ein negatives Ende. In Unterzahl spielen die Basler in Durchgang zwei zwar mit mehr Willen, Leidendschaft und Zug zum Tor – für den Sieg reicht es dennoch nicht. Dafür kommt diese Reaktion schlicht 45 Minuten zu spät. Resultatmässig bleibt sie gar ganz aus. Ein 1:1 gegen Thun ist nicht gut genug. So sagt es Frei nach dem Spiel. Nicht gut genug. Das trifft auch auf den FCB im Gesamten zu.

Dieses Team ist nicht gut genug, um Meister YB angreifen zu können. Wie weit der FCB den Bernern mittlerweile hinterherhinkt, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Während das verlustpunktlose YB 18 Punkte aufweist, hat der FCB deren 9. Die Hälfte. Ausserdem ist er auf Platz 3 abgerutscht, hinter St. Gallen. Er ist nicht mehr erster Verfolger. Ein Fakt, den man in Basel erst mal verdauen muss. Denn so hart sich die tabellarische Situation für den FCB darstellt, so realitätsgetreu spiegelt sie das Befinden wieder.

Trainerwechsel-Effekt scheint verpufft

Nach der Übernahme von Marcel Koller war dieses besser geworden. Der neue Trainer holte sechs Siege in seinen ersten sechs Spielen. Gefolgt wurden diese nun von zwei 1:1 und dem 0:1 gegen Limassol. Der Effekt des Trainerwechsels scheint bereits verpufft. Die anfänglich guten Resultate haben lediglich kaschiert, dass dieser FCB alles andere als gefestigt ist. Fast schon sinnbildlich dafür ist eine Szene nach dem Spiel. Als Frei eine Zwischenbilanz vor der anstehenden Nati-Pause ziehen soll, läuft Kevin Bua vorbei. An Krücken. Es ist eine Symbolik, die sich auf den Verein übertragen lässt. Es läuft, aber nicht wirklich rund.

In den nächsten zwei Wochen hat der FCB nun Zeit, sich zu finden. In der jetzigen Verfassung kann er der «absoluten Top-Mannschaft», wie Koller YB nennt, nicht gefährlich werden. Nicht in der Tabelle und nicht auf dem Platz. Genau dort aber werden sich die beiden bald treffen. In der ersten Runde nach der Nati-Pause gastiert der FCB nämlich: in Bern.